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Risikoparcours für Straßenwärter : Wie man Reifen von der Autobahn holt

Schnell und mit Übersicht: So müssen Straßenwärter auf Autobahnen arbeiten. Das können sie bei einem speziellen Sicherheitstraining üben. Bild: Franziska Gilli

Wer den Arbeitsplatz zwischen rasenden Autos hat, braucht gute Nerven. Und Übung, um brenzlige Aufgaben sicher zu erledigen.

          4 Min.

          Mit hoher Geschwindigkeit brausen die Autos auf der zweispurigen Autobahn heran. Last- und Personenwagen wechseln sich ab. Es gibt kaum eine Lücke, die es erlauben würde, die Fahrbahn zu überqueren. Doch auf der Überholspur sorgt ein Hindernis für Unfallgefahr: Die Lauffläche eines Reifens hat sich gelöst und liegt als Gummiring auf der Autobahn. Der Größe nach zu urteilen, stammt das Teil von einem Lastwagenrad.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Thomas Ernst, Straßenwärter bei der Straßen- und Autobahnmeisterei Frankfurt, steht gemeinsam mit einem Kollegen auf dem Seitenstreifen. Aufmerksam schauen die beiden Männer in orangener Arbeitskleidung nach links, schätzen das Tempo der herannahenden Fahrzeuge ab und warten darauf, dass sich eine Möglichkeit bietet, die Autobahn zu queren. Plötzlich ist es so weit: Weit und breit ist kein Wagen zu erkennen. Beide spurten los, ziehen die schwere Reifenoberfläche in Sekundenschnelle unter der Mittelleitplanke hindurch und hechten auf den Mittelstreifen. Wieder gilt es, die sich nähernden Autos zu beobachten und eine Lücke im unablässigen Strom der Wagen abzupassen. Die beiden Straßenwärter sprinten über die Autobahn zurück. Kaum am Seitenstreifen angekommen, brummt ein Lastwagen vorüber. Nichts passiert; alles gutgegangen. Zur Nachahmung aber nicht empfohlen.

          56.000 Euro für das Projekt

          Die zweispurige Autobahn samt Standstreifen bringt es auf eine Länge von gerade einmal drei Metern und befindet sich in einer Halle der Autobahnmeisterei Rodgau. Die Mittelleitplanke sieht ebenso echt aus; doch auch sie dient nur zu Trainingszwecken. Den beiden Straßenwärtern hätte diesmal nichts passieren können. Ihr Blick nach links galt einem Monitor, der das typische Geschehen auf der Autobahn wiedergibt: Eines nach dem anderen bewegen sich Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit auf die Kamera zu: Lastwagen, Personenwagen, Autos mit Wohnwagen, Motorräder. Farbige Balken auf dem Monitor markieren, wie lange sich beide Männer auf den Fahrspuren aufhielten.

          „Autobahn“, Leitplanke und Monitor gehören zum Risikoparcours, mit dem es die etwa 1450 Mitarbeiter der 60 Straßen- und Autobahnmeistereien in Hessen demnächst zu tun bekommen: Im Oktober können die Straßenwärter der Autobahnmeisterei Rodgau als Erste das Sicherheitstraining an verschiedenen Stationen absolvieren; danach kommen die anderen Stützpunkte an die Reihe. Das Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil und die Unfallkasse Hessen schicken den Simulator gemeinsam auf die Reise und demonstrierten kürzlich in Rodgau, was es damit auf sich hat. Rund 56.000 Euro lässt sich die Unfallkasse das Projekt kosten; mit 25.000 Euro ist Hessen Mobil dabei. Ursprünglich hatten die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen und der dortige Landesbetrieb „Straßen.NRW“ den Risikoparcours entwickelt. Auch die bayerischen Straßenwärter nutzen schon die Idee.

          Straßenwärter leben gefährlich

          Für ein etwa 17.000 Kilometer langes Streckennetz sind die Straßenwärter von Hessen Mobil zuständig. Fahrbahnschäden sind zu beseitigen, Markierungen zu erneuern und Schutzeinrichtungen zu reparieren. Nach Unfällen sichern sie die betreffende Stelle ab. Die Straßen sind zu reinigen. Das Grün entlang der Autobahn ist zu pflegen; im Winter gilt es, Salz zu streuen. Straßenwärter sind zu jeder Jahreszeit bei Wind und Wetter unterwegs und erledigen ihre Arbeit bei laufendem Verkehr. Dadurch leben sie gefährlich: Jahr für Jahr kommt es in Hessen zu etwa 100 Arbeitsunfällen im Betriebsdienst. 2004 wurden sogar noch mehr als 300 derartige Vorfälle registriert. Manchmal gehen sie tragisch aus: Im Mai 2009 starb ein Straßenwärter auf der Autobahn 66 bei Biebergemünd im Main-Kinzig-Kreis, als er an einer Unfallstelle aufräumen und reinigen wollte. Ein Autofahrer erkannte die Situation zu spät und erfasste den Mann.

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