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Frankfurter Baudenkmal : Sanierung der Kleinmarkthalle verzögert sich

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Wäre sie ein Mensch, stünde sie kurz vor der Rente: die Kleinmarkthalle in Frankfurt ist 62 Jahre alt. Bild: Esra Klein

Die renovierungsbedürftige Kleinmarkthalle besuchen neben den Frankfurtern auch viele Touristen. Das Denkmal soll bei laufendem Betrieb modernisiert werden. Der Baubeginn ist schon verschoben.

          Mangos, Pflaumen, Gewürze und Wildfleisch: Die Frankfurter Kleinmarkthalle bietet erlesene Produkte und ein besonderes Flair. Doch das 1954 errichtete Gebäude ist in die Jahre gekommen. Die Sanierung der Halle ist schon seit vielen Jahren ein Thema. Doch der Termin ist schon mehrfach verschoben worden. Frühestens 2018 sollen die Arbeiten beginnen, sagte Michael Lorenz von der städtischen Hafen und Markt GmbH (HFM) auf Anfrage.

          Die Händler und Kunden müssen auch während der Bauzeit Geduld beweisen: Die Sanierung wird Lorenz zufolge drei bis vier Jahre dauern und soll bei laufendem Betrieb durchgeführt werden. Die Stadt wird die Arbeiten europaweit ausschreiben, um ein Planungsbüro zu finden. „Viele Teile sind alt, oder es gibt keine Ersatzteile mehr“, sagte Lorenz. Der Betrieb soll durch die Sanierung nicht gestört werden, dazu gehöre „planerische Raffinesse“. Laute Bauarbeiten könnten zum Beispiel nachts vorgenommen werden, andere zur Ferienzeit.

          Händler müssen vermutlich Stände verschieben

          Händler hatten sich immer wieder darüber beschwert, dass es in der Kleinmarkthalle in den Sommermonaten unerträglich heiß sei und dies die Kundschaft abschrecke. Lorenz zufolge gehen die Kundenzahlen in den Sommermonaten zwar zurück, dies sei aber nicht unüblich. Viele Menschen hielten sich dann eben lieber im Freien auf. Dass die Raumtemperatur verbessert werden müsse, liege aber auf der Hand: „Das ist eine wesentliche Komponente in der Planung.“ Schon in den kommenden Tagen soll ein neuer Entlüftungskanal im Keller, in dem die Luft besonders heiß ist, in Betrieb gehen. Dadurch soll die Temperatur in der Halle fallen.

          Dass Händler ihre Geschäfte schließen müssen, befürchtet Lorenz nicht. „Der eine oder andere Stand könnte aber verlegt werden.“ Ob die Standbetreiber eine Mietminderung während der Sanierung bekommen, sei noch unklar. Ebenso, ob sich die Standmieten nach den Arbeiten erhöhen. Das hänge davon ab, ob es auch „wertsteigernde Maßnahmen“ gebe. Reine Sanierungsmaßnahmen fielen nicht in diese Kategorie. Klar sei aber auch, dass die Händler Betriebskosten sparen werden, sobald das Gebäude besser gedämmt ist. Vor allem der Keller sei von der Sanierung betroffen. Dort lagern die Händler ihre Waren, für die nun Ausweichmöglichkeiten gesucht würden. Die Waren sollen aber weiterhin auf dem Grundstück Platz finden. „Wir werden die Maßnahmen mit den Mietern absprechen.“

          Sanierung schon lange ein Politikum

          Laut Lorenz möchte die HFM die Sanierung primär aus Eigenmitteln bezahlen. Dafür hat sie acht Millionen Euro zurückgelegt. Jedoch lägen die Kosten wohl deutlich höher: „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Betrag die acht Millionen überschreitet.“ Dann müsste man entweder einen Kredit aufnehmen oder die Stadt um Hilfe bitten. Eine genaue Angabe zu der Kostenkalkulation wollte Lorenz nicht machen: „Das würde Spekulationen Tür und Tor öffnen.“

          Die Sanierung der Kleinmarkthalle ist schon lange ein Politikum. 2008 hatte die Kommune sogar einen Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich mehr als 250 Architekturbüros aus ganz Europa beteiligten. Die Kleinmarkthalle sollte saniert und erweitert werden. Doch diese „große Lösung“ hätte 18,9 Millionen Euro gekostet und war den Verantwortlichen zu teuer. Der Siegerentwurf des Wettbewerbs wurde nicht realisiert. Seitdem wurden nur dringende Probleme beseitigt, etwa beim Brandschutz der Halle.

          Ein Symbol für das Wirtschaftswunder

          Der aktuellen Ausschreibung ging eine Vorplanung des Frankfurter Architekturbüros Tilman Lange Braun & Schlockermann voraus, das eine Bestandsaufnahme machte. Das Architekturbüro hatte auch die Option, die nun folgende Sanierung zu übernehmen. Auf Wunsch des Hochbauamts und der Marktbetriebe bekam das Büro den Folgeauftrag jedoch nicht, da die Vorplanung zu lange gedauert habe: „Es gab einen Zeitverzug, der nicht mehr nachvollziehbar war“, sagte Lorenz. Daher musste die Sanierung neu ausgeschrieben werden. Dass sie somit schon früher hätte beginnen können, will er weder bestätigen noch dementieren. Klar ist aber, dass die HFM den Sanierungsbeginn ursprünglich für 2016 angekündigt hatte.

          Das Konzept ist Lorenz zufolge mit den Denkmalämtern abgestimmt: „Die Kleinmarkthalle soll den Charakter der fünfziger Jahre repräsentieren und gleichzeitig zeitgemäß sein.“ Denkmalschützer haben nicht nur beim Schutz der Bausubstanz, sondern auch bei der Position von Lüftungsgeräten ein Wörtchen mitzureden. Die Kleinmarkthalle ist schon 62 Jahre alt und galt nach dem Zweiten Weltkrieg als Symbol für das Wirtschaftswunder. Damit sie eine Zukunft hat, ist eine Sanierung unausweichlich. Die Ausschreibung ist laut Lorenz nun auf dem Weg, in spätestens neun Monaten müsse eine Entscheidung fallen. Dann werde die Betriebskommission der Marktbetriebe ein Planungsbüro auswählen.

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