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Rotmilane auf dem Rückzug : Zu wenig Müll, zu viele Windräder

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Schnittiger Flieger, der seine Jungen auch und gerade in Hessen aufzieht, aber immer weniger dazu kommt: Rotmilan Bild: dapd

Rotmilane pendeln zwischen Mittel- und Südwesteuropa. Ihre Jungen ziehen viele von ihnen in Hessen auf. Aber die Greife mit dem gegabelten Schwanz kämpfen mit wachsenden Problemen. Ringe sollen bei der Ursachenforschung helfen.

          Zwei junge Rotmilane aus dem Vogelsberg sollen Naturschützern zeigen, wann sie wohin fliegen und wo sie auf Nahrungssuche gehen. Dazu wurden die vier bis fünf Wochen alten Tiere in der Nähe von Schotten mit Ringen versehen. Naturschützer holten sie kurz aus ihrem Horst in einer rund 40 Meter hohen Buche und brachten sie nach der Aktion wieder zurück, während die Eltern hoch über dem Horst kreisten.

          Die Beringung im Vogelsberg ist Teil des Rotmilan-Projekts der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Das Land steuert nach Angaben von Umweltministerin Lucia Puttrich (CD) 60.000 Euro bei. Deutschland ist das Hauptverbreitungsgebiet der Rotmilane - mehr als die Hälfte des Weltbestandes brütet hierzulande.

          Groß wie ein Bussard

          Die Zahl der etwa bussardgroßen Greifvögel mit dem gegabelten rostroten Schwanz geht aber nach Erkenntnissen von Vogelexperten seit Jahren zurück. Den Greifvögeln fehlen die Mülldeponien als Nahrungsquellen, sie geraten oft in rotierende Windräder, und in den Überwinterungsgebieten in Südfrankreich und Spanien lauern Giftköder und Fallen.

          Auffällig sei der Rückgang der Rotmilane seit 2005, sagt Klaus Richarz, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland in Frankfurt. Seit dem Zeitpunkt darf in Deutschland kein Hausmüll mehr unbehandelt auf die Deponie. Früher holten sich die Vögel auf den offenen Müllplätzen einen großen Teil ihrer Nahrung, denn Milane sind Aasfresser, sie jagen aber auch Ratten.

          Im Wald haben die Vögel bei der Rückkehr aus den Winterquartieren Schwierigkeiten mit Störungen: Immer mehr Menschen holten sich Brennholz, erklärt Richarz. „Das ist zum Volkssport geworden, es herrscht gewaltige Unruhe im Wald.“ Dabei hätten die Milane wie andere sensible Arten, etwa der seltene Schwarzstorch, besonders zu Beginn der Brut viel Ruhe nötig.

          Lebensgefährlich für die Milane sind Windräder. Untersuchungen in Brandenburg hätten ergeben, dass bis zu fünf Prozent der Rotmilane in die Rotoren geraten und sterben, sagt Richarz. Eine Ursache könne sein, dass die Flächen unter den Anlagen regelmäßig gemäht und die Vegetation kurz gehalten wird - die Jagd nach Beute sei deshalb dort leichter als auf Feldern mit hohen Pflanzen, heißt es im Artenhilfskonzept der Vogelschutzwarte für den Rotmilan. Richarz plädiert für Rücksicht bei der Planung der Windanlagen. „Die Ampel für den Rotmilan steht auf Gelb.“

          „Es wird immer ein Kompromiss bleiben“

          Die Naturschützer wollen sich aber nicht vor den Karren der Windkraftgegner spannen lassen. „Das muss genau abgewogen werden, und es wird immer ein Kompromiss bleiben“, sagt HGON-Expertin Andrea Menzenbach. Todesopfer an den Anlagen seien nie ganz auszuschließen.

          „Wir nehmen die Verantwortung für den Rotmilan sehr ernst“, sagte Umweltministerin Puttrich laut Mitteilung. „Um sein Überleben langfristig zu sichern, brauchen wir aber mehr Kenntnisse über die Gefährdungsursachen.“ Dazu diene unter anderem die Markierung.

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