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S-Bahn in Rhein-Main : Fabrikneue Züge zum Frankfurter Flughafen

Auf der Riedstrecke der S7 und auf den Flughafenlinien S8 und S9 sollen Fahrzeuge mit Videokameras und größeren Info-Monitoren (ET 430) die alten Züge ersetzen. Bild: Gyarmaty, Jens

Die Deutsche Bahn wird auch in den nächsten Jahren im S-Bahn-Netz der Rhein-Main-Region schalten und walten. Es soll mehr Fahrzeuge, bessere Ausstattung und ein größeres Angebot geben.

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          Fahrgäste zum Frankfurter Flughafen werden von Dezember 2014 an in neuen S-Bahnen fahren können. Die Deutsche Bahn AG hat sich namens ihrer Tochter DB Regio dazu verpflichtet, von diesem Zeitpunkt an fabrikneue Züge der Baureihe ET 430 auf den Linien S1, S7, S8 und S9 einzusetzen. Die derzeit verwendeten Fahrzeuge sind zum Teil an die 35 Jahre alt. Die Beschaffung von 91 modernen Zügen für besagte Linien ist Teil eines Vertrages, den der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gestern mit der DB Regio geschlossen hat.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In dem Vertrag betraut der RMV weiterhin die Bahn mit dem Betrieb des gesamten S-Bahn-Verkehrs im Rhein-Main-Gebiet. Die DB Regio hatte bei der erstmaligen Ausschreibung des in drei Bündel aufgeteilten Netzes in allen Fällen das beste Angebot abgegeben. Nun soll sie das sogenannte Gallus-Bündel mit den Linien S3, S4, S5 und S6 sowie ein allein aus der Linie S2 bestehendes Bündel von 2014 an 15Jahre lang betreiben. Für das Kleyer-Bündel mit der S1, S7, S8 und S9 erhielt sie den Zuschlag für 22 Jahre. Der Auftrag hat ein Volumen von mehreren Milliarden Euro. Eine genaue Zahl wollte weder die Bahn noch der RMV nennen.

          Wirtschaftlich „sensationelles“ Angebot

          Die wirklichen Gewinner der Ausschreibung sind nach den Worten von RMV-Geschäftsführer Knut Ringat die Fahrgäste in der Rhein-Main-Region. Vom Fahrplanwechsel im Dezember 2014 an würden sich Qualität und Leistungen im S-Bahn-Verkehr sprunghaft erhöhen, ohne dass dem RMV Mehrkosten entstünden. Die DB Regio habe ein wirtschaftlich „sensationelles“ Angebot abgegeben. Gegen das Ergebnis der Ausschreibung, an dem mehrere Mitbewerber teilgenommen hätten, gebe es keine Klagen und keine Rügen, wie dies bei anderen Ausschreibungen in Deutschland der Fall gewesen sei.

          Der Vertrag legt eine Steigerung der bisherigen jährlichen Fahrleistungen in Höhe von 13,7 Millionen Zugkilometern um 1,4 Millionen Zugkilometer fest. Diese Mehrleistung soll unter anderem durch zusätzliche Züge zum Flughafen erreicht werden. Außerdem soll auf allen Linien durchgehend im 30-Minuten-takt und in den Hauptverkehrszeiten im 15-Minuten-Takt gefahren werden. Einkalkuliert wurde auch der von den Gerichten inzwischen erlaubte Ausbau der S6 mit einem dritten und vierten Gleis nach Bad Vilbel und Friedberg. Auch die nordmainische S-Bahn, sollte sie denn einmal gebaut werden, ist schon Bestandteil des Vertrages.

          Neue Definition von Pünktlichkeit

          Die DB Regio verpflichtet sich nicht nur, 91 neue Züge zu kaufen, sondern auch, die schon jetzt eingesetzten ET 423-Modelle zu modernisieren. Insgesamt stehen für die S-Bahn-Linien dann 191Züge statt bisher 162 zur Verfügung. Die gebrauchten Bahnen sollen neue Sitzpolster erhalten, eine Versiegelung gegen Graffiti auch im Innenraum, eine Videoüberwachung und ein besseres Informationssystem für die Fahrgäste. Menschen in Rollstühlen sollen künftig über Rampen in die S-Bahnen einsteigen können. Im ersten S-Bahn-Waggon wird künftig schon von 20 Uhr und nicht erst von 21 Uhr an ein Sicherheitsbegleiter mitfahren. Die DB Regio will nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Frank Sennhenn mehr als 600Millionen Euro in die S-Bahn in der Rhein-Main-Region investieren.

          Neu definiert wurde in dem Vertrag auch die Pünktlichkeit. Während bisher ein Zug als verspätet galt, wenn er mehr als sechs Minuten zu spät abfuhr oder eintraf, liegt die Grenze jetzt bei drei Minuten. Das bisherige Bonus-System, wonach die Bahn mit einem bestimmten Geldbetrag belohnt wurde, wenn sie ihre Verpflichtungen einhielt, wurde abgeschafft. Beibehalten wurde dagegen das Malus-System, das Abzüge bei schlechten Leistungen vorsieht.

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