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Rüsselsheimer Jazzmusiker : Nur schön reicht nicht

  • -Aktualisiert am

Kann neben Jurys auch das Publikum begeistern: Saxophonist Fabian Dudek Bild: Mark Trebron

Der Rüsselsheimer Fabian Dudek profiliert sich als Saxophonist in der Jazzszene. Seit Anfang des Jahres wird er zusätzlich von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.

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          Auch im Jazz gibt es reichlich Wettbewerbe und Preise, die es jungen Talenten ermöglichen, sich zu entwickeln. Wenn Fabian Dudek in ein solches „Rennen“ geht, hat er gute Chancen zu gewinnen. 2016 ist er zusammen mit der Band The Where Me?! mit dem Jazzstipendium der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden, im Jahr darauf bekam Dudek die Solistenauszeichnung beim „Jungen Deutschen Jazzpreis Osnabrück“. Seit Beginn dieses Jahres wird er von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Neben Jurys kann Fabian Dudek aber auch das Publikum begeistern. Obwohl sein virtuos-expressiver Stil auf Alt- und Sopransaxophon eher intensive Erlebnisse statt leichter Kost verspricht.

          „Mir gefällt es schon, wenn Musiker zurückhaltend spielen und durch Ruhe beeindrucken“, sagt Dudek, wohlwissend, dass er selbst oft anders klingt. Zwar ist auch Dudek in der Lage, sich auf wenige, warm timbrierte Töne zu fokussieren, kontemplative Momente in seine Kompositionen einzubauen. Häufiger jedoch beeindruckt er durch eruptive Dynamik, weite Spannungsbögen, sprunghafte Phrasierungen, flirrende Aufschwünge und irrwitzige Modulationen bis hin zu schneidenden Überbläsern. Abseits der Bühne zeigt er ein eher zurückhaltendes Naturell, in der Musik dagegen extrovertierten Charakter. Eine bewusste Entscheidung sei das nicht, sagt Dudek, vielmehr resultiere sein Spiel aus einem inneren Bedürfnis. „Die Dichte und Intensität hat weniger mit Spieltechnik und mehr mit Psychologie zu tun. Ich denke nicht über die Menge der Töne nach, aber sehr viel über ihre jeweilige Gestaltung.“

          Dringlichkeit ist stets spürbar

          Unverkennbar ist, dass sich Dudek über das Saxophon ausdrückt. Zwar brechen seine Emotionen je nach dem musikalischen Umfeld mehr oder weniger stark hervor, die Dringlichkeit des Musikers ist indes stets spürbar. Neben juvenilem Ungestüm und zuweilen schrägem Gestaltungswillen lässt Dudek in seltenen Momenten auch eine Liebe zu Harmonien und lyrischen Stimmungen aufblitzen. Er versteht sich nicht als Avantgardist, hat aber Spaß daran, herauszufordern, vielleicht auch zu polarisieren. „Wenn ich im Kontext von Modern Jazz ganz sauber spiele, ist das doch für alle langweilig. Interessanter erscheint mir, ein wenig als Quertreiber zu irritieren. Ich finde es gut, wenn das Publikum Position bezieht und ein Konzert nicht nur als einfach schön empfindet.“

          1995 wurde Fabian Dudek in Groß-Gerau geboren, aufgewachsen ist er in Nauheim und Rüsselsheim. Nach Blockflöte und Klarinette begann er im Alter von zehn Jahren, Alt-Saxophon zu lernen. In der Familie war Jazz allgegenwärtig, Dudeks Vater verfügt über eine umfangreiche Plattensammlung. So wuchs der angehende Saxophonist ganz selbstverständlich mit John Coltrane, Miles Davis, Peter Brötzmann und Henry Threadgill auf. „Dabei haben mir anfangs natürlich Maceo Parker oder Henry Mancinis ,Baby Elephant Walk‘ mehr gefallen. Davis’ legendäres Album ,In A Silent Way‘ habe ich mit etwa 15 Jahren richtig zu schätzen gelernt.“

          Mit seiner Jazzleidenschaft drohte Dudek unter Mitschülern natürlich eine Art Außenseiterschicksal. Immerhin gab es an der Immanuel-Kant-Schule Spielmöglichkeiten und mit der IKS Bigband trat Dudek sogar im Ausland auf. Für rund eineinhalb Jahre war er Jungstudent an der Hochschule Mainz, nach dem Abitur wechselte er an die Kölner Hochschule. „Ich hatte die Stadt vor allem wegen ihrer großen Szene ausgesucht. Dort angekommen versuchte ich zunächst, möglichst schnell viele Musiker kennenzulernen, ehe ich begann, die Uni zu schätzen.“

          Das Debütalbum der Band The Where Me?!, zu der Gitarrist Rafael Krohn, Bassist David Helm und Drummer Jan Philipp gehören, ist schon länger aufgenommen und soll demnächst veröffentlicht werden. Auch vom Quartett des Pianisten Simon Below, in dem Dudek eine tragende Rolle spielt, erscheint in wenigen Wochen ein Album. Darüber hinaus leitet Dudek ein Trio mit dem viel gefragten Bassisten Robert Landfermann und Dominik Mahnig am Schlagzeug und spielt weiterhin als Sideman in einigen Formationen. Ideen für neue Projekte, etwa in Richtung elektronische Experimente, treiben ihn derzeit ebenso um wie der Gedanke, mal wieder den Standort zu wechseln. Es steht außer Frage, dass man von Fabian Dudek noch viel hören wird.

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