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S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet : Mit neidischem Blick

Jede kleine Verzögerung bringt die Fahrpläne aller S-Bahn-Linien ins Wanken. Bild: dpa

Die Leistungsfähigkeit der S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet stößt an ihre Grenzen. Zeit, dass die Regionaltangente West, die einen Teil des Verkehrs um Frankfurt herumleiten soll, endlich gebaut wird.

          In München hatten sie in dieser Woche gut lachen. In der schönen Stadt an der Isar feierten sich der Ministerpräsident, der Bundesverkehrsminister, der Oberbürgermeister und der Deutsche-Bahn-Chef, weil sie gemeinsam das milliardenschwere Bauvorhaben einer zweiten Stammstrecke für die S-Bahn auf die Schiene gesetzt haben. Fotos zeigen die Herren, wie sie fröhlich einen roten Knopf drücken, womit symbolisch die Bauarbeiten für den Tunnel begonnen haben.

          Die Frankfurter können gönnen. Warum soll die bayerische Landeshauptstadt nicht ihre Verkehrsprobleme lösen? Der dortige Innenstadttunnel ist überlastet, weitere Gleise werden dazu beitragen, dass mehr Züge fahren können und die Bahnen pünktlicher werden. Vielleicht lassen mehr Pendler ihr Auto stehen.

          Die eine Idee, hinter der sich alle versammeln

          Allein, die gleichen Schwierigkeiten hat Frankfurt auch. Vielleicht weniger ausgeprägt, München ist natürlich größer. Aber auch die Leistungsfähigkeit der S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet stößt an ihre Grenzen. Die Zugfolge im Tunnel unter der Frankfurter Innenstadt ist so eng, dass jede kleine Verzögerung gleich die Fahrpläne aller Linien ins Wanken bringt. An weitere Züge, wie sie womöglich bei einem anhaltenden Bevölkerungswachstum notwendig sein werden, ist nicht zu denken.

          Von einer zweiten Stammstrecke in Frankfurt ist gleichwohl nicht die Rede. Vielleicht ist sie auch gar nicht notwendig. Vielleicht würde es reichen, über die Regionaltangente West, die einen Teil des Verkehrs um Frankfurt herumleiten soll, endlich nicht mehr nur zu reden, sondern sie zu bauen. Vielleicht ließe sich ein größerer Teil des Regionalverkehrs über den Südbahnhof umleiten. Vielleicht gibt es noch ganz andere Ideen, wie dem regionalen Schienenverkehr anders zu helfen ist.

          Woran es in Frankfurt aber fehlt, das ist der große Aufbruch beim Nahverkehr, das Ziehen der Entscheider an einem Strang, die eine Idee, hinter der sich alle versammeln. In dieser Hinsicht sind die Münchener einfach besser. Und vielleicht können sich ja die hessischen Parteien alle vornehmen, dass einmal einer der Ihren Bundesverkehrsminister wird und nicht immer nur ein Bayer? Auch das könnte ja helfen. So oder so: Es geht dieser Tage ein neidischer Blick nach München, dessen Stadtkern in einigen Jahren für den öffentlichen Verkehr so gut erschlossen sein wird, wie man es sich für Frankfurt allenfalls in den kühnsten Träumen vorstellen kann.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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