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Rheintal : SPD fordert Ausweitung der Fährzeiten

  • -Aktualisiert am

Sollen in Zukunft öfter fahren: die Fähren im Rheintal. Bild: Kretzer, Michael

Die SPD-Fraktion im Kreistag dringt auf eine baldige Ausweitung der Fährzeiten in Lorch, Rüdesheim und Oestrich-Winkel. Der RMV soll künftig grenzüberschreitende Verbundtickets ausstellen.

          Die SPD-Fraktion im Kreistag dringt auf eine baldige Ausweitung der Fährzeiten in Lorch, Rüdesheim und Oestrich-Winkel und will mit dieser Forderung auch den Kreistag beschäftigen. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) soll nach Ansicht der SPD ein solches Vorhaben mit der Ausgabe von grenz- und stromüberschreitenden Verbundtickets unterstützen. Die Gewinner einer engeren Verbindung zwischen den beiden Kreisen Rheingau-Taunus und Mainz-Bingen wären nach Ansicht der SPD nicht nur Pendler und Touristen, sondern auch gastronomische Betriebe und die Veranstalter von Stadt- und Vereinsfesten.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Der Fraktionsvorsitzende Georg Mahr verweist auf das Pilotprojekt im Oberen Mittelrheintal. Dort ist der Fährbetrieb zwischen St. Goar und St.Goarshausen seit April ausgeweitet worden. Die erste Fähre legt seither werktags um 5.30Uhr ab, an Sonn- und Feiertagen um 6.30Uhr. Der Fährbetrieb wird täglich bis Mitternacht aufrechterhalten. Nach Angaben von Mahr haben die beiden Kreise Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück die Trägerschaft übernommen. Das Land Rheinland-Pfalz trage die nicht durch die Fährentgelte gedeckten Mehrkosten der Betreiber.

          Fähren auch in der Nacht

          Dieses Modell hält Mahr auch im Rheingau für denkbar. Zunächst müssten die Kosten ermittelt und Gespräche mit den drei Fährbetreibern geführt werden, anschließend müsse mit dem Kreis Mainz-Bingen verhandelt werden. Mahr will die Fährverbindungen Lorch-Niederheimbach, Rüdesheim-Bingen und Oestrich-Winkel-Ingelheim ins Tarifgefüge der Kreisverkehrgesellschaft RTV integriert sehen. Bei den Rheinfähren St.Goar-Goarshausen, Boppard-Filsen und Koblenz-Ehrenbreitstein würden schon jetzt Verbundfahrausweise akzeptiert. Ein einziger Fahrausweis müsse für Bus, Bahn und Fähre genügen.

          Eine Verlängerung der Fährzeiten bis in die Nacht, ein kürzerer Takt beim Fährverkehr und eine Integration in die Verkehrsverbünde gilt den Gegnern des Baus neuer Rheinbrücken als Alternative zu einer festen Querung im Rheintal. Die Ausweitung des Fährangebots bei St.Goarshausen ist Folge der neuen rot-grünen Koalition im Mainzer Landtag, die eine schon fast beschlossene, rund 50Millionen Euro teure Rheinbrücke nördlich von St.Goar und St.Goarshausen zumindest für die Dauer der Wahlperiode bis 2016 gestoppt hat. Erst danach soll das Thema abermals diskutiert werden.

          Eine Brücke für das Mittelrheintal

          Dass es auf den 90 Stromkilometern zwischen Mainz und Koblenz vorerst weiterhin keine Brücke geben soll, stößt in der Region jedoch auf wachsende Kritik vor allem der Wirtschaft und der Politik. Sie befürchten weitere Bevölkerungs- und Arbeitsplatzverluste und ein Ausbluten des Mittelrheintals. Sieben Wirtschaftsverbände und Kammern der Region nördliches Rheinland-Pfalz haben sich in einem Schreiben an Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Die Grünen), Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und den designierten SPD-Landesvorsitzenden, Innenminister Roger Lewentz, gewandt und für das Infrastrukturprojekt geworben.

          Ministerin Lemke, so heißt es in dem Brief, solle ihren Widerstand gegen den Brückenschlag aufgeben und mithelfen, das bei einem Architekturwettbewerb siegreiche Modell der Mittelrheinbrücke zu verwirklichen. Die Autoren sehen die Landesregierung in der Pflicht, dem Mittelrheintal als Wirtschafts- und Lebensraum eine langfristige Perspektive für eine positive Entwicklung zu geben. Für die Verfasser ist „das fortschreitende Auseinanderdriften von Einwohnerzahlen und wirtschaftlichen Kennziffern auf den unterschiedlichen Rheinseiten offensichtlich“. Ursächlich seien nicht der Bahnlärm oder der demographische Wandel, sondern die unterschiedliche Qualität der Verkehrsinfrastruktur.

          Die Zukunftsfähigkeit der Region sichern

          Daher müsse die Brücke im künftigen Masterplan für das Mittelrheintal fest verankert werden. Der von der Unesco geforderte Plan wird erarbeitet und soll bis zum Jahresende seine endgültig Fassung erfahren. Nach Ansicht der Wirtschaftsverbände darf darin die Brücke nicht fehlen, ihr Bau sei „der allgemeine Wille und die zentrale Forderung“ der regionalen Wirtschaft. Die Brücke sei der entscheidende Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Region. Parteipolitische Überlegungen dürften der infrastrukturellen Entwicklung nicht im Wege stehen.

          Die FDP in Mainz sieht schon ein erstes Aufweichen des Widerstands der Grünen gegen die Mittelrheinbrücke. Ein Verweis auf den bis 2016 geltenden Koalitionsvertrag und ein Spiel auf Zeit sei der Region aber nicht zumutbar. Als Wirtschaftsministerin müsse sich Lemke ihrer Verantwortung für das Land stellen.

          Auch zwischen Bingen und Rüdesheim bleibt der Bau einer Rheinbrücke ein Dauerthema. Im Sommer hatten sich FDP-Politiker aus den beiden Kreisen Mainz-Bingen und Rheingau-Taunus darauf verständigt, das Thema wieder aufzugreifen, nachdem die bisherige rot-grüne Koalition im Ingelheimer Kreistag von einer Mehrheit aus CDU, FDP und FWG abgelöst worden war. Langfristig sei die Rheinbrücke unverzichtbar, heißt es aus der FDP. Den Kreistag allerdings hat das Thema bislang noch nicht wieder erreicht.

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