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Riedstadt : In der Schule der Imame

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Quellenstudium: Bücher eines Studenten im Unterricht in der Imamschule Ahmadiyya Muslim Jamaa in Riedstadt, der ersten ihrer Art in Deutschland Bild: Kretzer, Michael

Ihre Mitglieder leben in Deutschland, ihre Geistlichen hat sie früher aus dem Ausland geholt. Die fanden oft keinen Weg zu der im Westen groß gewordenen Jugend. Jetzt bildet die muslimische Ahmadiyya-Gemeinschaft ihren religiösen Nachwuchs selbst aus, in Riedstadt.

          Adnan Randah will das friedliche Gesicht des Islams sein. Der muslimische Glaube werde von Fundamentalisten missbraucht, seine eigentlich friedliche Natur werde verschleiert, sagt der 23 Jahre alte Mann. Dieses Bild zu korrigieren habe ihn dazu gebracht, den Islam nicht nur als Religion, sondern auch als Beruf auszuüben. Im südhessischen Riedstadt lässt Randah sich zum Imam ausbilden. Die Schule der „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ im Landkreis Groß-Gerau ist nach Angaben der Glaubensgemeinschaft die erste ihrer Art in Deutschland. Bislang mussten islamische Geistliche aus muslimischen, meist arabischen Ländern in die deutschen Moscheen eingeflogen werden. Mit Randahs Generation soll sich das ändern.

          Der junge Student hat pakistanische Wurzeln. Seine Familie stammt aus der Hafenstadt Karatschi, er wurde in Schwetzingen geboren und ist dort aufgewachsen. „Ich fühle mich deutsch“, sagt er. Vor drei Jahren sei er zum letzten Mal in Pakistan zu Besuch bei Verwandten gewesen. „Es ist schön, dahin zu reisen, aber nach drei Wochen ist es auch genug.“

          Rund 40.000 Gläubige in Deutschland

          Nach dem Fachabitur hat Randah Zivildienst geleistet, vor drei Jahren dann die Ausbildung zum Imam begonnen. Zunächst in Frankfurt, wo die Ahmadiyya-Gemeinde kleine Unterrichtsräume im Stadtteil Bonames hatte. Seit vergangenem Dezember ist er an der Schule in Riedstadt. Noch sieben Semester fehlen Randah, bis er als Geistlicher in den Ahmadiyya-Gemeinden weltweit eingesetzt werden kann. Am wahrscheinlichsten sei aber Deutschland, wo die Gemeinschaft 40.000 Gläubige habe, sagt der Student. „Am Ende entscheidet aber der Kalif, wo ich hinsoll.“

          Randah ist einer von 81 Studenten in fünf Klassen. Alle wohnen in kleinen Apartments auf dem Gelände der Schule im Gewerbegebiet des Stadtteils Goddelau. Ihre Räume sind spartanisch eingerichtet. Nur Betten und Schreibtische stehen in den Wohnungen, die sich bis zu vier Studenten teilen. Dafür gibt es Billardtische, eine gemeinsame Küche und ein Sportfeld zum Fußball- und Basketballspielen neben dem Wohnheim. An das weißgestrichene repräsentative Schulgebäude mit der großen Aula für Empfänge grenzt die Moschee der Gemeinde an, die 2004 eröffnet wurde. Dort beten die Studenten fünf Mal am Tag.

          Die Ahmadiyya-Gemeinde ist neben dem türkisch geprägten Ditib-Landesverband Partner der Landesregierung für den Islamunterricht an hessischen Grundschulen, den es vom nächsten Schuljahr an geben wird. In dieser Woche hat sie den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts zuerkannt bekommen; sie hat damit denselben rechtlichen Status wie die großen christlichen Kirchen in Deutschland. Die Ahmadiyya-Gemeinschaft wurde im heutigen Indien gegründet. Ihre Anhänger verehren ihren Anfang des 20. Jahrhunderts verstorbenen Gründer als den vom Propheten Mohammed angekündigten Messias. Weltweit hat die Glaubensgemeinschaft mehrere Millionen Anhänger.

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