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Ruhestand des Zoo-Direktors : Viele Neubauten und Geburten

Tierfreund: Manfred Niekisch bei seinem Amtsantritt im Jahr 2008 Bild: Hagmann

Heute wird Manfred Niekisch in den Ruhestand verabschiedet. Innerhalb von zehn Jahren hat der Zoo-Direktor 30 Millionen Euro in den Tierpark investiert. Aber es gibt immer noch einige Baustellen.

          „Du hast viel bauen können, der Zoo steht gut da und Du hast keinen Tierausbruch gehabt, du kannst stolz sein.“ Das habe ein Kollege ihm kürzlich gesagt, berichtet Manfred Niekisch auf die Frage, wie die Bilanz seiner Amtszeit ausfällt. Ja, er hinterlasse ein wohl bestelltes Haus, sagt er – und wirkt dabei zwar nicht stolz, aber doch einigermaßen zufrieden. Nicht ganz zufrieden, denn alles, was nötig gewesen wäre, hat er aus seiner Sicht nicht auf Vordermann gebracht.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber dazu war auch das 30-Millionen-Euro-Budget, das ihm von der Stadt bei seinem Amtsantritt im Jahr 2008 zur Verfügung gestellt worden war, nicht groß genug. Und eines seiner größten Projekte ist noch gar nicht fertig: Wenn Niekisch in den nächsten Tagen beginnt, sein Büro auszuräumen, dann fällt sein Blick auf die Baustelle der Pinguinanlage, die im Sommer fertig werden soll. Damit ist das Investitionsbudget dann aufgebraucht. Einiges andere, wofür es gereicht hat, macht Niekisch tatsächlich stolz: das Ukumari-Land, in dem jetzt die Brillenbären zusammen mit südamerikanischen Waldhunden leben. Die Anlage ist zusammen mit dem neuen Eingangshaus errichtet worden. In dem Gebäudekomplex, der um den Eingang herum entstanden ist, hat auch eine Quarantänestation Platz gefunden. Sie rechnet Niekisch zu den wichtigsten Neuerungen, denn sie dient nicht nur dem Zoo. Vielmehr werden dort auch Tiere untergebracht, die Zoll oder Polizei sicherstellen, vor einiger Zeit zum Beispiel Schlangen aus einer Wohnung im Bahnhofsviertel.

          Neue Aufstiegsmöglichkeiten

          Zu den für die Zoobesucher nicht gleich sichtbaren Erfolgen seiner Amtszeit zählt Niekisch auch eine Neuorganisation in der Personalstruktur des Tierparks. So habe man zum Beispiel versucht, die zum Teil körperlich sehr schwere Arbeit der zumeist weiblichen Tierpfleger so organisieren, dass keine gesundheitlichen Probleme entstünden. Außerdem habe er neue Aufstiegsmöglichkeiten geschaffen, in dem Tierpfleger zu sogenannten Revierleitern befördert werden könnten. Auf diese Weise will Niekisch den Beruf des Tierpflegers nicht zuletzt auch für männliche Bewerber attraktiver machen. Insgesamt sei der Zoo als Arbeitgeber beliebt, was auch daran liege, dass die Mitarbeiter städtische Bedienstete seien.

          Froh ist Niekisch auch darüber, dass er in seiner Verwaltung eine Position für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit schaffen konnte. Diese Abteilung habe unter anderem die sozialen Netze im Blick. „Da kommen schnell irgendwelche Gerüchte auf, und da muss man dann schnell aufklären.“ Sonst entstehe plötzlich große Aufregung, wenn zum Beispiel ein Tier eingeschläfert werden müsse. Erkläre man aber genau die Gründe, so zeigten die Tierfreunde durchaus Verständnis.

          Dunkle Momente der Amtszeit

          Die Entscheidungen, Tiere von ihren Leiden zu erlösen, sind für Niekisch die dunklen Momente seiner Amtszeit. Gleich zu Beginn ging es dabei zum Beispiel um einen besonderen Liebling der Frankfurter: den Silberrücken Matze. Doch auch eine von Niekischs schönsten Erinnerungen ist mit den Gorillas verbunden: der Umzug der Menschenaffen in ihr neues Domizil im Bogoriwald. Er habe sich durchgesetzt, es ohne eine Betäubung der Tiere zu versuchen, erinnert sich Niekisch. Zwei Tage Zeit hätten er und seine Mitarbeiter sich gegeben, um das zu schaffen – aber schon nach vier Stunden sei alles erledigt gewesen. Das und die viele Geburten – auch wenn bei den Menschenaffen nicht jedes Jungtier überlebt habe – zählt Niekisch außer den Eröffnungen der Neubauten zu den Highlights der vergangenen Jahre.

          Dafür sei er dankbar ebenso wie für das Vertrauen, dass ihm die Stadtpolitik gegeben habe, sagt er. Wer auch immer seinen Posten übernimmt, das Kulturdezernat hat das Auswahlverfahren noch nicht abgeschlossen, wird es wohl etwas schwerer haben. „Es ist jetzt eher die Zeit, nach Einsparpotentialen zu suchen und nicht nach neuen Projekten“, weiß Niekisch. Dabei gäbe es noch viel zu tun: die Anlage, die sich Flusspferd und Nashorn teilen, gilt als völlig veraltet, ebenso das Haus der Paviane; vor allem die Versorgung mit Energie und Wasser muss dringend modernisiert werden. Und dann ist da noch die ungeklärte Frage der Sanierung und weiteren Verwendung des Gesellschaftshauses. Wer auch immer, künftig den Zoo leite, werde aufpassen müssen, dass es nicht zu viele Baustellen gebe, sagt Niekisch. Das könne man den Besuchern nicht zumuten.

          Einer davon wird der bisherige Direktor sein. Zumindest gelegentlich. Denn auch, wenn er mit seinen Ehrenämtern im Naturschutz noch genug zu tun habe, werde er doch ab und zu nachschauen, wie es seinen ehemaligen Schützlingen gehe.

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