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Abgesagte Rosenmontagsumzüge : In Mainz auch ohne Umzug „Spaß uff de Gass“

Rosenmontag ohne Rosenmontagsumzug: In Mainz bot sich an der Zugstrecke in der Innenstadt am Morgen zunächst ein tristes Bild. Später strömten trotz der Zugabsage viele Fastnachter zum Dom und feierten auf den Straßen und Plätzen. Bild: Frank Röth

Dem Sturm zum Trotz hielten viele Mainzer Fastnachter die Nase in den Wind und machten sich auf dem Weg in die Stadt. Die erwarteten Böen blieben aus, dennoch wurden auch in der Region zahlreiche Umzüge abgesagt.

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          Als gestern um die Mittagszeit die ersten Bilder von Mainzer Gardisten „im Auge des Sturms“ über Facebook verschickt worden sind, haben selbst die Organisatoren des ausgefallenen Rosenmontagszugs laut lachen müssen. Das Foto zeigte zwei uniformierte Fastnachter im Liegestuhl – der Dritte im Bunde sei gerade weg, um Sonnencreme zu holen. Als hätten es die Verantwortlichen des Mainzer Carneval-Vereins um die Mittagszeit nicht längst schon selbst gemerkt, verdeutlichte die Aufnahme aus dem Garde-Feldlager, dass es so schlimm dann doch nicht geworden ist mit dem Sturmtief „Ruzica“. Das sollte angeblich mit Starkregen und Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern in der Stunde über die Stadt fegen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Tatsächlich fühlte man sich eher an wechselhaftes Aprilwetter erinnert: mit Regen und Wind, dazwischen aber immer wieder auch Sonnenschein. An Umzügen hat es gleichfalls nicht gemangelt, obwohl die eigentliche Narrenparade mit rund 9.500 Teilnehmern am späten Sonntagabend erstmals in der Geschichte des Rosenmontagszuges wetterbedingt abgesagt worden war. Stattdessen versammelten sich in der Innenstadt überall dort, wo gerade eine Guggenmusik oder ein Spielmannszug vorbeikamen, unorganisierte Gruppen, um gemeinsam „Spaß uff de Gass“ zu haben. Als älteste Mainzer Garde marschierte von 13.11 Uhr an zudem die Ranzengarde, unterstützt von weiteren Uniformierten, einmal rund um den Dom, um Gott Jokus zu huldigen.

          Auch ohne Umzug wird bis tief in die Nacht gefeiert

          Gegen 15 Uhr durften an der Ludwigsstraße dann endlich auch Bier ausgeschenkt und Bratwürste auf die Grills gelegt werden. Bis dahin galt die Anordnung der Stadt, dass alle Stände wegen Sturmgefahr geschlossen bleiben mussten. Was die Stimmung der dann eben notgedrungen auf Selbstverpflegung setzenden Frohnaturen nicht sonderlich zu trüben vermochte. Während sich die offiziellen Fastnachter überwiegend in ihren selbstgewählten „Rückzugsräumen“, wie Osteiner Hof und Erbacher Hof, einfanden, gehörten die Straßen und Plätze von Mainz gestern über Stunden hinweg ausnahmsweise einmal den unorganisierten Spaßmachern. Viele von ihnen hatten sich für wetterfeste Verkleidungen entschieden: „Bauarbeiter mit Schutzhelm“ war für alle Fälle ein recht sicheres Kostüm, aber auch in Ostfriesennerze gepackte Angler konnte man sehen, ebenso wie komplett eingepackte Eisbären und Löwen.

          Am Nachmittag von 16 Uhr an nahmen dann aber wieder die Profis das Narrenzepter in die Hand, um den zigtausend Besuchern der Freiluftfete „Rosenmondnacht“ ein Programm auf zwei Bühnen am Höfchen und auf dem Schillerplatz zu bieten. Obwohl der eine oder andere Regenschauer das Vergnügen der Festgäste getrübt haben dürfte, wurde der höchste Narrenfeiertag in Mainz letztlich auch ohne Umzug wieder bis tief in die Nacht hinein gefeiert.

