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Rheingau : Zu viel Stickstoff unterm Rebstock

  • -Aktualisiert am

Weniger ist manchmal mehr: Einige Weinbergsböden im Rheingau enthalten zu viel Stickstoff. Bild: Sick, Cornelia

Viel hilft nicht immer viel - und das gilt vor allem bei der Düngung von Weinbergen. Eine Analyse der Böden im Rheingau macht dem Regierungspräsidium Sorgen.

          Viel hilft nicht immer viel, und bei der Düngung von Weinbergen ist die Konsequenz des übermäßigen Stickstoffeinsatzes eine Gefährdung des Grundwassers. Das Regierungspräsidium in Darmstadt und die Forschungsanstalt Geisenheim haben deshalb ein Beratungsprojekt zum Grundwasserschutz initiiert, dessen erste Resultate kürzlich erörtert wurden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Nach Angaben des Regierungspräsidiums haben die bisherigen Messungen ergeben, dass der Stickstoffgehalt im Boden der Weinberge „im Großen und Ganzen in Ordnung ist“. Die Behörde geht davon aus, dass im Herbst - also nach der Vegetationsperiode, während der die Pflanze Nährstoffe aus dem Boden aufnimmt - pro Hektar noch maximal 50 Kilogramm mineralisierter Stickstoff im Weinbergsboden enthalten sein soll. Im Durchschnitt seien es im Rheingau etwa 25 bis 35 Kilogramm gewesen. Das liege deutlich unter der avisierten Obergrenze.

          Beunruhigende Ausreißer

          Sorgen bereiten der Behörde allerdings einige gravierende Ausreißer. Von 87 Bodenproben enthielten zwölf deutlich mehr als 50 Kilogramm je Hektar, und in Einzelfällen wurden sogar mehr als 100 Kilogramm je Hektar gemessen. „Dies ist definitiv zu hoch“, sagt Thomas Ziegelmayer, der Leiter des Dezernats Grundwasser und Bodenschutz im Regierungspräsidium. In diesen Fällen müssten die Berater der Forschungsanstalt die Ursachen erforschen und die Winzer, die jene Flächen bewirtschafteten, besser informieren und intensiver beraten. Ein erhöhter Stickstoffgehalt im Oberboden führe über kurz oder lang zu erhöhtem Stickstoffgehalt im Grundwasser. Konsequenzen habe auch die Erosion der Weinbergsböden, weil das Regenwasser den Oberboden in Bäche und Flüsse spüle. Dies müsse durch eine Begrünung der Weinbergszeilen verhindert werden.

          Das Projekt zum Gewässerschutz war im Sommer 2011 begonnen worden, weil der Rheingau auf der Gewässergütekarte des Landes ein roter Fleck ist. Das ist ein Ergebnis der Monokultur Weinbau, denn die tief wurzelnden Rebstöcke müssen ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, um eine zufriedenstellende Ernte zu garantieren. Das hat über die vergangenen Jahrzehnte zu einem Nährstoffspeicher im Volumen von 5000 bis 7000 Kilogramm je Hektar Rebfläche geführt. Je nach Boden und Niederschlagsmenge wird das Nitrat ausgewaschen und lässt sich im Grundwasser nachweisen. Damit haben vor allem die Rheingauer Wasserwerke ihre Schwierigkeiten.

          Beratungsangebot soll Winzer unterstützen

          Wegen des großen Nährstoffvorrats im Boden wird es noch Jahre oder Jahrzehnte dauern, um die Grundwasserbelastung spürbar zu senken. Abhilfe soll eine Vereinbarung mit den beiden hessischen Weinbauverbänden bringen, die nach Darstellung des Regierungspräsidiums deutschlandweit ohne Beispiel ist. Die Rheingauer und Bergsträßer Winzer erhalten ein umfassendes und unentgeltliches Beratungsangebot, um den Stickstoffeintrag ins Grundwasser zu minimieren. Das Land hat zwei Beraterstellen im vergangenen Jahr mit rund 200000 Euro gefördert. Sie sollen dazu beitragen, den Stickstoffeintrag zu verringern und die Winzer für einen sparsameren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu sensibilisieren. Die aktuellen Messwerte zeigen aber, dass die Beratung zumindest einzelne Winzer noch nicht erreicht hat. Zumindest in diesem Jahr ist die weitere Finanzierung der Beratung gesichert.

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