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Das Beste von Tschaikowsky : Russischer Exportschlager

Mit Hilfe der Meisterwerke von Tschaikowsky lässt sich Russlands Musik besser verstehen. Bild: Bernard Fruhinsholz

Die noch junge Russische Nationalphilharmonie aus Moskau präsentiert sich in zwei Konzerten mit reinen Tschaikowsky-Programmen.

          Was genau das spezifisch Russische in der Musik ausmachen soll, darüber haben sich die größten russischen Komponisten schon immer selbst gerne gestritten. Im 19. Jahrhundert gab es da etwa „das mächtige Häuflein“, bestehend aus den fünf Meistern Nikolai Rimski-Korsakow, Modest Mussorgsky, Mili Balakirew, Alexander Borodin und César Cui, die sich 1862 in Sankt Petersburg zusammengefunden hatten mit dem Ziel, eine irgendwie nationale, sozusagen urrussische Musik zu befördern.

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ihr Vorbild war der nur fünf Jahre zuvor gestorbene Michail Glinka, den sie nun zum Stammvater einer eigenständigen Kompositionskunst ihres Landes erkoren, während ihr Generationsgenosse Tschaikowsky eher als Feindbild diente, weil seine Musik angeblich zu „westlich“ sei. Der weitaus jüngere Igor Strawinsky wiederum nahm Tschaikowsky noch 1921 in einem offenen Brief an den Kritiker und Impresario Sergei Diaghilew in der Londoner „Times“ in Schutz: „Tschaikowskys Musik, die nicht für jeden spezifisch russisch klingt, ist im Grunde oft russischer als die Musik, der man seit langem das Etikett des pittoresk Moskowitischen verliehen hat.“

          Wunderkind und Violinist

          Im Laufe der Dekaden hat sich diese Einschätzung mehr und mehr bestätigt. Jedenfalls hat Tschaikowsky doch mit seinen drei großen Balletten „Schwanensee“, „Dornröschen“ und „Der Nussknacker“ die größten Exportschlager geschaffen – etwas, das zumindest von der Außenperspektive her als russische Kulturleistung angesehen wird. Als solche sollen denn wohl auch die reinen Tschaikowsky-Programme erscheinen, mit denen die Russische Nationalphilharmonie nun im Zuge einer Tournee in Frankfurt und Wiesbaden gastiert. Das nach offiziellem Wortlaut „auf Initiative des russischen Präsidenten Vladimir Putin und des Kulturministeriums“ 2003 gegründete Orchesters, das in dem im gleichen Jahr eröffneten Moscow International Performing Arts Center residiert und in diesem Prachtbau in Moskau mit seinem an die Berliner Philharmonie erinnernden runden Konzertsaal also auch debütierte, präsentiert in der Alten Oper die Ballett-Suiten „Dornröschen“ op. 66a und „Der Nussknacker“ op. 71.

          Daneben erklingt ein nicht minder bekanntes Werk aus Tschaikowskys Feder: das Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23. Den Solopart darin spielt hier der französische Pianist Lucas Debarque, der Aufsehen erregte, als er beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb 2015 als Außenseiter den vierten Platz belegte und daraufhin zu einem Soloabend in das besagte Moskauer Konzerthaus sowie entgegen den Gepflogenheiten auch zum Preisträgerkonzert ins Konservatorium eingeladen wurde.

          Die Leitung in Frankfurt und in der Reihe der Meisterkonzerte Wiesbaden hat der Chefdirigent der Nationalphilharmonie Vladimir Spivakov, der seine Karriere einst als Wunderkind und Violinist begann und auch das Internationale Musikfest in Colmar leitet. Als Solist im b-Moll-Konzert ist im Wiesbadener Kurhaus Ivan Bessonov zu hören, ein erst 16 Jahre alter Russe, der ebenfalls als Hochbegabung gilt und schon seit einigen Jahren am Moskauer Konservatorium studiert. Daneben erklingen Tschaikowskys Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 und zum Auftakt aus „Dornröschen“ der „Grande Valse“.

          RUSSISCHE NATIONALPHILHARMONIE

          13. November, 20 Uhr, Frankfurt, Alte Oper;

          14. November, 20 Uhr, Wiesbaden, Kurhaus

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