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Wahlkapelle im Frankfurter Dom : Schlicht und ergreifend

  • -Aktualisiert am

Von großer historischer Bedeutung: die renovierte Wahlkapelle im Kaiserdom Bild: Helmut Fricke

Nach einer aufwendigen Sanierung ist die Wahlkapelle im Frankfurter Dom fertig. Und auch eine besondere Reliquie hat einen neuen Platz gefunden.

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          Die Schädeldecke des heiligen Bartholomäus ruht hinter Panzerglas. Unter dezentem, warmem Licht wird die in Gold gefasste Reliquie jenes Mannes in der renovierten Wahlkapelle präsentiert, der dem Kaiserdom einst den Namen gab. Darüber, in einem schwarzen Stahlschränkchen, ist ein Tabernakel in die Mauer eingelassen. Das Triptychon an der Wand der Wahlkapelle ist geschlossen – wie immer in der Fasten- und in der Adventszeit, in der es in der katholischen Kirche um innere Einkehr geht.

          Viele Monate war der schmale Raum im rechten Seitenflügel des Gotteshauses gesperrt. Seit Juni wurde die Wahlkapelle saniert, die von großer historischer Bedeutung ist: Zwischen 1420 und 1430 diente sie zunächst als Stiftsbibliothek, seit 1438 wurden dort die Könige, seit 1562 auch die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt. Stadt und Bistum Limburg haben den Raum für rund 260.000 Euro gemeinsam instand setzen lassen. Um die Architektur hat sich das Büro von Christoph Mäckler gekümmert. Das Lichtkonzept, das sich je nach Anlass variieren lässt, stammt vom „atelier deLuxe“ aus Offenbach.

          Das Projekt hatte nach den Worten von Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) zwei Ziele. Zum einen sollte die Kapelle, die „von begrenzter Schönheit“ war, neu gestaltet werden. Wichtigster Punkt war es, den an die hintere Wand gemauerten Altar nach vorn zu ziehen. Denn, so lautet das Gebot: Ein Altar „muss umschreitbar sein“, wie der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz sagte. Er sprach gestern von einer „Sneak Preview“, in der die sanierte Kapelle zum ersten Mal präsentiert werde.

          „Eine der wichtigsten Reliquien nördlich der Alpen“

          Der Altar steht nun ein wenig im Raum, obenauf liegt die alte Altarplatte. Außerdem ist in der Raummitte links eine kleine Empore entstanden. Dort kann eine mobile Orgel für die Gläubigen spielen, die sich von nächster Woche an wieder jeden Morgen um acht Uhr zum Gottesdienst in der Kapelle treffen. Neue Stühle aus Eichenholz passen zum schlichten, würdigen Erscheinungsbild.

          Das zweite Ziel des Umbauprojekts hieß, die Schädeldecke des Bartholomäus, laut Becker „eine der wichtigsten Reliquien nördlich der Alpen“, besser zur Geltung zu bringen. Bisher fristete sie im südlichen Teil des Doms eine wenig beachtete Existenz. Für wie wichtig das Kleinod andernorts erachtet wird, wurde dem Stadtdekan abermals deutlich, als er sah, wie inniglich der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., die Reliquie bei einem Besuch verehrte. Nun hat das Stück einen angemessenen Ort bekommen, der sich wegen der Augenhöhe auch besser zur Verehrung eignet. Architekt Mäckler, der Projektleiterin Elena Cuntz für deren Arbeit dankte, sagte: „Es ist toll, dass die Stadt diesen Ort der Geschichte wieder in Ordnung gebracht hat.“

          Bleibt nur eine Kleinigkeit zu bemängeln: Die von Johannes Schreiter gestalteten Fenster der Kapelle passen nicht zum Stil der renovierten Kapelle und erst recht nicht zu den Szenen des Triptychons. Die entstanden Ende des 15. Jahrhunderts im Umkreis des Meisters von Schöppingen. Mäckler sagte: „Die modernistische Glasmalerei muss weg, wenigstens hinter dem Altar.“ Der Kirchendezernent fand immerhin, „dass da für die Zukunft noch Potential ist“.

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