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Neuer Polizeipräsident : Ein Mann, der Druck gewohnt ist

Krisenerprobt: Roland Ullmann, Offenbacher Polizeipräsident und Nachfolger des zurückgetretenen Udo Münch Bild: Polizeipräsidium Südosthessen

Roland Ullmann wird künftig das hessische Landespolizeipräsidium leiten. Für dieses Amt hat er sich aus mehreren Gründen empfohlen.

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          Als Roland Ullmann vor knapp zehn Jahren sein bisheriges Amt als Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach antrat, hat er wissen lassen, dass er keineswegs von Anfang an Polizist werden wollte. Flugzeugingenieur war demnach der Traumjob des 16 Jahre alten Roland, als es um die Berufswahl ging. Die Hubschrauberstaffel der Polizei habe ihn dann überzeugt, doch in den Dienst der hessischen Polizei zu treten.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Zu den Helikopterpiloten ist er nie gestoßen, zielstrebig aufgestiegen aber schon: Nach Streifendienst in Maintal folgten Fachabitur, Studium und gehobener Dienst. In Frankfurt baute er die Inspektion gegen organisierte Kriminalität mit auf, später wurde er Dozent an der Polizeiführungsakademie im westfälischen Münster. Nach Stationen im Landespolizeipräsidium folgten Tätigkeiten als Vizepräsident der Polizeipräsidien Mittelhessen in Gießen und später Westhessen in Wiesbaden. 2008 wechselte Ullmann dann in das Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach, zunächst ebenfalls als Vizepräsident. 2010 wurde der damals 53 Jahre alte Vater einer erwachsenen Tochter dann Chef des Hauses.

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          Zumindest der Zeitpunkt kam für Ullmann wohl überraschend, denn sein damaliger Vorgänger als Polizeipräsident, Günter Hefner, war nur knapp neun Monate in diesem Amt, als er ins hessische Innenministerium wechselte, um als Ministerialdirigent die Zentralabteilung zu leiten, die für Organisation, Haushalt und Personal zuständig ist. Als Vertreter des Staatssekretärs war Hefner damit der „dritte Mann“ des Innenministeriums.

          In schwierigen Zeiten an der Spitze

          Was die Wirkungsstätte betrifft, folgt Ullmann nun wieder seinem Vorgänger in Offenbach nach, denn das Landespolizeipräsidium ist ebenfalls eine von acht Abteilungen des hessischen Innenministeriums. Man könnte also recht kurze Wege der Kommunikation vermuten. Die Affäre um rechtsextreme Droh-Mails an Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Linken im hessischen Landtag, und andere Personen, die nun Ullmanns Vorgänger Udo Münch den Job gekostet hat, lässt jedoch anderes befürchten.

          Eine Führungsposition in für die Polizei selbst schwierigen Zeiten zu übernehmen, ist für Ullmann nicht neu. Als er in Offenbach die Spitze des Präsidiums erklomm, hatte Innenminister Peter Beuths Vorgänger im Amt, Boris Rhein, gerade den früheren Landespolizeipräsidenten Norbert Nedela aus dem Amt entfernt, nachdem sich Berichte über Mobbing und informellen Druck in der hessischen Polizei verdichtet hatten. „Die hessische Polizei hat kein Führungsproblem. Es gibt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken“, hatte Ullmann damals recht offensiv in einem Interview der „Frankfurter Rundschau“ dazu gesagt. Eine Einlassung, die ihn womöglich schon damals für höhere Ämter empfahl. Ebenso wie die Aufklärungsquoten in Offenbach, die sich unter seiner Leitung ständig verbessert hatten.

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