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Romantikmuseum Frankfurt : Ein Museum einrichten

Museumsplanerin: Anne Bohnenkamp-Renken im Goethehaus Bild: Wolfgang Eilmes

Am 31. August beginnt neben dem Frankfurter Goethehaus der Abriss der Gebäude, an deren Stelle das Romantikmuseum errichtet wird. Anne Bohnenkamp-Renken plant derweil schon, was in der Ausstellung zu sehen sein wird.

          Lärm und Staub kommen erst nach Goethes Geburtstag. Am 28. August wird er im Frankfurter Goethehaus wie jedes Jahr in aller Ruhe gefeiert, mit Kerzenlicht im Haus und Gesprächen im Garten, drei Tage später aber beginnt der Abriss der Gebäude neben dem Elternhaus des Dichters. „Er soll schonend erfolgen“, sagt Anne Bohnenkamp-Renken, die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, das neben dem Goethehaus zusammen mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG das Romantikmuseum errichtet.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Bau des Museums beginnt Anfang des nächsten Jahres, so lange dauert es, bis die aus den fünfziger Jahren stammenden Gebäude rund um den Hof vor dem Cantate-Saal abgerissen sind, der als Spielstätte von Michael Quasts „Fliegender Volksbühne“ erhalten bleibt. Quasts Truppe hat den Saal für die Bauzeit räumen müssen, im Goethehaus rechnet man damit, für geraume Zeit mit Schutzhüllen für die empfindlichsten Ausstellungsstücke und Folien an den Fenstern gegen den Baustaub leben zu müssen.

          Goethe und Romantik auf drei Etagen

          Darauf, dass dem Haus selbst nichts passiert, ist ebenfalls zu achten. „Es soll erschütterungsfrei abgerissen werden“, sagt Bohnenkamp. Das Bürogebäude, das links an das Goethehaus anschließt, soll von oben her besonders vorsichtig abgetragen werden. Im Keller des Goethehauses ist ein Holzgerüst eingezogen worden, um das Gewölbe zu stützen, wenn sich die Statik des gesamten Ensembles ändert, weil links vom Haus eine Baulücke entsteht. Wenn in ihr das Museumsgebäude emporwächst, wird der Teil seines Kellers, der neben dem Keller des Goethehauses liegt, mit Erde verfüllt werden. Das nimmt dem Romantikmuseum zwar etwas von den Räumen, die für Wechselausstellungen vorgesehen waren, aber die Stabilität des Goethehauses geht schließlich vor.

          Während der Bau des Museums vorbereitet wird, ist Bohnenkamp mit den Planungen für die Dauerausstellung des Hauses beschäftigt. Im Museum, das der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler entwirft, kann sie die Romantik und die Goethezeit auf drei Etagen zeigen. Besucher betreten es durch eine fast sechs Meter hohe Halle im Erdgeschoss, in die Ausstellungsstockwerke führt von dort aus eine Treppe, die Mäckler hinter der Fassade des Museums von rechts unten nach links oben führt, fast über die gesamte Länge der Vorderseite des Gebäudes, ein wenig wie Hans Döllgast im neuen Treppenhaus der nach dem Krieg von ihm wiederaufgebauten Alten Pinakothek in München.

          Ein kleines Holzmodell der Treppe hat der Architekt Bohnenkamp vor den Sommerferien noch gezeigt, sie führt es in ihrem Büro vor und hält am oberen Ende des Modells ihr Smartphone über einen Lichtschacht, so dass der Schein des Displays nach unten gerichtet ist. Im fertigen Museum fällt hier von oben das Sonnenlicht auf den letzten Treppenabsatz und zieht den Besucher die Treppe hinauf, vorbei am Licht der drei großen Fenster, die auf jeder Etage die Fassade durchbrechen und ihm signalisieren, dass er in einem neuen Ausstellungsabschnitt angekommen ist.

          Planung für erste Etage am weitesten

          Noch gibt es keine endgültigen Planungen, aber im Augenblick beabsichtigt Bohnenkamp, im ersten Stock des Museums die Gemäldegalerie der Goethezeit unterzubringen. Sie zöge aus ihren bisherigen Räumen im Goethemuseum rechts des Goethehauses aus und gäbe dort den Platz für dringend benötigte Büros frei. Im zweiten Stock des Museums, der Etage mit dem von Mäckler geplanten blauen Erker, ginge es um die Literatur der Romantik. In der dritten Etage schließlich ließe sich die Kombination des bis dahin Gezeigten inszenieren, hier wäre der Ort, um die spannungsvollen Zusammenhänge zu zeigen, die zwischen Goethe und den Romantikern bestehen.

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