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Salafismus : Unsichere Jugendliche stärken

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Härtere Gesetze helfen nicht: Befindet Frankfurter SPD-Vorsitzende Mike Josef auf einer Tagung zum Thema Salafismus. (Archivbild) Bild: dpa

Wie kann man junge Menschen vor dem Abdriften in den Salafismus bewahren? Darüber gab es auf einer Tagung in Frankfurt hitzige Diskussionen.

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          Der Frankfurter SPD-Vorsitzende Mike Josef findet, dass die wachsende Zahl ausreisender Islamisten nicht durch neue und härtere Gesetze reduziert werden könne. Angesichts des kürzlich bekanntgewordenen Falls eines trotz Fußfessel ausgereisten Islamisten müssten die Behörden vielmehr die bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen.

          Auf einer gemeinsamen Tagung der Sozialdemokraten mit der Arbeiterwohlfahrt Frankfurt (Awo) am Samstag im Ostend über Salafismus und politisch-religiösen Extremismus plädierten viele der Redner und der gut 100 Zuhörer dafür, durch Prävention die Radikalisierung Jugendlicher zu verhindern. Die Awo hatte im Mai das Jugendhaus Gallus eine Zeitlang schließen müssen, weil sich eine Mitarbeiterin von muslimischen Jugendlichen bedroht fühlte. Die Tagung sollte nun neue Erkenntnisse zum Umgang mit solchen Jugendlichen bringen.

          Yüksel will mehr Aufklärung

          Awo-Geschäftsführer Jürgen Richter verteidigte abermals die damalige Entscheidung, das Jugendhaus zu schließen. „Wenn sich Mitarbeiter nicht sicher fühlen, kann man nicht auf den empirischen Beweis warten, dass ihr Gefühl richtig ist. Ich würde jederzeit wieder so handeln“, sagte er.

          SPD-Politiker Turgut Yüksel stellte Ideen vor, wie man salafistische und andere extremistische Neigungen bei Jugendlichen verhindern könne. Dabei setzte er vor allem auf Wisssensvermittlung: Jugendliche und Kinder müssten stärker über den politischen Extremismus aufgeklärt werden. Mehr Integrationsangebote würden zudem bessere Perspektiven eröffnen.

          Schulen seien ebenso in der Pflicht

          In Workshops gingen die Veranstalter unterschiedlichen Ansätzen zur Prävention nach, ehe sie in einer Podiumsdiskussion erörtert wurden. Benno Hafeneger, Professor für Erziehungswissenschaften an der Uni Marburg, sagte, dass den Jugendlichen Angebote fehlten, die ihnen in unsicheren Situationen helfen könnten. So könnten sie leicht extremistischen Gruppen verfallen und sich sukzessive aus der Gesellschaft herauslösen. Die Pädagogen müssten eine positive Ansprache an die Jugendlichen wählen, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Er forderte dafür die Politiker auf, ein umfangreiches Programm mit Beratungs- und Integrationsangeboten bereitzustellen.

          Türkan Kanbicak vom pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts sah das ähnlich und nahm die Schulen in die Pflicht. Die Lehrer müssten Interesse an den Schülern signalisieren, ihnen Anerkennung zollen und sich für ihre Probleme öffnen. Unsicheren Jugendlichen fehle es an Orientierung, sie seien besonders anfällig für eine Radikalisierung. „Wir müssen die Jugendlichen mit allen Ressourcen, die wir haben, stärken“, sagte sie.

          Keine „Die-und-wir-Gesellschaft“

          Während der Podiumsdiskussion herrschte eine hitzige Atmosphäre im Publikum, F.A.Z.-Redakteurin Katharina Iskandar musste als Moderatorin immer wieder beruhigend eingreifen. Während manche Zuhörer gekommen waren, um mehr über den Islam zu erfahren, wollten andere offensichtlich über den Extremismus und dessen Vorbeugung streiten.

          Necati Benli, Landesmigrationsbeauftragter der hessischen Polizei, hielt einen Vortrag zur Unterscheidung von Islam und Islamismus. Er warnte vor einer „Die-und-wir-Gesellschaft“. Die wenigsten extremistischen Jugendlichen beschäftigten sich mit der Ideologie. Sie würden viel einfacher emotional angesprochen. Hessen habe gute Bedingungen für den Kampf gegen die Radikalisierung geschaffen, etwa durch das „Netzwerk gegen Salafismus“.

          Auch Hüseyin Kurt von der türkisch-islamischen Union Ditib warnte davor, alle Muslime mit dem Islamismus zu verbinden, und plädierte dafür, dass muslimische Vereine ernster in die Diskussionen mit eingebunden werden sollten. Die Radikalisierung der Jugendlichen laufe nicht in den Moscheen ab.

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