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Städtische Bühnen Frankfurt : Sanierung kostet 380 Millionen Euro

Thema in Frankfurt: Wie der Willy-Brandt-Platz künftig aussehen soll, darüber wird viel diskutiert. Auf dem Bild ist die Oper und das Schauspiel Frankfurt zu sehen. Bild: dpa

Ein vorläufiges Gutachten schätzt die Kosten für die Sanierung der Städtischen Bühnen Frankfurts auf 380 Millionen Euro. Das ist teurer als erwartet. Doch noch wird auch über das Wie gestritten.

          Die Sanierung der Städtischen Bühnen am Frankfurter Willy-Brandt-Platz wird teurer als bisher erwartet. Einem vorläufigen Gutachten des Hochbauamts zufolge werden die Kosten auf rund 380 Millionen Euro geschätzt. Das endgültige Gutachten soll Ende des Jahres vorliegen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Der im Juli aus dem Amt geschiedene frühere Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) wollte die Zahlen nicht dementieren. Er spricht sich angesichts der noch unklaren Fakten dafür aus, sich nicht vorschnell auf eine Sanierung der Doppelanlage festzulegen, sondern „sich in Ruhe mit allen Varianten unvoreingenommen zu befassen“. Auch ein Neubau von Schauspiel- und Opernhaus oder eine Verlagerung an eine andere Stelle müsse geprüft werden.

          Cunitz und seine „nicht völlig abwegigen“ Ideen

          Cunitz hält eine Sanierung des bestehenden Gebäudes für „das schwierigste Unterfangen“ aller Varianten, da hier ein hohes Kosten- und Zeitrisiko bestehe. Die Erfahrung lehre, dass die Sanierungskosten im Laufe der Zeit eher noch stiegen. Dies habe sich etwa bei der Sanierung des Kölner Schauspielhauses gezeigt, die Cunitz als „Drama“ bezeichnete. Dort haben sich die Kosten inzwischen nahezu verdoppelt. Ähnliches gilt für die Sanierung der Staatsoper in Berlin. Für die anstehende Sanierung der Stuttgarter Staatsoper wird inzwischen eine Summe von bis zu 600 Millionen Euro genannt.

          Eine Sanierung oder einen Neubau an gleicher Stelle hält Cunitz auch deshalb für schwierig, weil beide Sparten dann für mindestens vier oder fünf Jahre einen Ausweichstandort benötigten. „Stadtentwicklung hat damit zu tun, dass wir zu Veränderungen bereit sind“, sagte der frühere Dezernent. Den Vorschlag seines Amtsvorgängers Martin Wentz, einen Neubau auf dem Kulturcampus in Bockenheim zu prüfen, hält er für bedenkenswert. Möglicherweise genüge der Platz sowohl für den dort angedachten Neubau der Musikhochschule als auch für ein Theater. Auch auf dem Deutsche-Bank-Areal am Roßmarkt ließe sich eine Sparte unterbringen. Selbst eine Nutzung des Alten Polizeipräsidiums für den Bau einer neuen Spielstätte hält Cunitz nicht für eine „völlig abwegige Idee“. „Wir sollten Ideen zulassen. Das zeichnet eine lebendige Stadt aus“, sagte er.

          „Keine Mall“ am Willy-Brandt-Platz

          Dem von Wentz in dieser Zeitung geäußerten Appell, sich nicht voreilig auf eine Sanierung festzulegen, schließt sich auch der Direktor des Architekturmuseums an. „Wir sollten abwarten, bis die Untersuchungen veröffentlicht werden“, sagte Peter Cachola Schmal. Erst dann lasse sich beurteilen, in welchem Zustand das Haus am Willy-Brandt-Platz tatsächlich sei. „Wir sollten das Gutachten lesen und in Ruhe erörtern, ob sich eine Reparatur lohnt. An den Willy-Brandt-Platz gehöre aber in jedem Fall wieder ein öffentliches Gebäude und „keine Mall und Eigentumswohnungen“. Gegen einen Umzug nach Bockenheim spreche, dass dort schon die Musikhochschule neu gebaut werde.

          Schmal lobte das gläserne Foyer des jetzigen Schauspiel- und Opernhauses, kann sich an dessen Stelle aber auch einen Neubau für eine der beiden Sparten vorstellen. Der von Wentz angeregten Aufteilung der beiden Sparten auf getrennte Spielstätten kann Schmal etwas abgewinnen. Eine Doppelanlage sei „nicht die schlaueste aller Lösungen“. „Die Spielstätten brauchen aber einen besonderen Platz in der Stadt.“

          Was die neue Kulturdezernentin Ina Hartwig sagt

          Der frühere Planungsdezernent Hilmar Hoffmann plädierte dagegen deutlich für eine Sanierung der Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz. „Die Städtischen Bühnen müssen bleiben, wo sie sind.“ Dieser Ort habe sich tief in das Gedächtnis der Frankfurter eingegraben. Zu den prägenden Ereignissen der Theatergeschichte, die in dem Haus stattgefunden hätten, zählt Hoffmann die Ära des Mitbestimmungstheaters in den siebziger Jahren unter dem Intendanten Peter Palitzsch. Er hob auch die baulichen Qualitäten der Städtischen Bühnen und den Rang des Gemäldes „Commedia dell’arte“ von Marc Chagall hervor, das eigens für das Haus entstanden war.

          Die neue Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat sich in einer ersten Stellungnahme für den Verbleib der Städtischen Bühnen am bisherigen Standort ausgesprochen. Ähnlich hat sich ihr Parteifreund Planungsdezernent Mike Josef geäußert. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat gesagt, der bisherige Standort sei gesetzt, es müsse nach der Sommerpause eine breite Debatte unter Einbeziehung der Frankfurter Kulturszene und der Bürger geben.

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