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Rupert von Plottnitz : Der aus der Reihe tanzt

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Heiter, gelassen, in der Sache aber weiterhin sehr engagiert: Rupert von Plottnitz in seinem Büro. Bild: Wonge Bergmann

Rupert von Plottnitz war der erste Justizminister aus den Reihen der Grünen. Aber auch sonst hat der Anwalt stets wenig von festen Rollen gehalten.

          Er sei viel zu eitel, sagt er, um eitel zu sein. Für bedeutsam hält er sich auch nicht. So viel zu der Frage, ob er Angst vor Bedeutungsverlust habe. Die weiße Haartolle rechts über der Stirn? Sein Erkennungszeichen fällt kaum mehr auf, die anderen Haare haben sich farblich angepasst. Der Mann mit der Tolle und der scharfen Zunge: Ruppert von Plottnitz hatte einmal eine ganz besondere Rolle in Hessen. Er galt als Bürgerschreck, vor allem bei der CDU. Bei den Grünen in Hessen war er hingegen eine Zeitlang die unangefochtene Nummer eins. Was er abstrus fand in seinem Politikerleben? Nach einem schlechten Wahlergebnis hätten die Grünen eine Parteikollegin nicht zur Vorsitzenden gewählt, obwohl sie keinen Gegenkandidaten gehabt habe.

          Rupert von Plottnitz, er hat viel mehr Vornamen, wohnt in Frankfurt in der Wohnung, in der einst Siegfried Kracauer lebte. Sie liegt im Nordend, dem Stadtteil, in dem die Grünen sich immer über ihre Wahlergebnisse freuen können. Frankfurt kennt inzwischen Kracauer, den 1889 in seiner Gemarkung geborenen Schriftsteller, Architekten, Journalisten („Frankfurter Zeitung“) und Filmtheoretiker gut. Denn Frankfurt hat in diesem Sommer seinen Roman „Ginster“ über den Ersten Weltkrieg gelesen, 1928 erschienen, voll mit Frankfurt-Bildern und Anspielungen auf den Autor. Kracauer, sagt Plottnitz, das sei ein guter Wohnungsgeist.

          Der erste Grüne mit einem klassischen Ministerressort

          Von allen guten Geistern verlassen - das muss der Advokat Plottnitz jrdoch für seinen politischen Gegenspieler Christean Wagner von der CDU gewesen sein. Schon dass so einer wie er überhaupt Justizminister werden konnte. Er war es von 1995 bis 1999 unter dem SPD-Ministerpräsidenten Hans Eichel. Plottnitz war in den sechziger Jahren schließlich dem Sozialistischen Studentenbund (SDS) beigetreten. Da war er schon Referendar, kein Student mehr. Als eine Jugendsünde konnte es also nicht durchgehen. Er trug bei den Revoluzzern allerdings Krawatte. In den siebziger Jahren verteidigte er obendrein den RAF-Terroristen Jan-Carl Raspe im Baader-Meinhof-Prozess in Stammheim.

          Und auf einmal war Plottnitz der erste Grüne in Deutschland, der ein so klassisches Ministerressort wie die Justiz übernahm. Daran musste das Land sich noch gewöhnen. Aber Hessen war mal wieder vorn. Denn bis dahin hatte den Grünen die ministerielle Zuständigkeit für Umwelt und Frauen gereicht. Wobei „Plotte“ wiederum äußerlich aus der grünen Reihe tanzte. Keine schlabbrigen Jeans und Turnschuhe wie Joschka Fischer, der, bevor er sich in die Bundespolitik aufmachte, sein Vorgänger in Wiesbaden erst als Fraktionsvorsitzender der Grünen und dann als Umweltminister war. Nein, Sakko, Hose, Schuhe, der adlige Grüne kleidet sich zeitlos klassisch, immer korrekt. Wie ein Aristo eben. Bis auf den heutigen Tag.

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