          Nicht nur die Mainzer Fastnachter mussten gestern zumindest auf den organisierten Höhepunkt der „tollen Tage“ verzichten. Auch auf der anderen Seite des Rheins wurden viele Umzüge wegen der Sturmwarnung abgesagt. So fielen im Kreis Offenbach beispielsweise auch der Rosenmontagszug in Seligenstadt und der Lumpenmontagszug in Neu-Isenburg aus. Die Festzüge in Mühlheim und Rödermark-Urberach schlängelten sich hingegen wie geplant durch die Städte. Windstärken zwischen acht und zehn hätten die Meteorologen angekündigt, sagte der Vorsitzende des Heimatbunds Seligenstadt, Richard Biegel. Damit sei die Entscheidung klar gewesen, den Zug abzusagen: „Da braucht sich nur ein Ziegel vom Dach zu lösen und jemanden verletzen, da wäre der Teufel los.“

          Seligenstädter Umzug soll nachgeholt werden

          Nach 1990, als der Orkan „Vivian“ über Hessen fegte, mussten sich die Seligenstädter Fastnachter damit zum zweiten Mal dem Wetter beugen. Der Heimatbund, die Dachorganisation der Seligenstädter Vereine, wollte ursprünglich 99 Zugnummern auf die Strecke schicken. Durch die Absage und den fehlenden Verkauf der Zugplaketten sei nun erst einmal ein großes finanzielles Loch enstanden, so Biegel. Wie schon 1990 soll der Umzug aber auch diesmal zum Frühlingsende oder Sommeranfang nachgeholt werden. Die Motivwagen bleiben bis dahin in der Wagenbauerhalle des Heimatbunds. Schon erworbene Zugplaketten bleiben nach Biegels Worten gültig.

          Auch im Wiesbadener Stadtteil Frauenstein wurde der traditionelle Fastnachtsumzug abgesagt. Als Grund nannten die „Molsberjer Narr’n“ auf ihrer Internetseite die aktuelle Warnmeldung des Wetterdienstes. Ebenso entschied der Carneval-Verein Sprudelfunken in Kiedrich im Rheingau: Der Rosenmontagsumzug mit seinen 50 Zugnummern müsse wegen des Wetters ausfallen, hieß es am späten Vormittag nach einer Sitzung der Verantwortlichen. Im nahe gelegenen Rüdesheim-Assmannshausen fand der Umzug unter dem Motto „Assmannshausen drunner und drübber“ nach Absprache mit der Feuerwehr dagegen statt.

          In Fulda wurde auf Wagen mit Aufbauten verzichtet

          Ebenso wurde im Norden und Osten Hessens in vielen Kommunen trotz Wind und Regen Straßenkarneval gefeiert – allerdings mit Einschränkungen. Aus Sicherheitsgründen gab es meist zahlreiche Auflagen für die Teilnehmer. Beim mit 60.000 bis 80.000 Zuschauern größten hessischen Rosenmontagszug in Fulda waren zum Beispiel Wagen mit Aufbauten und Schmuck nicht gestattet, auch Pferde, Schilder und Regenschirme wurden verbannt. „Alle Personen sind dazu angehalten, nur zu Fuß teilzunehmen“, hieß es in einer Mitteilung des Rosenmontag-Ausschusses. Auch in Herbstein im Vogelsbergkreis musste der Springerzug ohne Motivwagen auskommen. Außerdem wurde die Strecke verkürzt.

          Im nordhessischen Fritzlar machten sich die 75 Motivwagen dagegen wie geplant auf den Weg durch die Kleinstadt im Schwalm-Eder-Kreis. Im osthessischen Hünfeld und in Marburg fielen die traditionellen Umzüge aus.

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