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Siedlung in Kronberg : Verschachtelte Bungalows über dem Dunst der Stadt

Unter Ensembleschutz: Roter-Hang-Siedlung mit L-förmigen Bungalows in Kronberg. Bild: Cornelia Sick

Die Siedlung Roter Hang in Kronberg ist ein denkmalgeschütztes Beispiel für Bauen in den sechziger und siebziger Jahren. Vielen heutigen Bewohnern machen die damit verbundenen Auflagen zu schaffen.

          5 Min.

          Das vielleicht bemerkenswerteste Zeichen der Moderne hat sich nicht erhalten: Kameras, die auf den Spielplatz am Roten Hang in Kronberg gerichtet waren. Damit sollten „Mütter über Fernsehkameras auf einer eigenen Welle die Kinder tagsüber im Auge behalten können“, hieß es 1970 über das damalige Neubauprojekt in dieser Zeitung. Für die Liveübertragung vom Sandkasten wurde ein Kanal am heimischen Fernsehgerät eingerichtet. Das heute kurios anmutende Projekt wurde tatsächlich verwirklicht. „Als wir 1981 eingezogen sind, gab es das noch“, erzählt Manfred Bremen, der sich für den Altstadtkreis engagiert und viel über die Geschichte des eigenen Wohnquartiers weiß. Da sich aber keine einheitliche Verwaltung um die Siedlung kümmerte, seien die Kameras irgendwann defekt gewesen und abgebaut worden.

          Bernhard Biener
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung

          Nicht der telegene Spielplatz, sondern die kompakte terrassenartige Anordnung der L-förmigen Häuser und die hohe Aufenthaltsqualität haben dazu geführt, dass die Siedlung Roter Hang 2016 für das Landesdenkmalamt ein „positives Beispiel für eine einheitlich geplante und weitgehend unverändert erhaltene Siedlung im Stile der Architektur der 1960er Jahre in Deutschland“ ist und unter Ensembleschutz gestellt wurde. Das „Haus Rams“ wurde zudem als Einzelkulturdenkmal erfasst.

          Dieter Rams, der 40 Jahre lang für den in Kronberg ansässigen Elektrogerätehersteller Braun gearbeitet und als Chefdesigner Legenden wie den „Schneewittchensarg“ Phonosuper SK4 geschaffen hat, wohnt noch heute in der Siedlung. Er hat zwei Bungalows zu einem langgestreckten L verbunden. Eines dient als Wohnhaus, das zweite hat er als Atelier eingerichtet. Auch an der Entstehung des Quartiers war er beteiligt.

          Mehrfamilienhäuser folgten später

          Braun hatte sich 1958 das Vorkaufsrecht für das Gelände im Norden Kronbergs gesichert, um dort eine Siedlung für Mitarbeiter und Gäste zu errichten, schreibt Stadtarchivarin Susanna Kauffels in dem Band „Kulturelle Entdeckungen – Neues Bauen in Hessen“ der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Rams, dessen Motto „weniger, aber besser“, lautet, wurde mit ersten Planungen beauftragt. Dabei ließ er sich von der Siedlung Halen bei Bern inspirieren – sie ist heute Schweizer Kulturgut von nationaler Bedeutung.

          Als Braun an Gillette verkauft wurde, zog sich das Unternehmen aus dem Projekt zurück. Die Stadt Kronberg übernahm die Gestaltung und beauftragte das Königsteiner Architekturbüro von Rudolf Kramer, der dabei mit Rams zusammenarbeitete. Zwischen 1968 und 1974 errichtete der Frankfurter Bauträger Polensky&Zöllner die Häuser, zu denen außer den Bungalows auch zweigeschossige Reihenhäuser am Fuß des Hangs gehören. Später entstanden am Nordrand viergeschossige Mehrfamilienhäuser der IBM-Unterstützungskasse.

          Fußwege parallel zum Hang

          Letztlich zogen nur vier Braun-Mitarbeiter in das Quartier, dessen Straßen zunächst nach Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Robert Schumann benannt werden sollten. Was die Stadtverordneten jedoch 1969 mit der Begründung ablehnten, Nebenstraßen und Sackgassen seien einer Bezeichnung verdienter Politiker nicht würdig.

          Damit ist zugleich ein weiteres Charakteristikum beschrieben. Innerhalb der Siedlung überwinden Fußwege den Höhenunterschied, die parallel zum Hang verlaufenden schmalen Stichstraßen sind weitgehend autofrei. Durch die L-Form verfügen die Bungalows über Gärten, die von den Wegen aus nicht einzusehen sind. Viele Vorzüge also, die ein Haus in dem Quartier auch heute noch interessant machen. Doch der Ensembleschutz führt zu Einschränkungen, mit denen viele, vor allem jüngere Bewohner nicht einverstanden sind.

          Wechsel in der Stadtplanung

          Das Landesdenkmalamt bestätigt Konflikte mit Eigentümern. Da ist der Nachbar, der den gerade erst errichteten Holzzaun wieder abbauen muss, oder die Eigentümerin, die die nach dem Kauf vor drei Jahren angebrachte Außendämmung beseitigen soll. Die zuständige Bauaufsicht des Hochtaunuskreises teilt auf Anfrage mit, der einzige Bauantrag, den es seit Unterschutzstellung gegeben habe, sei abgelehnt worden. Nicht nur aus denkmalschutzrechtlichen Gründen, sondern auch, weil die Stadt Kronberg mit der Erweiterung des Gebäudes nicht einverstanden gewesen sei. Mehrere Anträge für eine energetische Ertüchtigung der Gebäude seien noch nicht abschließend entschieden, so die Bauaufsicht. Denn auch Arbeiten, für die keine Baugenehmigung erforderlich ist, müssen denkmalrechtlich genehmigt werden.

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