https://www.faz.net/-gzg-8wh6r

Dart für die Eintracht : Drei Pfeile für ein Schulterklopfen

  • -Aktualisiert am

Großer Wurf: Sandra Kaplan steht vor der Dartscheibe in der Rödelheimer Kneipe „Dart Vader“. Bild: Junker, Patrick

Sandra Kaplan ist Fan der Fußballer der Eintracht Frankfurt – und spielt im selben Verein Dart. Als eine von wenigen Frauen in einer von Männern dominierten Sportart weiß sie, worauf es ankommt.

          4 Min.

          Mit einem dumpfen Klack schlagen die drei Pfeile kurz nacheinander ein. Sandra Kaplan senkt den Arm und mustert die Dartscheibe, die 2,37 Meter von ihr entfernt an der Wand hängt. Dann winkt sie ab, ihr Gesicht läuft rot an. Nur neun Punkte hat sie geworfen, das ist weit weg von einer 180, der höchsten Wertung, die ein Dartspieler mit drei Würfen erreichen kann. Mark-Oliver Pieck, den alle nur „Mop“ rufen, klatscht mit ihr ab und muntert sie auf. „Come on, Sandra.“

          Kaplan und Pieck sind in der Steeldartmannschaft von Eintracht Frankfurt. Das gemeinsame Match gegen zwei Spieler von „Finigans Light“ aus Bornheim ist das letzte der Eintracht an diesem Abend. Verlieren kann die Mannschaft nicht mehr, nach mehr als drei Stunden hat sie sich einen uneinholbaren Vorsprung verschafft. Trotzdem hadert Kaplan. In ihrem einzigen Spiel, einem Doppel, liegt sie 0-2 zurück. Sie nippt an einem Whiskey-Cola und zieht an einer Zigarette. Währenddessen schafft es ihr Mitspieler, den Rückstand zu verkürzen. Richtig freuen kann sich Kaplan darüber nicht.

          Durch Zufall dazugekommen

          Dass diesen sportlichen Ehrgeiz viele verstehen, ist unwahrscheinlich. Denn Dart gilt oft nicht als Sport, sondern als Kneipenbeschäftigung. Das „Dart Vader“, eine Eckkneipe in Rödelheim, in der die Eintracht ihre Heimspiele austrägt, erfüllt tatsächlich manche Klischees. Zigarettenrauch beißt in der Nase, auf den Tischen stehen große Biergläser. Außer den beiden Mannschaften ist nur eine Handvoll Gäste da, die sich eher für ein Fußballspiel auf dem Fernseher interessieren.

          Sandra Kaplan fällt auf. Sie ist, von der Wirtin abgesehen, die einzige Frau in der Kneipe. Ihr langes Haar ist dunkelrot gefärbt, auf dem Unterarm hat sie „Krlighed“ tätowiert, das dänische Wort für „Liebe“. Fast jeder, der das „Dart Vader“ betritt, umarmt sie. Wie alle Teamkollegen trägt sie ein rot-schwarzes Eintracht-Shirt. Die Wand, an der zwei Dartscheiben hängen, ziert ein großes Vereinslogo, an den Wänden hängen Schals und Bilder.

          Seit zehn Jahren wirft Kaplan Pfeile auf Dartscheiben. Durch Kneipenabende mit Freunden ist sie auf den Geschmack gekommen. Vor allem, als sie merkte, dass Umstehende vor ihren Würfen keine Angst haben mussten, weil sie Talent hat. Jahrelang spielte sie in verschiedenen Vereinen. Sie ist eine von sehr wenigen Frauen, die sich in der von Männern dominierten Sportart behaupten. „Frauen gehen nicht von sich aus zum Dart“, sagt Kaplan. Auch sie sei nur durch Zufall dazugekommen. Bereut hat sie es nie. „Ich fühle mich wohl unter meinen Jungs.“ Vielleicht liegt das auch daran, dass die Atmosphäre im „Dart Vader“ ihrem beruflichen Umfeld ähnelt: Die Einunddreißigjährige umschreibt ihren Job mit „Filialleiterin in der Glücksspielbranche“.

          Fachsimpeln über die Profis

          Vor einem Jahr kam Kaplan zur Eintracht, per Facebook hatte der Verein nach talentierten Spielern gesucht. Sie meldete sich und wurde eingeladen, während eines Trainings ihr Können zu zeigen. Mark-Oliver Pieck erinnert sich, dass es „menschlich und sportlich sofort gepasst hat“. Dass die neue Mannschaftskameradin eine Frau sei, habe nie eine Rolle gespielt.

          Als die Zusage kam, ging für Kaplan ein Traum in Erfüllung. Denn obwohl sie in Franken geboren ist und im Rheingau wohnt, bezeichnet sie Frankfurt als zweite Heimat. Vor allem wegen der Eintracht. Schon als Jugendliche ging sie regelmäßig ins Stadion. Und schon bevor sie im Verein aktiv wurde, war sie Mitglied. Außer im Team der Steeldarter, das in der Oberliga des hessischen Dartverbands spielt, ist Kaplan auch in der Mannschaft der Eintracht, die auf elektronische Scheiben wirft. Dort ist sie sogar Kapitänin.

          Weitere Themen

          Essen ohne Reue

          Köchin Nigella Lawson : Essen ohne Reue

          Seit mehr als zwanzig Jahren wird die Köchin Nigella Lawson in Großbritannien gefeiert. Dabei gehen nicht nur die Rezepte der gelernten Literaturwissenschaftlerin gegen den Zeitgeist.

          Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

          Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          Protest gegen die PiS vor dem Verfassungsgericht in Warschau am 31. August

          Polen und die EU : Die wachsende Gefahr des Polexits

          Die nationalkonservative PiS-Regierung will Polen wohl nicht aus der EU führen. Aber sie nimmt das Risiko mutwillig in Kauf, weil sie ihre Macht über das Wohl des Landes stellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.