https://www.faz.net/-gzg-8dm5o

Öffentlicher Nahverkehr : RMV übernimmt Hälfte der Planungskosten

Gelbe Schnauze: Die Taunusbahn nahe dem Bahnhof von Grävenwiesbach Bild: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Der RMV plant die Elektrifizierung der Strecke bis nach Usingen und damit eine Verlängerung der S-Bahn-Linie 5. Diese „Zukunftsentscheidung“ soll ab Dezember 2019 mehr Menschen zum Umstieg auf die S-Bahn bewegen.

          An der künftigen Endstation der S-Bahn-Linie 5 im Usinger Bahnhof haben gestern Repräsentanten des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) und des Verkehrsverbands Hochtaunus (VHT) eine Vereinbarung über die Elektrifizierung der Taunusbahn unterzeichnet. Dabei ging es zunächst um die weiteren Planungskosten in Höhe von vier Millionen Euro, von denen der RMV die Hälfte übernimmt. Den Rest trägt der VHT, der auch Eigentümer der Schienenstrecke ist. Bisher endet die S-Bahn-Linie 5 in Friedrichsdorf. Ende 2019 sollen Oberleitungen und Fahrdrähte bis Usingen reichen, damit S-Bahn-Vollzüge auch auf diesem 18 Kilometer langen Abschnitt fahren können. Die Dieseltriebwagen der Taunusbahn werden weiterhin den restlichen Teil der Strecke über Grävenwiesbach bis Brandoberndorf bedienen. Dabei wird es nach wie vor durchgehende Züge bis zum Frankfurter Hauptbahnhof geben.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Eine „Zukunftsentscheidung“ nannte RMV-Geschäftsführer André Kavai den Kreistagsbeschluss zur Elektrifizierung der Taunusbahn vom vergangenen Mai. Ziel sei es, den S-Bahn-Verkehr mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 aufzunehmen. Zwischen 3.000 und 5.000 Fahrgäste erwarte man dadurch auf dieser Strecke zusätzlich. Sie könnten dann ohne Umsteigen von Usingen bis Frankfurt-Süd fahren. Der Bad Homburger Bahnhof werde vom Haltepunkt zur Verkehrsdrehscheibe. Die Auswirkung auf die Straße hob RMV-Chefplaner Thomas Busch hervor.

          Der Bad Homburger Bahnhof wird zur Verkehrsdrehscheibe

          Durch das Umsteigen auf die Schiene würden je Werktag 70.000 Kilometer weniger mit dem Auto gefahren. Die S-Bahn-Verlängerung sei dabei ohne größere Umbauten an den Gleisen möglich. Durch den hohen Nutzen im Vergleich zu den bisher auf 20 Millionen Euro geschätzten Kosten erwarte man für den eigentlichen Bau eine hohe Landesförderung.

          Von einer „überragenden Bedeutung“ des Projekts sprach der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU). Auch psychologisch sei es wichtig, vom Usinger Land über den Frankfurter Hauptbahnhof hinausfahren zu können. Usingen sei Bestandteil der Region und unterliege im Planungs- und Regionalverband den gleichen Siedlungskriterien wie Eschborn. „Da kann die Stadt auch von den Vorteilen profitieren.“ Einen Gewinn für alle sah auch der Bad Homburger Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), weil die Menschen jenseits des Taunuskamms als Kunden in die Kurstadt kämen. Außerdem werde dadurch der Engpass PPR-Kreuzung der Bundesstraße 456 bei Dornholzhausen entlastet.

          Elektrifizierung ein „Riesenstandortvorteil“

          Der Erste Kreisbeigeordnete Uwe Kraft (CDU) wies auf die Solidarität der Mitglieder des Verkehrsverbands VHT hin, dem der Kreis und alle 13 Städte und Gemeinden angehören. Immerhin profitierten Städte wie Oberursel oder Steinbach nicht direkt von der S-Bahn-Verlängerung, sagte Kraft. Da habe es etwas Überzeugungsarbeit gekostet. Wichtig sei, im nächsten Schritt die sich an Usingen anschließende Strecke mit Grävenwiesbach und dem Tunnel nach Brandoberndorf nicht zu vergessen. Einen „Riesenstandortvorteil“ nannte der Usinger Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) die Elektrifizierung. Das gelte auch für die nicht unmittelbar an der Strecke liegenden Orte wie Weilrod.

          Die Fahrtzeit wird sich nach Worten von RMV-Chefplaner Busch mit der Elektrifizierung nicht wesentlich verringern. Auch die S-Bahn verkehre im Halb-Stunden-Takt. Etliche Pendler sparten sich fünf Minuten für das Umsteigen. Vor allem aber seien die Wagen größer, so dass mehr Fahrgäste befördert werden könnten. Mit der Unterschrift könne man jetzt das Planfeststellungsverfahren vorbereiten, das 2017 beginnen könnte. Dessen Dauer sei nicht zuletzt eine juristische Frage. Der Zeitplan mit einer Inbetriebnahme Ende 2019 sei „sehr ambitioniert, aber einzuhalten“.

          Parallel wird die Regionalbahnlinie 16 aus Friedberg über Friedrichsdorf hinaus bis Bad Homburg verlängert. Die Elektrifizierung der Taunusbahn baue auf anderen Verkehrsprojekten auf, sagte Busch. Sie werde vor allem durch den Ausbau der S-Bahn-Linie 6 zwischen Frankfurt West und Bad Vilbel sowie der Verlängerung der U-Bahn-Linie 2 von Gonzenheim bis zum Bad Homburger Bahnhof ermöglicht. Die Frage, ob im Umkehrschluss diese Projekte Voraussetzung für die Elektrifizierung seien, verneinten Kavai, Krebs und Hetjes nachdrücklich.

          Weitere Themen

          Schwimmendes Kernkraftwerk erreicht Ziel Video-Seite öffnen

          Russland : Schwimmendes Kernkraftwerk erreicht Ziel

          Ein schwimmendes Kernkraftwerk ist nun in Russland Realität. Die nach Angaben des Herstellers Rosatom weltweit erste Anlage dieser Art soll im Dezember ersten Strom für bis zu 100.000 Menschen liefern.

          Hessen geht gegen Hetze im Netz vor

          Hass-Kommentare : Hessen geht gegen Hetze im Netz vor

          Um Hass-Kommentare im Internet zu bekämpfen, will die hessische Landesregierung ein Meldesystem aufbauen. „Auch im Netz ist die Würde des Menschen zu wahren“, betont Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

          Topmeldungen

          Reformpaket gegen Klimawandel : Der Tag der Entscheidung

          Nach monatelangen Debatten steht die Bundesregierung vor einer klimapolitischen Richtungsentscheidung. Verschiedene Maßnahmen stehen zur Wahl. Eine Übersicht.

          „Downton Abbey“ im Kino : Flucht in die heile Adelswelt

          „Downton Abbey“, der Kinofilm, ist das polierte Produkt der Brexit-Jahre: ein nostalgischer Blick auf die Welt des englischen Adels und eine Aufforderung, sich vor der politischen Gegenwart zu verstecken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.