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Rüdesheim am Rhein : In der Hochsaison ist kaum noch ein Bett frei

Eng, aber beliebt: Die Drosselgasse in Rüdesheim am Rhein ist nach wie vor ein begehrtes Fotomotiv und Touristenziel. Bild: dpa

Rüdesheim am Rhein profitiert vom Boom des Deutschlandtourismus. Auf Dauer wird das Übernachtungsangebot kaum genügen.

          Weniger als 1500 Gäste haben Rüdesheim im vergangenen Jahr gefehlt, um die Marke von 400 000 Übernachtungen zu überspringen. Doch die 398 572 Übernachtungen, die das Hessische Statistische Landesamt ausweist, bedeuten einen Zuwachs in Höhe von 1,2 Prozent und den besten Wert seit Beginn der neunziger Jahre. Ein Anstieg, der vor allem auf ein spürbar gestiegenes Interesse deutscher Gäste zurückzuführen ist. Deren Zahl nahm um 6,6 Prozent auf fast 62 Prozent zu. Rüdesheim profitiert somit stark vom Trend zum Urlaub in der Heimat. Die Zeiten, als die Zahl der ausländischen Gäste die der inländischen knapp überwog, sind wohl absehbar vorbei.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Bei den ausländischen Übernachtungsgästen in Rüdesheim und Assmannshausen liegen überraschend die Dänen weiterhin klar an der Spitze. Die Auswirkungen des Brexit – vor allem die Abwertung des britischen Pfunds – führten im vergangenen Jahr zu einem weiteren Rückgang von Gästen aus dem Vereinigten Königreich. Allerdings kamen deutlich mehr Besucher aus den Vereinigten Staaten und aus Japan. Der Vorstand der Rüdesheim Tourist AG, Rolf Wölfert, wertet die zweistelligen Zuwachsraten aus diesen Ländern als „touristisches Revival“. Mittelfristig allerdings sieht er in Asien nicht Japan, sondern China als den wichtigsten Quellmarkt.

          Gestiegene Bettennachfrage

          Nach seinen Beobachtungen sind in der Hochsaison die aktuell 42 Hotels und größeren Pensionen voll ausgelastet. Die Bettenkapazität habe sich, bedingt durch Betriebsschließungen und „komfortverbessernde Umbauten“, seit dem Jahr 2008 um rund zehn Prozent reduziert, sagt Wölfert. Die Statistik weist für 2017 im Jahresdurchschnitt 2828 Betten aus, die zu gut 38 Prozent ausgelastet waren. Im Jahr 2008 waren es noch 47 Hotels mit 3100Betten bei weniger als 34 Prozent Auslastung.

          Die Bettennachfrage auch in der Nebensaison sei deutlich gestiegen, bestätigt Wölfert. Er sieht zudem Zuwächse im Tagungsgeschäft und eine wieder anziehende Nachfrage nach Gruppenreisen. Weil die Veranstalter dabei vor allem auf den Preis achteten, nehmen sie laut Wölfert auch gerne Pauschalangebote außerhalb der ohnehin stark gebuchten Wochenenden an. Bei der Zahl der Touristen und Tagesgäste an den Wochenenden zwischen Ostern und Oktober und bei gutem Wetter ist in Rüdesheim das Limit längst erreicht. Die Stadt will daher vermehrt für Angebote an Wochentagen werben.

          Investitionen sind erwünscht

          Auch bei den Stopps der Kreuzfahrtschiffe ist der positive Trend ungebrochen. Inzwischen legen mehr als 2000 dieser Schiffe im Jahr in Rüdesheim an. Rund 1000 bleiben über Nacht. Ihre rund 110 000 Passagiere fließen allerdings nicht in die Übernachtungsstatistik ein. Auch die Pensionen mit weniger als zehn Betten werden nicht berücksichtigt, und allenfalls grobe Schätzungen gibt es über jene, die bei Verwandten, Freunden und Bekannten privat unterkommen.

          Wölfert hält weitere Investitionen in Hotels und Pensionen für sinnvoll. Auch über einen Hotelneubau sollte seiner Ansicht nach ernsthaft nachgedacht werden. Das könne sogar ein Gemeinschaftsprojekt der lokalen Unternehmen sein, schlägt der Tourismusexperte vor.

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          Ungebrochen ist auch der Trend zum Aktivurlaub. Das Wandern auf zertifizierten Prädikatswegen steht im Vordergrund, und Rüdesheim ist gut an den Rheinsteig angeschlossen. Für Radfahrer gibt es mit der 2019 anstehenden Öffnung des Radwegs zwischen Rüdesheim und Assmannshausen bald ein neues Ziel am Rhein. Die Velopiste ist nicht nur für Individualreisende attraktiv, Wölfert registriert vermehrt Gruppenanfragen nach Radausflügen entlang des Rheins.

          Für die aktuelle Saison, die in Rüdesheim mit den Osterferien begonnen hat, sieht Wölfert kaum noch Steigerungsmöglichkeiten bei den amtlichen Übernachtungszahlen. Dafür werden aber weitere Angebote bei Ferienwohnungen und bei den sogenannten Couch-Surfern für weiteres Wachstum sorgen. Auch eine Erweiterung des Angebots für Camper und Wohnmobilisten könnte einen weiteren Anstieg der Gästezahl bewirken.

          Und die Aussichten sind gut. Hessenweit ist der Start in die Tourismussaison hoffnungsfroh verlaufen. Nach dem Rekordjahr 2017 sieht das Statistische Landesamt einen Start mit deutlichen Steigerungen bei den Ankunfts- und Übernachtungszahlen. Demnach empfingen die hessischen Beherbergungsbetriebe mit zehn oder mehr Betten und die Campingplätze mit mindestens zehn Stellplätzen im Januar rund eine Million Gäste. Die Zahl der Gästeankünfte lag um 4,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

          734 000 der Januar-Gäste stammten aus Deutschland und 287 000 aus dem Ausland. Das waren 4,3 Prozent mehr Inlandsgäste und vier Prozent mehr Auslandsgäste als im Januar 2017. Auch bei den Übernachtungen war in diesem Januar mit 2,4 Millionen ein Anstieg um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu verzeichnen.

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