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Roland Koch verlässt Bilfinger : „Schade, dass man ihm nicht mehr Zeit gelassen hat“

  • -Aktualisiert am

Nach unten korrigiert: Bilfinger hat die Prognose für das laufende Geschäftsjahr senken müssen. Nun ist Roland Koch von seinem Posten zurückgetreten. Bild: dpa

Überraschend kam der Rücktritt von Roland Koch als Vorstandsvorsitzender der Bilfinger SE. Grund war wohl ein „erheblicher Dissens“ über die Firmenstrategie. SPD-Politiker Schäfer-Gümbel findet das Vorgehen „konsequent“.

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          Der Rücktritt Roland Kochs als Vorstandsvorsitzender der Bilfinger SE ist im politischen Raum auf Überraschung gestoßen. Der frühere hessische Ministerpräsident hatte nach einer Mitteilung des Unternehmens dem Aufsichtsrat eine einvernehmliche Trennung vorgeschlagen. Laut einer mit den Vorgängen vertrauten Person hatte es zwischen großen Teilen des Aufsichtsrates und dem kompletten Vorstand einen „erheblichen Dissens“ über die weitere Strategie des Unternehmens gegeben, das zuvor zweimal die Prognose für das laufende Geschäftsjahr hatte senken müssen und dessen Aktienkurs eingebrochen war. Teile des Aufsichtsrates hätten, auch unter dem Druck beteiligter Finanzinvestoren, ihre Geduld in eine langfristige Strategie verloren, obwohl eben für ein solches Unternehmen mit mehreren hundert Töchtern große Geduld und langer Atme nötig seien. Roland Koch befürchte nun, in der Öffentlichkeit entstehe der Eindruck, ein Ex-Politiker könne kein Unternehmen zum Erfolg führen.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Regierungssprecher Michael Bußer (CDU) sagte dieser Zeitung: „Es ist in erster Linie eine Entscheidung von Roland Koch und dem Unternehmen. Der Ministerpräsident befindet sich zurzeit auf einer Urlaubsreise, kennt keine Details und wird sich erst näher äußern, wenn er mit Roland Koch persönlich gesprochen hat.“

          Reaktionen von Politikern

          Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), der von der Nachricht überrascht worden war, sagte, es sei konsequent von Koch gewesen, seinen Rücktritt anzubieten. Möglicherweise habe Koch einmal wieder zu viel zu schnell erreichen wollen und habe damit die falsche Richtung eingeschlagen. Sollte sein Rücktritt auch mit dem Druck von Finanzinvestoren zusammenhängen, so wäre er Opfer einer Ideologie geworden, die er immer selbst gefördert habe. Schäfer-Gümbel fügte hinzu, er empfinde keine Schadenfreude, sondern habe Koch in ihrer gemeinsamen politischen Zeit als „klaren, zuverlässigen Gesprächspartner“ geschätzt. Ihr Verhältnis sei immer von gegenseitigem Respekt getragen gewesen.

          Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag Florian Rentsch sagte, Koch habe sich bei Bilfinger ein sehr ambitioniertes Ziel gesetzt, das auch die Geduld des Aufsichtsrats vorausgesetzt hätte. Er bedauere es, dass man bei dem Unternehmen dem Vorstandsvorsitzenden nicht mehr Zeit gelassen habe.

          25 Millionen Euro weniger erwartet

          Der 56 Jahre alte Koch hatte am 1. Juli 2011 seine Position als Vorstandsvorsitzender des Dienstleistungs- und Bauunternehmens Bilfinger mit Sitz in Mannheim angetreten. Der Konzern teilte nach Börsenschluss mit, bei einer erwarteten Leistung von rund 7,8 Milliarden Euro gehe das Unternehmen jetzt von einem um 25 Millionen Euro reduzierten bereinigten Konzernergebnis zwischen 205 und 220 Millionen Euro aus.

          Roland Koch war von 1999 bis 2010 Ministerpräsident und zuvor Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag.

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