https://www.faz.net/-gzg-7bcv4

Sanierung des Böllenfalltor-Stadions : 27,6 Millionen Euro für die Darmstädter Lilien

Standorttreu: Das Darmstädter Stadion bleibt am Böllenfalltor – allerdings soll die Anlage saniert werden. Bild: Rüchel, Dieter

Nach der Entscheidung des Magistrats zum Umbau des Stadions am Böllenfalltor stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Knapp 28 Millionen Euro veranschlagt eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung.

          Für die Anhänger des Drittligisten SV Darmstadt 98 hat der Magistrat der Stadt für spannende Urlaubslektüre gesorgt. Die vom Institut für Sportstättenberatung (ISF) erstellte und von Bürgermeister Rafael Reißer (CDU) am Mittwoch vorgestellte Machbarkeitsstudie skizziert auf 50 Seiten verschiedene Möglichkeiten, wie mit dem Sanierungsfall Böllenfalltor-Stadion umgegangen werden kann. Die Entscheidung der Stadträte fiel einmütig aus: Sie plädierten dafür, das marode Stadion zu sanieren und umzubauen, anstatt einen Neubau an anderer Stelle zu errichten. Wie berichtet (F.A.Z. vom Donnerstag), waren von dem Institut zwei Standorte näher untersucht, am Ende aber wegen höherer Kosten und langwieriger Planungsverfahren nicht empfohlen worden.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Der Beschluss des Magistrats stellt zunächst nicht mehr als ein mit Auflagen verbundenes Votum für weitere Planungen am Böllenfalltor dar, ein Areal im Süden der Stadt, das sich in fast 100 Jahren zu einem großen Sportpark entwickelt hat inklusive Hochschulstadion und Kletterzentrum. Für die Stadt ist die Situation an der Nieder-Ramstädter Straße dennoch misslich. Das Stadion, seit den achtziger Jahren im Eigentum der Kommune, ist so marode, dass nicht nur jährliche Betriebskosten von einer halben Million Euro anfallen. Die Stadt muss zusätzlich auch immer wieder höhere Summen investieren, um die Verkehrssicherheit zu garantieren. Wie Reißer erläuterte, wurden allein in den zurückliegenden drei Jahren rund 1,3 Millionen Euro aufgebracht, etwa für eine neue Flutlichtanlage oder die Tribüne. Zusätzlich seien 3,4 Millionen Euro unverzüglich nötig, um den weiteren Betrieb zu garantieren. Das Dilemma dabei sei, „dass auch mit diesen Investitionen die Grundlagen der Versammlungsstättenrichtlinie nicht erfüllt wären und wir daher eine dauerhafte Nutzung des Stadions nicht garantieren könnten“.

          Neubau wäre deutlich teurer als Sanierung

          Die Machbarkeitsstudie hat für die Sanierung und den Umbau des alten Stadions Kosten von 27,6 Millionen Euro errechnet. Das grob skizzierte Baukonzept sieht rund 18.000 Zuschauerplätze vor - was etwa dem Status quo entspricht -, die sich rund um das Spielfeld verteilen sollen. Ein Stadionneubau an den beiden Alternativstandorten Eschollbrücker Straße und Arheilgen-West kämen nach der Studie deutlich teurer. Ermittelt wurden Kosten von 38,5 beziehungsweise 33 Millionen Euro. Diese Investitionen würden sich auf 57,9 oder 44,7 Millionen Euro erhöhen, sollten auch alle Nebenplätze für den allgemeinen Spiel- und Trainingsbetrieb sowie die Sporthalle verlagert werden.

          In diesem Fall könnte zwar das gesamte, 93.000 Quadratmeter große Areal des Altstadions für den Wohnungsbau veräußert werden. Die mögliche Einnahme aus dem Grundstücksgeschäft von 15 Millionen Euro lässt nach Ansicht des Magistrats die Neubau-Optionen dennoch nicht günstiger erscheinen - zumal die benötigten Grundstücke sich nicht im Eigentum der Stadt befinden und erst über einen Bebauungsplan rechtlich für die sportliche Nutzung gesichert werden müssten. „Nur am Böllenfalltor ist eine Realisierung in den nächsten zwei oder drei Jahren möglich“, sagte Reißer. Dort sei ein Umbau des Stadions planungsrechtlich zulässig.

          14 Millionen sollen Land oder Sponsoren aufbringen

          Politisch zur Entscheidung steht in der Stadtverordnetenversammlung nach der Sommerpause zunächst nur die Standortfrage. Sollten sich die Fraktionen mehrheitlich dem Votum des Magistrats anschließen, würde Reißer „Phase II“ starten. Innerhalb von acht Monaten müssten dann ein tragfähiges Finanzierungskonzept erarbeitet, eine Bau- und Projektgesellschaft eingerichtet, ein Betreiberkonzept skizziert und Antworten auf alle jene „Problemfelder“ gefunden werden, die in der Machbarkeitsstudie nur kurz erwähnt sind. Dazu zählen die Verbesserung der Anbindung des Alt-Stadions an den öffentlichen Nahverkehr, die Ausweisung weiterer Parkplätze oder Vorschläge zum Schutz der Anwohner vor Lärm.

          Für die Politik besonders brisant dürfte das Finanzierungskonzept sein. Das hat schon die Magistratsentscheidung gezeigt. Die Stadträte stimmten dem Umbau am Böllenfalltor nur unter der Bedingung zu, dass 14 Millionen Euro entweder durch das Land oder Sponsoren aufgebracht werden. Wie sich die restliche Summe solide finanzieren ließe, deutet die Studie nur an. So könnte die Stadt, statt 500.000 Euro jährlich Betriebskosten zu zahlen, mit dieser Summe einen Kredit von 7,5 Millionen Euro finanzieren. Als weitere „Bausteine“ werden Einnahmen der Betreibergesellschaft genannt, etwa aus Firmen- und gesellschaftlichen Veranstaltungen, sowie Gewinne des Fußballclubs.

          In einem „Businessplan“ sind Summen genannt von einer Million bis zu 4,2 Millionen Euro - je nachdem, ob die Lilien in der vierten, dritten oder zweiten Liga spielen. Ob diese Bausteine tragen, werden die Stadtverordneten bei der Vorlage der ausgearbeiteten Gesamtplanung nächstes Jahr zu entscheiden haben. Sollten sie zustimmen, könnte Ende 2015, Anfang 2016 der Umbau des Stadions am Böllenfalltor schon abgeschlossen sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          EU-Gipfel in Brüssel : Im absoluten Krisenmodus

          Die Stimmung auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist gereizt. Die EU will Theresa May nicht geben, was sie will, die Stimmen aus ihrer Heimat sind vernichtend. Und dann löchert Angela Merkel die Premierministerin noch mit Fragen.
          Bei gewaltsamen Protesten gegen ein neues Arbeitsgesetz wurden mehr asl 50 Menschen festgenommen.

          Ungarn : Gewaltsame Proteste gegen neues Arbeitsgesetz

          Mehrere tausend Demonstranten protestierten dagegen, dass Arbeitgeber künftig bis zu 400 Überstunden pro Jahr verlangen können. Die Opposition spricht von einem „Recht auf Sklaverei“. Mehr als 50 Menschen wurden festgenommen.

          Neue Gesetze : Was sich 2019 alles ändert

          Eine Reihe von Neuregelungen können zum 1. Januar 2019 kommen – in der letzten Sitzung des Jahres gab der Bundesrat dafür grünes Licht. Eine Verfassungsänderung bremst die Länder aber erst einmal aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.