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Rüsselsheimer Werk : Streit bei Opel um Astra-Produktion

  • -Aktualisiert am

Abschied vom Astra? Das Opel-Management erwägt, den Kompaktwagen nicht mehr in Rüsselsheim herzustellen. Bild: Röth, Frank

Der Ton zwischen Management und Arbeitnehmervertretern bei Opel wird schärfer. Es sei eine verheerende Fehlentscheidung.

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          Der Ton zwischen Management und Arbeitnehmervertretern bei Opel wird schärfer. Der Betriebsratsvorsitzende des Automobilbauers, Wolfgang Schäfer-Klug, hat Überlegungen des Managements zurückgewiesen, die Produktion des Kompaktwagens Astra aus Rüsselsheim abzuziehen. In einer am Montag verbreiteten Mitteilung schreibt Schäfer-Klug von einer „verheerenden Fehlentscheidung“, sollte der Astra künftig nur noch in Gleiwitz in Polen und dem britischen Ellesmere Port montiert werden.

          Hanns Mattes

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch der Bezirksleiter der IG Metall, Armin Schild, warnte das Unternehmen: Sollte es keinen mit den Arbeitnehmern abgesprochenen Geschäftsplan geben, werde man dem Management seine Unterstützung entziehen. Zugleich signalisierte die Arbeitnehmervertretung aber auch Verhandlungsbereitschaft darüber, wie Kosten gesenkt und die Produktivität erhöht werden könnten. Die Rede ist von einem Lohnverzicht von 35 Millionen Euro.

          Rüsselsheim habe schon verzichtet

          Die Überlegungen des Managements waren durch einen Bericht dieser Zeitung publik geworden. Um Kosten zu senken, solle die Astra-Produktion aus Deutschland abgezogen werden, hieß es. Opel-Vorstandsvorsitzender Karl-Friedrich Stracke wies in seiner Reaktion Befürchtungen zurück, damit könne der Produktionsstandort Rüsselsheim insgesamt in Frage gestellt werden. Er verwies darauf, dass Rüsselsheim das einzige Werk sei, in dem die Mittelklasselimousine Insignia gefertigt werde. Gemessen an den in Hessen gebauten knapp 150.000 Autos dieses Modells nehmen sich in Strackes Darstellung die 18.300 montierten Astras vergleichsweise bescheiden aus.

          Das allerdings sehen die Betriebsräte anders. Schäfer-Klug erinnert daran, dass das Werk Rüsselsheim 2011 zugunsten der Fabriken in Polen und England auf den eigentlich zugesicherten Teil der Astra-Produktion verzichtet hatte. Dieses Produktionsvolumen aber sei dem Werk intern gutgeschrieben worden. Im Ergebnis sei geplant, dass in diesem Jahr 70.000 Opel-Astras in Rüsselsheim gebaut werden. Bis 2014 sei laut geltenden Vereinbarungen sogar vorgesehen, die Hälfte aller fünftürigen Versionen des Modells in Rüsselsheim zu bauen.

          Die Gerüchte bleiben

          Unzufrieden ist man beim Betriebsrat auch über die Informationspolitik des Managements. Während Stracke in seiner Mitteilung auf ständige Gespräche und Verhandlungen mit dem Betriebsrat verweist, berichtet Schäfer-Klug von ungenügenden Mitteilungen: Die Geschäftsleitung weigere sich, die künftige Produktionsplanung für die europäischen Werke offenzulegen. Und auch Einzelheiten zur Produktion des Nachfolgemodells des derzeit gebauten Astra nenne das Unternehmen nur Schritt für Schritt und auf Druck der Arbeitnehmervertretung. Im konzerninternen Verteilungskampf geht es dabei um viel Geld: 300 Millionen Euro will Opel in den Bau der nächsten Astra-Generation investieren. Nach wie vor schreibt das Unternehmen rote Zahlen, die Rückkehr in die Gewinnzone dauert länger, als es Stracke und der Mutterkonzern General Motors (GM) gehofft hatten. 256Millionen betrug im ersten Quartal der Verlust im hauptsächlich von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall getragenen Europageschäft. Trotzdem sprach Stracke in der vergangenen Woche von Fortschritten, die Verkaufszahlen hätten sich im März verbessert. Insgesamt aber müsse sich Opel, wie die anderen Volumenhersteller auch, in Europa auf einem schwierigen Markt bewähren.

          Die interne Konkurrenz der europäischen Werke ist für die Fabrik in Rüsselsheim nicht neu: Vor vier Jahren wurde spekuliert, ob die Opel-Mittelklasse in Rüsselsheim oder im Werk Trollhättan der damaligen Schwestermarke Saab gebaut werden sollte. Damals wie heute wurden unter anderem die Lohnkosten als Argument wider das Stammwerk genannt. Tatsächlich erwies sich nach der Kalkulation des Managements Rüsselsheim als der um 200 Millionen Euro günstigere Standort, Saab wurde mittlerweile verkauft und ist insolvent.

          Unabhängig von Diskussionen um die Produktion der nächsten Astra-Generation halten sich Gerüchte um die Schließung eines der europäischen Werke, um Überkapazitäten abzubauen. Im März waren das Werk in Bochum und eben auch Ellesmere Port als Streichkandidaten genannt worden. Derzeit sind in Bochum 3100, in Ellesmere Port 2100 Menschen beschäftigt. Schon getroffen von der Opel-Absatzkrise wurde das mittlerweile geschlossene Werk in Antwerpen.

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