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Saalburgpreis : „Heimatforschung erschließt die Weltgeschichte“

Ersatzfrauen: August Heuser mit Stefanie und Franziska Ohmeis (von links) Bild: Michael Kretzer

Ein Kirdorfer Heimatforscher gewinnt den Saalburgpreis und kann nicht zur Verleihung kommen - dafür sind zwei Familien aus Syrien anwesend.

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          Den besten Beweis dafür, dass die Vergabe des Saalburgpreises nicht vorher ausgekungelt wird, hat gestern Stefan Ohmeis geliefert. Der damit ausgezeichnete Kirdorfer Heimatforscher war nämlich bei der Preisverleihung in der Saalburg nicht anwesend, sondern bedankte sich per Videobotschaft. Als ihm der Preis für Geschichts- und Heimatpflege im Juni zuerkannt wurde, hatte er für den September, den traditionellen Termin des Kreis-Jahresempfangs, schon länger eine größere Fernreise geplant. Deshalb nahmen seine Töchter Franziska und Stefanie die Urkunde für ihn in Empfang.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Ohmeis ist schon in jungen Jahren der Arbeitsgemeinschaft „Unser Kirdorf“ beigetreten, hat sie seit 1985 geleitet und mehrere Arbeiten zur Ortsgeschichte des Bad Homburger Stadtteils veröffentlicht. Außerdem bereitete er die Einrichtung des Heimatmuseums federführend mit vor, das schließlich im Haus seiner Großeltern eröffnet worden ist.

          „Friedrichsdorfer Französisch“

          Als Laudator hob der langjährige Leiter der Dommuseen in Frankfurt und Limburg, August Heuser, die Bedeutung der Hobbyhistoriker hervor: „Die Heimatforschung hat ihre Butzenscheibenatmosphäre längst abgelegt.“ Die „Geschichte von unten“, Studien zum Alltag der Menschen, die Vereins- und Arbeiterforschung und die Auswertung mündlicher Überlieferung seien längst in die Geschichtswissenschaft eingeführt und machten große historische Erklärungsmodelle oft erst möglich. „Heimatforschung erschließt die Hintergründe der Weltgeschichte“, sagte Heuser.

          Ein Beispiel dafür ist auch die Arbeit der Förderpreisträger, der Projektgruppe „Friedrichsdorf im Ersten Weltkrieg.“ Den hundertsten Jahrestag des Kriegsbeginns hatten sie zum Anlass genommen, offizielle Dokumente, private Briefe und Fotos zusammenzutragen, um unter dem Titel „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ die besonderen Friedrichsdorfer Verhältnisse zu beleuchten. Schließlich sprachen die Nachfahren der hugenottischen Glaubensflüchtlinge 1914 noch ihr spezielles „Friedrichsdorfer Französisch“. „Die ersten hier einquartierten Kriegsgefangenen staunten nicht schlecht“, sagte die Stadtarchivarin Erika Dittrich, unter deren Leitung zwei Ausstellungen und ein 270 Seiten starker Sonderband der „Friedrichsdorfer Schriften“ entstanden. Sie nahm den Förderpreis stellvertretend für die Arbeitsgruppe entgegen.

          Integration als nationale Kraftanstrengung

          Die Saalburgpreisverleihung ist zugleich der Jahresempfang des Hochtaunuskreises, bei dem Landrat Ulrich Krebs (CDU) diesmal die für die Kreispolitik normalerweise entscheidenden Themen Schule, Verkehr und Krankenhäuser nur streifte. So wolle man die allerorten zu erkennende Bereitschaft zur Zusammenarbeit nutzen, um die Hochtaunuskliniken in Bad Homburg und Usingen dauerhaft in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft halten zu können, sagte Krebs. Doch gefordert seien Kommunen und Kreis, aber auch Land und Bund derzeit vor allem durch die ankommenden Flüchtlinge. „In jeder Stadt im Hochtaunus gibt es einen Runden Tisch, über den sich ehrenamtliche Helfer engagieren“, lobte der Landrat.

          Doch das gehe nicht ohne einen sicheren Rahmen. „Wir brauchen entsprechende Mittel, aber auch Pläne, wie Integration gelingen kann.“ Das gelte für das Erlernen der deutschen Sprache, den Schulbesuch der Kinder sowie die Integration in den Arbeitsmarkt. Der Landrat sprach von einer „nationalen Kraftanstrengung“, die dafür erforderlich sei. „Da reichen nicht Pilotprojekte und halbehrenamtliche Arbeit.“ Die Kommunen und der Kreis stellten sich ihrer Aufgabe. „Ich glaube auch, dass wir sie bewältigen können“, sagte Krebs, der unter den Gästen zwei syrische Flüchtlingsfamilien begrüßte, die zum Empfang eingeladen worden waren.

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