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Rhein-Main-Verkehrsverbund : Man zahlt nur, was man wirklich fährt

Bald im Test: die günstigeren Fahrkarten des neuen Tarifsystems Bild: dpa

Nur eine Station weiter mit der S-Bahn - und schon hat man fast das Doppelte bezahlt. Das soll sich jetzt ändern, denn der Rhein-Main-Verkehrsverbund will nicht mehr nach Tarifzone, sondern nach der Länge der gefahrenen Strecke abrechnen.

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          Die S-Bahn-Fahrt von der Frankfurter Hauptwache zur Station Kaiserlei kostet 2,75 Euro. Fährt man nur eine Station weiter zum Ledermuseum in Offenbach, muss man 4,55 Euro zahlen. Der Preissprung erklärt sich damit, dass der Fahrgast die Offenbacher Stadtgrenze überquert und damit eine neue Tarifzone erreicht. Solche Sprünge wird es nicht mehr geben, wenn der Rhein-Main-Verkehrsverbund einmal sein neues Tarifsystem eingeführt hat, bei dem nicht nach Tarifzonen, sondern nach der tatsächlichen Länge der gefahrenen Strecke abgerechnet wird.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im April beginnt ein drei Jahre dauernder Pilotversuch für das neue Tarifmodell, an dem 20.000 Testnutzer teilnehmen sollen. Das beschloss der Aufsichtsrat des RMV auf seiner jüngsten Sitzung. Dessen Vorsitzender, der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), kündigte an, der RMV werde ein Nachbarschafts-Ticket schaffen, das nach dem Prinzip funktioniere: „Man zahlt, was man fährt.“

          Zunächst als Feldversuch - Teilnehmer werden noch gesucht

          Wer heute eine lange Strecke innerhalb einer Tarifzone fahre, zahle an manchen Stellen weniger als jemand, der auf einer kurzen Strecke eine Tarifzone überquere, erläuterte Feldmann: „Dieses Tarifmodell passt nicht mehr zum Mobilitätsverhalten der Menschen in der Region.“

          Doch zuerst einmal wird das neue Tarifmodell, das den Namen RMVsmart trägt, getestet. Dafür hat der Verkehrverbund seine Handy-Ticket-App weiterentwickelt. Im Frühjahr werden dafür 20.000 Fahrgäste aus allen Teilen des RMV-Gebiets gesucht, die an dem Test teilnehmen wollen. Mit diesem Feldversuch sei der RMV der erste Verkehrsverbund in Deutschland, der einen Relationstarif in diesem Umfange erprobe, sagte RMV-Chef Knut Ringat. In den schnellen Verkehrsmitteln Regionalzug, S-Bahn und U-Bahn zahlen die Teilnehmer des Versuchs zum ersten Mal einen klar entfernungsabhängigen Preis. Dieser setzt sich aus einem Grundpreis von 1,69 Euro und einem Preis für die jeweils gefahrenen Kilometer zusammen. Dabei wird unterschieden zwischen dem engmaschigen Kern-Netz im Ballungsraum und dem weniger dicht befahrenen Regionalnetz in der Fläche.

          Doch nicht alles wird günstiger

          Für Fahrten mit Bus oder Straßenbahn gibt es übersichtliche Pauschalpreise, die sich ebenfalls aus dem Grundpreis sowie einer Pauschale zusammensetzen. Diese Pauschale orientiert sich daran, wie groß die Stadt beziehungsweise der Ort ist. Damit setzt sich das Tarifangebot nach Angaben des RMV aus wenigen, übersichtlichen Bausteinen zusammen. Die Kunden brauchen sich bei dem Versuch um nichts zu kümmern: Die neue Smartphone-App berechnet die individuellen Preise je Verbindung ganz von allein.

          Nach dem neuen System wird die Fahrt von der Frankfurter Hauptwache bis zum Marktplatz in Offenbach nicht mehr 4,55 Euro kosten, sondern nur noch 3,33 Euro. Aber nicht alles wird billiger. Die Fahrt von Marburg nach Gießen kostet nach dem neuen Tarif nicht mehr 4,55, sondern 5,07 Euro.

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