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Öffentlicher Nahverkehr : „Uns bleiben neun Jahre“

„Auch mit dem Elektroauto stecke ich irgendwann im Stau“: Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrs-Verbundes (RMV) Bild: Lucas Bäuml

Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), spricht darüber, was für die Erfüllung der Klimaziele nötig ist, den Corona-Effekt im ÖPNV – und warum Deutschland von einem Gratisangebot wie in Luxemburg noch weit entfernt ist.

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          Herr Ringat, demnächst regieren die besonders ÖPNV-freundlichen Grünen nicht nur in der größten RMV-Stadt Frankfurt und in Hessen, sondern auch im Bund mit. Das müsste Sie als RMV-Geschäftsführer und Klimaschützer qua Amt doch freuen.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich kann mich nicht beklagen. Es gibt inzwischen von allen Seiten und parteiübergreifend Unterstützung für den öffentlichen Nahverkehr. Busse und Bahnen haben einen viel höheren öffentlichen Stellenwert als noch Mitte des vergangenen Jahrzehnts. Früher war der ÖPNV für viele Bundespolitiker eher eine lästige Kostenstelle, heute sollen wir die Erreichbarkeit der in Deutschland und in der EU gesetzten Klimaziele garantieren. Damit sind wir in einer viel stärkeren Position.

          Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hat errechnen lassen, wie viel mehr der ÖPNV zur Erreichung der Klimaziele leisten müsste und wie viel das kosten würde.

          Um die bis zum Jahr 2030 angestrebte Halbierung des CO2-Ausstoßes im Verkehrssektor zu erreichen, muss der ÖPNV massiv ausgebaut werden. Die Betriebskosten würden von 25 auf etwa 48 Milliarden Euro für die gesamte ÖPNV-Branche in Deutschland steigen. Das heißt, man müsste von 2022 an bis zum Ende des Jahrzehnts jedes Jahr 1,5 Milliarden Euro zusätzlich in Busse und Bahnen stecken. Der zusätzliche Bedarf allein für das Jahr 2030 liegt bei rund 11 Milliarden Euro. Um die Relationen klarzumachen: Wir nehmen in der Branche im Moment etwa 13,5 Milliarden Euro im Jahr über den Ticketverkauf ein.

          Und das Geld wird fließen?

          Ganz sicher. Möglicherweise werden da, je nach Partei, andere Schwerpunkte gesetzt, aber dass das zusätzliche Geld dringend notwendig ist, bestreitet praktisch keiner. Aus der Verantwortung für das Klima kann sich niemand mehr herausstehlen. Wir erfüllen einen Auftrag der Bundesregierung, und zwar der jetzigen wie der künftigen. Und dann gibt es ja auch noch EU-Vorgaben zur Schadstoffreduzierung: Wenn Deutschland die nicht erfüllt, stehen Strafzahlungen in Milliardenhöhe an; möglicherweise mehr Geld, als zum Erreichen der Ziele nötig wäre.

          Was tut der RMV für die Klimaziele?

          Der RMV-Aufsichtsrat hat schon vor zwei Jahren ein Strategiepapier beschlossen. Das steht unter der Überschrift „RMV-Mobilität 2035“, gibt aber auch einen Zwischenschritt für das Jahr 2030 vor. Demnach müssen wir bis dahin 30 Prozent mehr Menschen in Bussen und Bahnen befördern als vor Corona. Der Bund hat die Klimaziel-Vorgabe für den Fernverkehr so heruntergebrochen, dass dort eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen nötig ist – ein extrem ehrgeiziges Ziel. Aber auch unsere 30 Prozent sind äußerst ambitioniert. Wir haben dazu nur noch neun Jahre Zeit und sind erst wieder bei 67 Prozent des Vor-Corona-Wertes. Wenn man das schaffen will, kann man nicht einfach so weitermachen wie bisher, da muss man vieles anders und neu machen.

          Was zum Beispiel?

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