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Rückkehr nach Weltreise : Derzeitiger Aufenthaltsort Erzhausen

  • Aktualisiert am

Wie fühlt sich die Rückkehr von einer Weltreise eigentlich an? Bild: Picture-Alliance

Mit gerade einmal 50 Euro reiste Christopher Schacht vier Jahre um die Welt. Nun ist er Student, Ehemann und Bestsellerautor. Wie geht das Leben in der beschaulichen Heimat weiter?

          Ein wenig Wahnsinn gehört schon dazu. Vor allem aber Entdeckergeist, Abenteuerlust und der Rückhalt des Elternhauses, da ist sich Christopher Schacht sicher. 19 Jahre war er alt, hatte das Abitur und 50 Euro in der Tasche und machte sich auf den Weg, die Welt zu entdecken. Das war 2013. Da wusste er noch nicht, dass er vier Jahre unterwegs sein würde.

          „Ich wollte so lange unterwegs sein, wie es braucht“, sagt Schacht. Er trampte, ging zu Fuß, nahm Bus und Bahn, segelte. Geflogen ist er nie. 45 Länder bereiste er auf diese Art; war in Brasilien, Peru, China, Japan, Thailand, in Indien und Pakistan, Iran, der Türkei. Mit dabei: Rucksack, Hängematte, Isomatte und Zelt. Wohin die Reise ging, war zu Anfang nicht klar, also packte er sowohl für kalte als auch für warme Regionen. Ein Jahr vor der Abreise informierte er sich beim Auswärtigen Amt, ließ sich im Tropeninstitut impfen und bereitete sich darauf vor, nicht vorbereitet zu sein.

          Seinen Eltern hatte er von Anfang an von seinem Traum erzählt. Dass dieser keiner bleiben würde, war ihnen zwei Wochen vor der Abreise klar. „Gerüche, Geschmäcker, Kulturen“ wollte er entdecken, seinen „Lebenstraum“ erfüllen, und er war sich sicher, dass er es bereuen würde, wenn er die Reise nicht machen würde: „Ich hätte lebenslang das Gefühl, etwas verpasst zu haben“, erklärte er seinen Eltern, die ihn verstanden. Der Vierundzwanzigjährige ist der Einzige in seiner Familie, den das Reisefieber gepackt hat. Weiter als nach Dänemark ging es in den Ferien für die Familie aus Schleswig-Holstein nicht.

          Eindrücke einer langen Reise

          Eindrücke seiner langen Reise hielt er zu Beginn mit einer alten Digitalkamera seiner Mutter fest. Handy, Laptop hatte er in der ersten Hälfte der Reise nicht dabei, dafür ging er alle drei, vier Tage in Internetcafés. Was er schon nach einem Jahr hatte, war ein GPS-Tracker, was vor allem seine Mutter beruhigte.

          „Die größte Angst hat man vor Dingen, die man nicht kennt“, sagt Schacht, wenn er über das Trampen spricht. Bei Ängsten habe ihn sein Bauchgefühl geleitet. Ein Jahr habe es gebraucht, um in das Leben eines Reisenden zu kommen. Vieles habe am Anfang Überwindung gekostet. Er musste erst lernen, welche Orte zum Übernachten geeignet sind und welche nicht. Auch die Gesundheit war ein Thema. „Ohne Antibiotika geht nichts“, sagt Schacht, der außer einer Mandelentzündung während seiner Reise öfters entzündete Moskito-Stiche hatte.

          Eine weitere Erkenntnis war, dass es auch ohne Geld geht. „Die Welt bricht nicht ein, wenn nix kommt“, lautet eine seiner Erfahrungen. Bezahlen konnte er trotzdem. „Man kann sehr schnell spontan kleine Arbeit kriegen“ sagt er und erzählt von seinem Aufenthalt in Lima. An einem Vormittag sei ihm das Geld ausgegangen. Doch er wollte mit dem Bus fahren, um einen Freund zu besuchen. Schacht, der vor seiner Abreise ein Stipendium für Informatik erhalten hatte, ging in ein Internetcafé, reparierte Computer und bekam das Geld für die Fahrt zusammen. Um seine Reise zu finanzieren, machte Schacht alles Mögliche: Bauarbeiter, Tourguide, Model, Verkäufer, Erntehelfer, Babysitter und Steuermann.

          Zwei Jahre unterwegs

          Nach zwei Jahren des Unterwegsseins kam ihm die Idee, ein Buch zu schreiben. Im Mai dieses Jahres ist es erschienen. Dass „Mit 50 Euro um die Welt“ ein Bestseller werden würde, hatte er nicht erwartet. Genauso wie er nicht damit gerechnet hatte, während seiner Reise seiner zukünftigen Ehefrau zu begegnen. Über einen Artikel war sie auf ihn aufmerksam geworden und hatte ihn in den sozialen Medien im Internet gefunden. Sie schrieben sich 15 Monate, dann besuchte sie ihn im März 2017 in Indien. Kirchlich getraut wurden sie in diesem Jahr von Schachts Vater.

          Dass er einmal beruflich in die gleiche Richtung wie sein Vater gehen würde, auch damit hatte Schacht nicht gerechnet. Inzwischen leben er und seine Frau in Erzhausen, und er studiert Theologie. Durch die Reise hat sich viel in seinem Leben geändert.

          Unterwegs ist er immer noch oft. Seine Familie lebt in der Nähe von Hamburg, die seiner Frau bei Dresden. Und dann kommen die Lesereisen hinzu. Durch diese finanziert sich das junge Ehepaar, denn 80 Prozent des Buchverkaufs spenden sie dem Missions- und Hilfswerk „Liebe in Aktion“. Worum es ihm bei seinen Lesungen geht? „Erlebnisse teilen“, sagt Schacht, wolle er mit seinem Buch.

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