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Rumänische Zuwanderer in Hanau : Eine Chance für Liana, Marina und Eugen

Keine gute Adresse: die Daimlerstraße in Hanau Bild: Wohlfahrt, Rainer

Mehr als 200 rumänische Zuwanderer leben an der Hanauer Daimlerstraße. Viele der Roma kamen ihrer Kinder wegen und wollen unbedingt zum „Deutschmodus“ finden. Andere dagegen sind nur schwer zu integrieren.

          Liana ist ein Tausendsassa. Sie flitzt durch die Wohnung, hält inne und deutet mit den Fingerchen auf ihr Gesicht: „Auge, Mund, Nase“, sagt die Zweijährige, stolz darauf, wie viele deutsche Wörter sie schon kennt. Beigebracht sie ihr die ältere Schwester Marina, die bald eingeschult wird und in der Anne-Frank-Schule einen Vorlaufkurs besucht, um Deutsch zu lernen.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Obwohl die Familie von Liana und Marina an der Hanauer Straße mit dem schlechtesten Ruf wohnt – der Daimlerstraße am Hauptbahnhof –, haben die beiden Mädchen recht gute Aussichten, in Deutschland ihren Weg zu machen. Sie sind jung genug, um sich einzugliedern und in Schule und Kindergarten mitzukommen. Das nennt ihre Mutter, die 46 Jahre alte Gabriela Popescu (Name geändert), auch als Grund dafür, warum ihr Mann und sie mit neun der zwölf Kinder vor zwei Jahren nach Hanau gekommen sind. Hier sei alles gut, sagt sie, vor allem kümmere man sich um die Kinder.

          Viele ziehen weiter

          Mit „man“ ist beispielsweise Beate Hoyer gemeint, eine von sechs Betreuerinnen des Jugendamts, die sich für die Menschen an der Daimlerstraße engagieren. Für Popescu ist sie die „Donna Primaria“, die Dame vom Rathaus, die sich lange um das Vertrauen der Bewohner bemühen musste, jetzt aber bei vielen Familien ein gerngesehener Gast und willkommene Helferin ist. Streetworkerin Lucia Bleibel vom Internationalen Bund (IB) – er betreibt mit der Stadt ein Kooperationsprojekt zur Integration der überwiegend aus Rumänien stammenden Roma – wird „Donna Lucia“ genannt. Seit anderthalb Jahren leistet auch sie Vertrauensarbeit in den acht Häusern. Sie war in fast jeder der rund 70 privat vermieteten Wohnungen, kennt die meisten Bewohner, und diese kennen sie.

          Rund 220 Roma sind nach städtischen Angaben an der Daimlerstraße gemeldet. Dazu kommt eine unbekannte Zahl an nicht gemeldeten Bewohnern, die bei Verwandten und Bekannten unterkommen und bald weiterziehen. Über sie gibt es wenige Erkenntnisse, doch dürfte ihr Anteil an den negativen Erscheinungen der Zuwanderung nicht unerheblich sein.

          Für 2,50 Euro am Tag

          Stadt und IB konzentrieren sich auf die Familien, die greifbar sind und sich hier eingewöhnen wollen. Dazu dient auch die neue Beratungsstelle in der Innenstadt, wo unter anderem Kurse und eine Hausaufgabenbetreuung angeboten werden.

          Die Bemühungen sollen dazu beitragen, dass Kinder wie Liana und Marina eine Chance bekommen. Für ihren ältesten Bruder, den 19Jahre alten Daniel, sieht die Zukunft dagegen eher düster aus. Obwohl die Familie schon zwei Jahre in Deutschland ist, kann er sich kaum verständigen. An drei Vormittagen in der Woche nimmt er an einem Deutsch- und Alphabetisierungskurs des IB teil, auch sein Vater versucht in einem Integrationskurs Sprache und Gebräuche zu lernen. Daniel hat viel aufzuholen, er hat nur kurz Schulen besucht. Mehrere Jahre verbrachte die Familie in Spanien, wo der Vater und die älteren Kinder sich als Landarbeiter verdingten – für 2,50 Euro am Tag, wie die Mutter sagt. Kurzzeitig war die Familie dann wieder in Rumänien, wo alle in einem Zimmer lebten, kochten und schliefen.

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