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S-Bahn-Linie 6 vor Gericht : Zu laut, es vibriert, der Zaun wirft Schatten

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Der Ausbau des S-Bahn-Netzes hat nicht nur Befürworter. Bild: Eilmes, Wolfgang

Anwohner klagen gegen den Ausbau der Strecke nach Bad Vilbel. Der Verwaltungsgerichtshof sieht Klärungsbedarf.

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          Der Ausbau der Bahnstrecke zwischen dem Frankfurter Westbahnhof und Bad Vilbel wird sich weiter verzögern, sollte der Verwaltungsgerichtshof (VGH) den Klagen von Anwohnern aus den Frankfurter Stadtteilen Ginnheim, Eschersheim und Berkersheim stattgeben. Am Dienstag begann die Verhandlung in Kassel; es blieb offen, ob noch in diesem Jahr ein Urteil gesprochen wird. Der jetzt vor Gericht angegriffene erste von zwei Bauabschnitten ist rund 13Kilometer lang und sollte schon im vergangenen Jahr begonnen werden; der Termin für die geplante Fertigstellung im Jahr 2013 ist mittlerweile hinfällig.

          Die Anwohner fürchten, der Krach der Bauarbeiten und der Lärm infolge einer stärkeren Nutzung der Strecke durch Güterzüge werde sie erheblich mehr belasten. Auch Schäden an den Häusern wegen der Erschütterungen seien nicht auszuschließen. Ein weiterer Punkt in den Klagen richtet sich gegen die Lärmschutzwand entlang der Strecke. Sie werfe einen zu großen Schatten auf die Grundstücke, Menschen und Pflanzen würden dadurch beeinträchtigt. Ob die für die neue Trasse nötigen Eingriffe in die Natur gerechtfertigt sind, ist eine weitere Frage.

          Die Bürgerinitiativen geben sich kampfentschlossen

          Die Netz AG der Bahn will durch den Ausbau der Strecke von bisher zwei auf vier Gleise und den damit möglichen Parallelverkehr künftig Verspätungen auf der S-Bahnlinie 6 zwischen Frankfurt und Bad Vilbel reduzieren. Diese ergeben sich, wenn die S-Bahnen nach einem Halt an den Stationen herannahende Güterzüge passieren lassen müssen.

          Am ersten Verhandlungstag gestern befasste sich der VGH unter anderem detailliert mit den Verkehrsprognosen. Die Angaben zur Länge der Züge und zu ihrer jeweiligen Geschwindigkeit habe das Gericht als nicht plausibel gerügt, berichtete Ingrid Häußler. Die Rechtsanwältin verfolgte als Mitglied der den Ausbau ablehnenden Eschersheimer Bürgerinitiative „2 statt 4“ die Verhandlung. Aufklärungsbedarf habe das Gericht auch bei dem prognostizierten Verkehrsaufkommen gesehen, das der Planung zugrunde gelegt worden sei. Die Prozessbeteiligten sollen hierzu noch die Gelegenheit zur Stellungnahme haben. Wegen weiterer unklarer Sachverhalte wird die Verhandlung heute fortgesetzt.

          Mit der Begründung, dass die Planung der Bahn lediglich auf dem bis 2015 prognostizierten Verkehrsaufkommen basiere, zwischenzeitlich aber nach oben hätte korrigiert werden müssen, hatten die Ausbaugegener vor wenigen Tagen auch einen Antrag auf Planaufhebung beim Eisenbahnbundesamt gestellt. Die Bürgerinitiativen geben sich kampfentschlossen. Sollte der Prozess in Kassel verloren gehen, jedoch eine Revision zugelassen werden, würde der Gang bis vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nicht gescheut, hat der Initiativen-Sprecher Klaus Funk angekündigt.

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