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Bröckelnde Bauwerke : Versagen an der Autobahnbrücke

  • -Aktualisiert am

Viele Brücken in Hessen sind in einem ähnlich schlechten Zustand wie die Salzbachtalbrücke. Bild: dpa

Wenn wie im Fall der Salzbachtalbrücke ohne erkennbaren Anlass Brückenlager bersten können, ist das Grund zu ernster Sorge. Dass die Autobahnverwaltung ihre Hände in Unschuld wäscht, ist nicht hinnehmbar.

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          Kaum hat sich der Staub der herabstürzenden Betonteile der Salzbachtalbrücke gelegt, da sind sich die Verantwortlichen der Autobahn GmbH nur in einem Punkt schon ganz sicher: Von einem Versagen der Autobahnverwaltung könne keine Rede sein. Darüber hinaus allerdings wissen die vermeintlichen Experten erstaunlich wenig: Weder, wie es zu dem Kollabieren der Brückenlager kommen konnte, noch, wie es jetzt weitergehen soll und wie lange der absehbare Verkehrsinfarkt im Westen der Rhein-Main-Region wohl dauern könnte.

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          Damit setzt sich das Trauerspiel um die 1963 errichtete Spannbetonbrücke fort, die eigentlich bis 2025 einem Neubau weichen sollte. Nachdem Bauarbeiter schon 2019 etliche für die Statik bedeutsame „Spannglieder“ beschädigt hatten, war die Nordbrücke monatelang gesperrt gewesen. Und nachdem sie endlich verstärkt worden war, um übergangsweise den gesamten Verkehr aufzunehmen, gab es einen monatelangen Streit mit den privaten Bauunternehmen um die beste Abrissmethode für die marode Südbrücke.

          Seit Langem in einem stark geschwächten Zustand

          Erst im April war ein Konsens gefunden worden. Doch die Südbrücke bröckelt nun schneller, als die Abrissbagger anrollen konnten. Dabei war allen Beteiligten klar, dass die Südbrücke schon seit Langem in einem stark geschwächten Zustand ist. Dennoch wurde sie nicht so lückenlos mit Sensoren überwacht wie die weiterhin genutzte Nordbrücke. Wenn in Deutschland ohne erkennbaren Anlass Brückenlager bersten können, dann ist das Grund zu ernster Sorge. Zumal das Klima derzeit als Ursache nicht ausgeschlossen wird. Dass die Autobahnverwaltung als Erstes ihre Hände in Unschuld wäscht, kann jedenfalls nicht hingenommen werden.

          Es wird eher Monate als Wochen dauern, bis der Verkehr wieder fließen kann. Sowohl über die Brücke als auch darunter durch. Selbst wenn die Nordbrücke diesmal nicht beschädigt wurde, gebietet es wohl das Misstrauen gegenüber den verbliebenen Brückenlagern des südlichen Bauwerks, auf Nummer sicher zu gehen. Das Risiko, dass Teile der Südbrücke gegen die Nordbrücke stürzen könnten, darf nicht einfach hingenommen werden. Für die Menschen in Wiesbaden und der Region bedeutet das den verkehrlichen Ausnahmezustand.

          Dieser Katastrophenfall wird erst beendet sein, wenn die Südbrücke dem Erdboden gleichgemacht ist. Das kann viele Monate dauern – oder zehn Sekunden, sofern den Sprengmeistern ein überzeugendes Konzept einfällt. In jedem Fall stehen den Pendlern schwere Zeiten bevor. Wohl dem, der „dank“ Corona im Homeoffice sitzt.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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