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Laterne auf dem Römerberg : Von wegen helle Leuchte

  • -Aktualisiert am

Wie eine eiserne Untote, die nicht weichen will, wird die Laterne nach jedem Fest wieder aufgebaut. Bild: Tobias Hausdorf

Auf dem Frankfurter Römerberg steht eine Laterne, die mehrmals im Jahr abgebaut werden muss, weil sie bei Großveranstaltungen im Weg steht. Das kostet die Stadt viel Geld. Warum das ganze Hin und Her?

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          Auf dem Römerberg spielt sich eine Posse ab, die zu den kleinen, aber besonderen zählt: Eine Laterne wird abgebaut, weil sie bei Großveranstaltungen wie Triathlon, Mainfest und Weihnachtsmarkt im Weg steht. Wie eine eiserne Untote, die nicht weichen will, wird sie jedoch jedes Mal nach den Festen wieder aufgebaut. Angeblich kostet das Hin und Her jeweils 2400 Euro. Doch warum der ganze Umbau?

          Ihr Stammplatz ist zwischen Historischem Museum und Eiscafé Da Vinci, etwa 50°06‘35.5“N, 8°40‘55.3“E. Aber derzeit ist sie nicht an Ort und Stelle, lediglich eine quadratische Steinplatte gibt Hinweis auf den eigentlich Standort. Wohl wegen des Mainfests ist die Laterne zurzeit abgebaut. Sie würde Aussteller und Menschen, die die schmale Passage, das Fahrtor, zwischen Mainufer und Römerberg passieren wollen, behindern, heißt es.

          Nachgefragt bei der Mainova-Tochter SRM Straßenbeleuchtung, die für Laternen der Stadt zuständig ist: Die Leuchte auf dem Römerberg sei 1989 installiert worden. Die Sprecherin bestätigt, dass die Laterne drei- bis viermal im Jahr abgebaut, ins Lager der Mainova gebracht und wieder aufgebaut wird. Sie hat einen gewissen Bekanntheitsgrad, denn wegen der regelmäßigen, temporären Entfernung wurde eigens „ein Erdstück eingesetzt, so dass der Mast nur noch ab- und angeschraubt werden muss“. Wie viel das koste? Dazu will die Sprecherin keine Angaben machen. Man handele nur im Kundenauftrag.

          Pro Abbau zahlt die Stadt 2400 Euro

          Doch wer ist dieser Kunde? Gewissermaßen ist das die Stadt selbst. Die städtische Tourismus und Congress GmbH ist Veranstalter der Feste auf dem Römerberg. Sie zahlt also 7200 bis 9600 Euro im Jahr für die Arbeit, deren Sinn sich nicht so recht erschließt. Einem Stammgast des Cafés Da Vinci war der ständige Auf- und Abbau aufgefallen. Als zufällig ein Mitarbeiter der Tourismus-Gesellschaft im Café war und zur ominösen Laterne ging, habe der Gast nachgefragt. 2400 Euro koste jeweils der Auf- und Abbau, habe der Mitarbeiter ihm verraten.

          Um die Posse zu beenden, müsste die Laterne dauerhaft abgebaut oder umgesetzt werden. Dann stünde sie auch in einer Flucht mit ihren Leuchtgenossen vor der Häuserzeile auf dem Römerberg. Diese Entscheidung könne nur vom Amt für Straßenbau und Erschließung sowie vom Stadtplanungsamt getroffen werden, sagt die Mainova-Sprecherin. Bis dahin wird die Laterne weiter ab- und aufgebaut. Kurt Stroscher von der Tourismus und Congress GmbH meint, es gebe gute Gründe, die Laterne bei Veranstaltungen zu entfernen, schließlich müssten Feuerwehr und Fahrzeuge für den Auf- und Abbau ungehindert durchkommen. An anderen Tagen leiste die Laterne aber gute Dienste für ein „ansprechendes Ambiente“. Dem Steuerzahler entstünden doch gar keine Kosten: Aussteller und Ausrichter von Veranstaltungen zahlten schließlich für das Hin und Her. Immerhin.

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