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Bei Wind und Wetter : Warum es ein echter Knochenjob ist, Fährmann auf dem Neckar zu sein

  • -Aktualisiert am

Urgestein: Seit 33 Jahren pendelt Achim Landwehr zwischen Neckarsteinach und Neckargemünd. Bild: Frank Röth

Er hat Hochwasser, Kälte und Hitze getrotzt und sich an 14-Stunde-Tage gewöhnt – Achim Landwehr bringt seit fast 40 Jahren Pendler von einem Neckarufer zum andern. Aber bald tritt er seine letzte Fahrt an.

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          Um kurz nach sechs steigt der erste Fahrgast zu. Leicht bibbernd und auch etwas verloren steht der Mann auf der Fähre, die mehr an eine schwimmende Plattform als an ein Schiff erinnert. Der Fährmann nickt ihm knapp zu. Viel zu früh, um große Worte zu machen. Selbst der Fluss unter ihnen schweigt. Der Neckar zeigt sich an diesem Novembermorgen so unergründlich wie ein Tintenfass. Ein Fahrgast nur, aber die Fähre legt ab. Eisiger Wind bläst dem Fährmann ins Gesicht, als er ans Ufer stapft, um das Tau zu lösen. Der Motor keucht wie ein Traktor mit Husten, während sich die Fähre kurz darauf durchs Wasser schiebt. Drei stumme Minuten später stößt sie auf Land. Der Fahrgast entschwindet ins Dunkle, schnell in die S-Bahn und weiter zur Arbeit. Der Fährmann blickt zurück ans andere Ufer und sagt mehr zu sich selbst: „Die Nächsten kommen um halb sieben.“

          Er heißt Achim Landwehr, ein Mann mit akkurat geschnittenem weißem Schnurrbart, dessen Hände in groben Arbeitshandschuhen stecken. Auch ohne Uniform strahlt er die Autorität eines Kapitäns aus, der viele Jahre auf dem Wasser zugebracht hat. Das kurze Stück über den Fluss wird er an diesem Tag unzählige Male zurücklegen. Seine Fähre ist die schnellste Verbindung zwischen dem kleinen Ort Neckarhäuserhof in Baden-Württemberg und dem Neckarsteinacher Stadtteil Neckarhausen im Hessischen. Rund 15 Kilometer spart, wer die Abkürzung über den Neckar nimmt. „Die Leute sind dankbar, dass es mich gibt“, sagt er. Deshalb startet er auch für einen einzigen Fahrgast den Motor; Platz hätte er für 60. Den Neckar kreuzten früher viele Fähren. Heute überspannen Brücken den Fluss und machen den Fährbetrieb oftmals überflüssig. Dieses Schicksal droht auch der einzigen weiteren Verbindung nahe Ladenburg. Dann wäre Landwehrs Fähre die letzte. Sie wurde 1933 gebaut, ein Überbleibsel einer vergangenen Zeit.

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