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Steigendes Kaufinteresse : Der Run auf die Weinberge

  • -Aktualisiert am

Begehrt: Weinberge im Rheingau, hier am Fuß von Schloss Johannisberg. Bild: Frank Röth

Es ist erst wenige Jahre her, dass die Stadt Oestrich-Winkel im Rheingau unbeliebte Rebflächen aufforsten wollte. Heute sind die Areale so begehrt, dass Winzer oft nicht mehr konkurrieren können.

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          Nicht nur Winzer haben eigene Weinberge, sondern auch die Rheingauer Kommunen. Oestrich-Winkel ist mit rund 1100 Hektar Rebfläche Hessens Weinbaugemeinde Nummer eins. Dass die Stadt selbst etliche Weinbergflächen besitzt, ist unter anderem eine Folge der Gebietsreform, mehrerer Flurbereinigungsverfahren und der Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe in den zurückliegenden Jahrzehnten. Von einem drastischen Wandel der Wertschätzung dieser Flächen binnen weniger Jahre berichtet jetzt Bürgermeister Michael Heil.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Seinem Vorgänger Paul Weimann (beide CDU) machte der kommunale Weinbergbesitz noch wenig Freude. Die Stadt besaß damals nicht weniger als 109 Hektar der Rebflächen, was genug gewesen wäre, um hinter den Staatsweingütern das zweitgrößte Rheingauer Weingut zu gründen. Doch auf mehr als der Hälfte dieser stark zersplitterten und zerstreut liegenden Parzellen machten sich damals schon Büsche und Hecken breit. Es fanden sich immer weniger Winzer, die bereit waren, diese Flächen von der Stadt zu pachten, zu pflegen und zu bewirtschaften. Mancher Winzer wollte sogar die von der Kommune gepachteten Flächen vorzeitig wieder zurückgeben.

          Frankfurter Unternehmer interessiert

          Die Stadt hingegen scheute den hohen Pflegeaufwand. Vor allem an der Grenze zum Wald wurde mancher Weinberg deshalb zur Pferdekoppel. Als letzter Ausweg diskutierte man sogar die Aufforstung und damit die Umwandlung von Rebflächen in Wald. Dazu aber kam es dann doch nicht.

          „Die Lage hat sich völlig gedreht“, sagt Heil. In Zeiten des Klimawandels seien selbst die früher ungeliebten Flächen am Waldrand plötzlich sehr gefragt. Weimanns Nachfolger hat daher ganz andere Sorgen. Derzeit verfügt die Stadt noch über 357 parzellierte Weinberge mit einer Größe von insgesamt knapp 60 Hektar, die von 26 verschiedenen Pächtern bewirtschaftet werden. Brachflächen gibt es keine mehr. Stattdessen treffen im Rathaus immer häufiger Anfragen nach dem Verkauf von städtischen Weinbergarealen ein, obwohl sie meist langjährig verpachtet sind. Heil berichtet von Kaufwünschen Frankfurter Unternehmer ebenso wie von interessierten Winzern aus Rheinhessen.

          Generell stellt sich die Stadt nicht gegen den Verkauf einiger Flächen, auch wenn Heil keineswegs die städtischen Liegenschaften allesamt versilbern will. Der Bürgermeister aber sieht sich gefordert, die jetzigen Pächter zu schützen. Wenn ein neuer Eigentümer nach Ablauf den Pachtvertrag nicht verlängere, könne dies die Existenz der Pachtwinzer bedrohen, fürchtet Heil. Es gebe einige Winzer, die auf bis zu 50 Prozent gepachteter Anbauflächen ihre Existenz aufgebaut hätten.

          Winzer im Hintertreffen

          Heil hat den Magistrat mit dem Thema befasst und Rückendeckung für das weitere Vorgehen bekommen. Nach Auffassung des Bürgermeisters sollen jene Flächen, von denen sich die Stadt trennen würde, zunächst den bisherigen Pächtern angeboten werden. Anschließend kämen andere örtliche und danach weitere Rheingauer Winzer für den Erwerb in Frage, ehe Auswärtige zum Zuge kommen sollten.

          Ob sich ein solches Modell, das sich an der Vergabepolitik für kommunale Baugrundstücke orientiert, auch rechtlich durchsetzen lässt, will Heil prüfen. Sollte sich hingegen erweisen, dass die Kommune jeweils zum Höchstgebot städtischen Grund veräußern muss, hätten die gegenwärtigen Pächter wohl kaum Chancen auf den Zuschlag. Laut Heil gibt es beispielsweise vermögende Frankfurter, die derart hohe Preise für Teile von Weinbergen böten, dass die Winzer kaum mithalten könnten. Zwar kämen in der Regel für den Erwerb landwirtschaftlicher Gebiete keine Privatleute in Betracht, doch wenn sie zuvor formal ein Weingut gründeten, könne ihnen der Erwerb nicht versagt werden. Dem will die Stadt möglichst einen Riegel vorschieben.

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