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Mainzer Rheingoldhalle : Bald in neuem Glanz

Strahlkraft: Nachts macht die Rheingoldhalle ihrem Namen alle Ehre, wie auf diesem Foto aus dem Jahr 2011 zu sehen ist. Bild: Mainzer Aufbaugesellschaft mbH

„Wetten, dass..?“, Maskenbälle, Kongresse: Die 50 Jahre alte Mainzer Rheingoldhalle hat eine bewegte Geschichte. Jetzt soll sie von Grund auf saniert werden, ohne ihren Charakter zu verlieren.

          Der Lack ist ab. Doch das, was darunter zum Vorschein kommt, ist in vielen Fällen noch so gut, dass die Mainzer Rheingoldhalle, die vor 50 Jahren eröffnet worden ist, zwar von Grund auf modernisiert, aber nicht neu erfunden werden soll. Vor allem die Holzelemente – etwa Türen, Parkettböden und Wandverkleidungen – waren seinerzeit von Schreinern an Ort und Stelle gefertigt und passgenau eingebaut worden. Sie seien es wert, trotz der bevorstehenden Sanierung erhalten zu bleiben, sagte am Donnerstag der Finanzdezernent, Bürgermeister Günter Beck (Die Grünen), bei einem Rundgang durch den bereits ziemlich leergeräumten Großen Saal, in dem über fünf Jahrzehnte hinweg immer was los war. Denn dort sind Fastnachtssitzungen und Maskenbälle, Messen und Kongresse sowie gelegentlich auch die ganz große Fernsehunterhaltung wie „Wetten, dass ..?“ und „Musik ist Trumpf“ über die Bühne gegangen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Dass die zu Zeiten des wohl noch immer bekanntesten Mainzer Oberbürgermeisters Jockel Fuchs (SPD) für damals 27 Millionen Mark vom Mainzer Architekten Heinz Laubach verwirklichte Halle ertüchtigt werden muss, zeigt sich auch von außen betrachtet. Die goldfarbenen Kacheln an den Stirnseiten des fast ein bisschen abgehoben wirkenden Faltdaches fallen nach und nach herab und müssen dringend neu befestigt werden, damit die Rheingoldhalle weiterhin glänzen kann.

          Unter Zeitdruck

          Weil der erst im Jahr 2007 für etwa 14 Millionen Euro hinzugekommene Anbau namens Gutenbergsaal trotz der Arbeiten im restlichen Gebäude durchgängig genutzt werden soll, gilt es bei dem in zwei Abschnitte unterteilten Sanierungsvorhaben behutsam vorzugehen. Vorsorglich sind bereits gedämmte Trennwände zwischen beiden Trakten eingezogen und die Verbindung zum benachbarten Hilton Hotel gekappt worden. Gleichwohl steht man bei dem ganzen Projekt, für das laut Beck jetzt erste Ausschreibungen erfolgten, unter einem enormen Zeitdruck. Denn für den unbestuhlt gut 3000 Gäste fassenden Saal liegen schon wieder erste Buchungen für November des nächsten Jahres vor. Bis dahin sollen rund 17 Millionen Euro verbaut sein: Unter anderem muss die gesamte Haustechnik – dazu gehören die Licht- und Ton-, Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäranlagen – ausgetauscht werden.

          Schöne Aussicht: Vor die Glasfront soll bis nächsten Herbst ein Balkon gesetzt werden.

          Die eher in ein Theater passende Bühne bleibe zwar erhalten, erläuterte Projektleiter Frank Intra von der Mainzer Aufbaugesellschaft mbH. Sie werde künftig aber deutlich niedriger sein, damit man auf den vorderen Plätzen besser sehen könne, was darauf gerade passiere. Aus Gründen des Brandschutzes müssen zum Rhein hin zudem drei neue Fluchttreppen geschaffen werden. Wodurch die unmittelbar am Fluss gelegene Halle sozusagen nebenbei fast über die gesamte Länge hinweg einen zusätzlichen und rund sechs Meter breiten Balkon erhält, der zum Beispiel für Feuerwerksbeobachtungen gut geeignet sein dürfte. Allerdings müssen dafür jedoch drei Platanen gefällt werden, was bereits zu den in Mainz üblichen Protesten geführt hat.

          Investition soll sich auszahlen

          In einem zweiten Bauabschnitt, für den noch einmal knapp zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen, soll vom nächsten Jahr an auch das Erdgeschoss an der Promenade hergerichtet werden: also die drei nach den Partnerstädten Dijon, Watford und Zagreb benannten Säle sowie jene neu hinzukommenden Räume, die früher zur Spielbank gehörten. Sie sollen nach dem Umbau beispielsweise bei Tagungen als „Breakout Rooms“ für Kleingruppenarbeit und Seminare zur Verfügung gestellt werden können. Was als deutliche Aufwertung des von der Mainz plus Citymarketing Gesellschaft verwalteten Tagungszentrums gesehen wird.

          Bei alledem handelt es sich laut Beck um eine Investition, die sich für die Kommune, für Hoteliers und Gaststättenbetreiber, den Einzelhandel und die Taxifahrer auszahlen werde. Auch wenn die für das Tourismus- und Kongressgeschäft zuständige stadtnahe Marketinggesellschaft mit ihren vielfältigen Aktivitäten selbst ein Defizit von zuletzt jährlich rund 2,2 Millionen Euro erwirtschaftet habe. Und nach der ein Jahr dauernden Renovierung, die für mehr Platz und bessere Vermarktungschancen sorgen soll, eine höhere Pacht für die Rheingoldhalle überweisen müsse: nämlich in Zukunft 500.000 Euro per annum.

          Glanz, aber keine Gemütlichkeit

          Für die erste Bauphase gab es am Donnerstag immerhin einen Zuwendungsbescheid des Landes Rheinland-Pfalz in Höhe von fast 4,7 Millionen Euro. Das Geld stammt vor allem aus einem vom Bund aufgelegten Konjunkturprogramm. Den Löwenanteil von 7,8 Millionen Euro steuert jedoch die Kommune bei, die dafür auf einen speziellen Fördertopf für die Landeshauptstadt zugreifen kann. Mit rund vier Millionen Euro beteiligt sich zudem die Rheingoldhallen GmbH, die sich ihren Anteil später dann über die höhere Pacht zurückholen will. Letztlich sei es wichtig für die Stadtgesellschaft, attraktive Begegnungsorte zu haben – ob für Ausstellungen und Abibälle, Fastnachtssitzungen oder Festakte.

          Den in Mainz nur einmal zu vergebenden Titel der „Gut Stubb“ hat sich die 1968 anstelle der alten Stadthalle am Flussufer eröffnete Rheingoldhalle allerdings nie so richtig verdient. Denn bei allem Glanz fehlte es dem Großen Kongresssaal schon immer an jener Gemütlichkeit, die das nahe gelegene und demnächst ebenfalls zu sanierende Kurfürstliche Schloss bietet. Und das genau deshalb seit vielen Jahren unumstritten der Austragungsort für die bundesweit ausgestrahlte Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ ist.

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