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Sanierung des Frankfurter Zoos : „Fläche ist nicht alles“

Eingeengt: Ein Winterauslauf für die Giraffen ist geplant. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Frankfurter Zoo setzt auf behutsame Erneuerung. Viel ist schon investiert worden. Doch etliche Gehege sind marode. Deshalb stehen zwei Großprojekte an.

          In den Frankfurter Zoo ist in den vergangenen 25 Jahren eine Menge Geld geflossen. Und dennoch gibt es einige Schmuddelecken. Die Pinguinanlage, die im Sommer mit einem Jahr Verspätung eröffnet werden soll, ist das letzte Vorhaben in einer Reihe von Investitionen, die der frühere Zoodirektor Manfred Niekisch 2008 bewilligt bekommen hatte. Finanziert wurde mit den damals für zehn Jahre zur Verfügung gestellten 30 Millionen Euro auch das Ukumari-Land, in dem jetzt die Brillenbären mit südamerikanischen Waldhunden und Ameisenbären leben. Die Anlage war zusammen mit dem neuen Eingangshaus errichtet worden. Der Gebäudekomplex neben dem Gesellschaftshaus beherbergt nicht nur die Kassen, sondern auch einen Zoo-Shop. Im hinteren Teil ist eine moderne Quarantänestation untergebracht. Sie dient nicht allein dem Zoo, denn dort werden auch Tiere untergebracht, die Zoll oder Polizei sicherstellen.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als Niekisch seinerzeit sein Amt antrat, konnte er das letzte große Bauprojekt seiner Vorgänger eröffnen, die Menschenaffenanlage Borgori-Wald, die für rund 15 Millionen Euro errichtet worden war. Zuvor hatte die Stadt seit Mitte der neunziger Jahre beispielsweise in den Bau des Katzendschungels und der Robbenklippen investiert. Davor allerdings gab es immer wieder Investitionslücken. Der Stadt fehlte es an Geld, aber es wurde auch immer mal wieder über die Verlagerung des Zoos nachgedacht, was die Bereitschaft zu Modernisierungen bremste.

          Einen Masterplan erarbeiten

          Darum warnt auch Zoodirektor Miguel Casares jetzt vor einer neuen Diskussion über ein solches Projekt. Er will vielmehr einen Masterplan erarbeiten, damit der Zoo in den nächsten Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt werden kann. Dabei möchte er nicht im Detail sanieren, sondern den Zoo in mehrere Zonen aufteilen – ein Nordareal um den Osteingang und das Grzimek-Camp und ein Südareal, dort, wo derzeit die Zebras untergebracht sind. „Fläche ist nicht alles“, sagt Casares, der schon in Spanien Zoos auf kleinerer Fläche entwickelt hat.

          Hüpfburg: Die Robbenklippen gefallen auch den Tieren. Bilderstrecke

          Dass Sanierungen nötig sind, hat der Direktor schon kurz nach seinem Amtsantritt den Mitgliedern des Kulturausschusses deutlich gemacht. Bei einer Führung zeigte er ihnen im vergangenen Frühjahr jene Bauten, die in besonders schlechtem Zustand sind. Zu ihnen gehört das Haus, das sich Nashorn und Nilpferd teilen. Die beiden Vertreter besonders bedrohter Spezies sind nach dem Tod ihrer Partner allein. Schon die Außenanlagen sind trist, und im Inneren des Hauses machte Casares den Stadtverordneten klar, dass dort eine artgerechte Haltung nicht mehr möglich sei. Aber auch der Arbeitsschutz sei ein Problem. Tierpfleger müssten zum Teil durch enge, feuchte Gänge kriechen, um an Käfige zu kommen.

          Mit 145 Jahren ist die Anlage der Dickhäuter eine der ältesten des Zoos. 65 Jahre alt ist die Anlage der Giraffen; das Affenhaus mit seinen gekachelten Schaugehegen wurde vor 56 Jahren gebaut. Auf einer Karte hat Casares alle überalterten Gehege eingezeichnet. 14 der 25 Anlagen seien mehr als 50 Jahre alt. Dabei liege die Lebensdauer einer solchen Anlage normalerweise bei 30 bis 40 Jahren. Deshalb müsse dringend investiert werden. Es stehe viel auf dem Spiel, denn Frankfurt habe einen Ruf zu verlieren.

          Um die Situation im Zoo zu verbessern, will Casares bis 2022 ein „Paket zur Konsolidierung“ vorlegen. Bis 2030 könnten dann die Anlagen der Afrika-Savanne im Südwesten und die der Affen im Nordosten erneuert werden. Was das alles kosten könnte, soll in einer Konzeptstudie untersucht werden. Casares schätzt, dass für die nächsten 15 Jahre wohl mehr als die 30 Millionen Euro nötig sein würden, die man 2008 für zehn Jahre bewilligt habe.

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