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Nach Sperrung des Mainufers : „Mehr Protest als zur Inbetriebnahme der Landebahn“

Verkehrsstau auf der Schweizer Straße: Keine Seltenheit, seit das nördliche Mainufer gesperrt ist. Bild: Wonge Bergmann

Keine Freude an der neuen Fußgängermeile: Seit das nördlichen Mainufer gesperrt ist, herrscht im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen oft Verkehrschaos. Die Bürger zeigen sich verärgert.

          Ortsvorsteher Christian Becker ist außer sich. Der CDU-Politiker steht dem für Sachsenhausen zuständigen Ortsbeirat 5 vor. Und weil in den vergangenen Tagen auf vielen Straßen in und um den Stadtteil der Verkehr immer wieder zum Erliegen kam, musste sich der Ortsvorsteher immer wieder „massive Beschwerden“ anhören. Noch nie hätten sich so viele verärgerte Bürger per Telefon oder Mail bei ihm gemeldet. „Selbst zur Inbetriebnahme der neuen Landebahn am Flughafen ist der Protest geringer gewesen“, sagt Becker. Die Forderung der Bürger sei eindeutig: Das Verkehrschaos müsse ein Ende haben.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit das nördliche Mainufer Anfang August am Eisernen Steg für den motorisierten Verkehr gesperrt ist, weichen viele Autofahrer nach Sachsenhausen aus. Die Tage während des Museumsuferfestes zeigten, dass die Auslastung des Verkehrsnetzes nicht nur erreicht, sondern überschritten sei, so der Ortsvorsteher. Während der mehrtägigen Aufbauarbeiten habe auf vielen Straßen Dauerstau geherrscht. Nicht nur während des Berufsverkehrs, sondern auch mittags ging auf Straßen und Brücken nichts mehr. Stoßstange an Stoßstange standen die Fahrzeuge. Fahrer waren genervt, für Fußgänger und Radfahrer war kaum ein Durchkommen. Anwohner litten unter Lärm und Abgasen.

          „Was da passiert, ist eine unglaubliche Ignoranz gegenüber den Bürgern von Sachsenhausen“, sagt Georg-Christof Bertsch. Er wohnt seit über zwanzig Jahren an der Gartenstraße, unweit der Kreuzung zur Schweizer Straße. Bisher habe es bei keinem Museumsuferfest so einen Dauerstau im Stadtteil gegeben. Besonders schlimm sei es auf der Gartenstraße gewesen, auf der auch Straßenbahnen nicht mehr vorankamen. Am Freitagabend stand dort eine Bahn hinter der anderen, weil sie nicht in die Schweizer Straße abbiegen konnten. Bertsch meint, dass der Verkehr durch Sachsenhausen grundsätzlich zugenommen habe und in die Wohnviertel dränge, seit das nördliche Mainufer gesperrt sei. Anwohner Herbert Schmoll stimmt dem zu. Er schart Mitstreiter um sich, um eine Bürgerinitiative zu gründen. Gemeinsam wolle man sich gegen die Verlagerung des Verkehrs vom Nordufer nach Sachsenhausen wehren.

          „Eine unglaubliche Ignoranz gegenüber den Bürgern“

          Thorsten Schiller, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, in der sich die lokalen Einzelhändler organisiert haben, meint, dass insbesondere während des Museumsuferfestes die Belastung groß sei, doch auch danach bleibe das grundsätzliche Problem wegen der Ufersperrung bestehen. Schiller vermisst ein Gesamtkonzept. Der Mainkai sei einfach gesperrt worden, und Sachsenhausen habe die Folgen zu tragen. Der Stadtteil werde vom Römer eindeutig benachteiligt, meint Schiller.

          Auch im Ortsbeirat, der am Freitagabend tagte, gab es Kritiker und SPD-Ortsvertreter äußerten sich kritisch zu der von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) veranlassten Sperre der Uferstraße. „Das Konzept ist wohl noch nicht ganz klug zu Ende gedacht“, sagte Thomas Murawski. Die Verkehrslast und damit verbundene Beeinträchtigungen müssten gerechter auf die Stadtteile verteilt werden.

          Der nie um klare Worte verlegene Kinderbeauftragte von Oberrad, Roland Limberg, nannte es „komplett verkehrt“, das Nordufer zu sperren: Die Uferstraße sei nicht attraktiv, es gebe keine Außengastronomie und derzeit verkomme der gesperrte Abschnitt zur Teststrecke für E-Roller-Fahrer. Es wäre besser, wenn stattdessen die südmainische Uferstraße für den Autoverkehr gesperrt würde, meint Limberg. „Das wäre ein Gewinn für Sachsenhausen und würde zur Museumslandschaft passen.“ Ortsvorsteher Becker findet, es müsse überlegt werden, ob die für ein Jahr vorgesehene Sperrung des nördlichen Ufers frühzeitig beendet werde. „Die Bürger hätten sicher Verständnis, wenn etwas nicht funktioniert, kann man es nicht erzwingen.“

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