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Sanierung der LBS : Landesbausparkasse auf Schrumpfkurs

Schreibt rote Zahlen: Die Landesbausparkasse Hessen-Thüringen Bild: dpa

Ohne viel Aufhebens darum zu machen, hat die Helaba vor geraumer Zeit die Sanierung der LBS Hessen-Thüringen begonnen. Das kostet viele Arbeitsplätze.

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          Bausparkassen haben es in der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase besonders schwer. Denn einerseits: Warum soll man jahrelang Geld einzahlen in der Hoffnung auf einen zinsgünstigen Kredit einer solchen Einrichtung, wenn es überall Baukredite zu niedrigen Zinsen gibt? Und andererseits: Wie soll eine Bausparkasse attraktive Zinsen bieten, die die Kundschaft für die Ansparphase anlocken, wenn das Marktumfeld so bescheiden ist, wie es ist?

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Diese Schwierigkeiten haben auch die Landesbausparkasse Hessen-Thüringen schwer getroffen, wie gestern bei der Bilanzpressekonferenz der Landesbank Hessen-Thüringen deutlich wurde, zu deren Konzern das Unternehmen gehört. Den Äußerungen des Helaba-Vorstandsvorsitzenden Herbert Grüntker hat die LBS das Jahr 2017 mit roten Zahlen abgeschlossen, und offenbar ist auch eine Rückkehr in die Gewinnzone nicht ohne weiteres zu erwarten. Der Schlüsselsatz des Konzernchefs: „Die Landesbausparkasse soll so positioniert werden, dass sie bei Normal-Zinsniveau wieder einen Ergebnisbeitrag liefern kann.“ Das Ziel der in der Bausparkasse eingeleiteten Restrukturierung sei es, die Einrichtung wieder „auf sicheres Terrain“ zu führen, sagte Grüntker weiter, und: „Wir wollen alles unternehmen, dass die Landesbausparkasse wieder in gute Zahlen reinkommt und einen Ergebnisbeitrag leistet für unser Haus.“

          Keine Zinssteigerungen erwartet

          Das alles klingt nicht so, als stehe der Sanierungsprozess schon vor dem Abschluss. Denn von einem „Normal-Zinsniveau“ ist die Finanzbranche noch weit entfernt, Grüntker selbst sagte gestern in anderem Zusammenhang, er rechne im laufenden Jahr nicht mit Zinssteigerungen.

          Tatsächlich ist die Landesbausparkasse, die ihren Sitz in Offenbach hat, in den vergangenen Jahren schon deutlich verkleinert worden. Nach den Worten Grüntkers wurde die Zahl der Mitarbeiter von 400 auf derzeit 220 reduziert. Nach Abschluss der Restrukturierung, für die die Helaba sieben Millionen Euro ausgegeben hat, sollen nur noch 180 Frauen und Männer bei der Bausparkasse arbeiten. Grüntker hob hervor, dass die Mitarbeiter die „harten Maßnahmen“ mittrügen. Die Verkleinerung sei unter anderem durch das Outsourcing von Aufgaben erreicht worden.

          Halbierung des Jahresüberschusses

          Die LBS gibt die Zahl ihrer Kunden mit 674.000 an. Sie hätten zusammen 782.000 Bausparverträge abgeschlossen. Das ist die Zahl von Ende 2017, ein Jahr zuvor waren es noch 797.000 gewesen. Als die Management der LBS Hessen-Thüringen im April 2017 die Zahlen für 2016 vorlegte, war noch von einem Jahresüberschuss in Höhe von 1,4 Millionen Euro die Rede. Er hatte sich jedoch bereits gegenüber dem von 2015 in etwa halbiert. Die Vorlage der Zahlen für 2017 steht noch aus.

          Zur Frage, ob die Einrichtung nicht mit einer anderen Landesbausparkasse fusionieren könne, sagte Grüntker gestern lediglich, bei den harten Einschnitten, die zuletzt nötig gewesen seien, habe es sich ausgezahlt, dass man allein das Sagen gehabt habe. Die LBS Hessen-Thüringen arbeitet allerdings seit Dezember schon eng mit der LBS West zusammen, die ihren Sitz im westfälischen Münster hat. Von dort aus wird seitdem das Spargeschäft der Offenbacher bearbeitet.

          Im Helaba-Konzern spielt die LBS nur eine nachgeordnete Rolle. Als Konzernergebnis gab Grüntker gestern 447 Millionen Euro vor und 256 Millionen nach Steuern an, was jeweils einen deutlichen Rückgang gegenüber 2016 darstellt (siehe Grafik). Der Vorstandsvorsitzende verwies auf eine „herausforderndes Wettbewerbsumfeld“ und abermals auf die niedrigen Leitzinsen. Belastet wurde das Ergebnis auch durch Abschreibungen auf die Frankfurter Sparkasse, eine weitere Tochtergesellschaft der Helaba. Abgeschrieben wurde der Goodwill in Höhe von 68 Millionen Euro, damit ist der immaterielle Firmenwert gemeint.

          Durch die Einbehaltung von Gewinnen sei das Eigenkapital der Sparkasse gestiegen. Gemeinsam mit dem Goodwill werde das Eigentkapital mit dem Unternehmenswert verglichen, der aber wegen der Niedrigzinsen nicht im gleichen Maße gestiegen sei. Um dies wieder in Einklang zu bringen, sei der Goodwill nun abgeschrieben worden. Die Sparkasse legt ihre Zahlen für 2017 am Freitag vor.

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