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Rheingau-Taunus-Kreis : Zehn Euro je Asylbewerber und Tag

  • -Aktualisiert am

Von hier in die Landkreise: Von der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen aus werden die Flüchtlinge auf das Land Hessen verteilt. Bild: dpa

Der Rheingau-Taunus-Kreis entwirft mit den Kommunen eine Vereinbarung zur Unterbringung von Flüchtlingen. Nicht ohne Reibereien. Indes leisten engagierte Bürger bereits viel für die Flüchtlinge.

          Wie andere Kommunen im Rheingau-Taunus-Kreis bereitet sich Eltville gegenwärtig auf die Aufnahme von Flüchtlingen vor. Bis zum Jahresende sollen Eltville vom Kreis 80 Personen zugewiesen werden. Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) spricht von einer logistischen, finanziellen und sozialen Herausforderung für die größte Stadt im Rheingau. Immerhin hat die Kommune zwei Immobilien gefunden, um zumindest in diesem Jahr die Aufnahme bewältigen zu können. Die Stadt hat dazu das ehemalige Eichberg-Klinikgebäude auf dem Areal des Wacholderhofs und den ehemaligen Gasthof „Vater Rhein“ im Stadtteil Erbach gemietet.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Sie hat für diese beiden Gebäude auch schon einen Hausmeisterservice organisiert und kümmert sich aktuell um die angemessene Ausstattung mit Betten, Kühlschränken und Sanitäreinrichtungen. Kunkel lobt den inzwischen gegründeten kommunalen Arbeitskreis und das Engagement des Eltviller Tisches, des Arbeiter-Samariter-Bundes, der Malteser, des Roten Kreuzes, der Caritas sowie zahlreicher ehrenamtlich engagierter Bürger. Auch mit den Kirchen sei die Stadt im Gespräch. Noch sucht die Stadt Dolmetscher, die den Flüchtlingen helfen, sich im Rheingau zurechtzufinden.

          Große Spendenbereitschaft

          Nach Angaben der Stadt stellt der Rheingau-Taunus-Kreis drei Sozialarbeiter, die einmal wöchentlich in Eltville präsent sein werden. Der Fachdienst des Kreises übernimmt die Auszahlungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und die Bearbeitung der ausländerrechtlichen Vorgänge. Dazu gehörten auch die Anträge auf Aufenthalt, die Ausgabe von Krankenbehandlungsscheinen sowie die Anmeldung der Kinder in Schulen und Kindergärten. Eltville erwartet nach Hinweisen aus dem Regierungspräsidium vorrangig Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien, Afghanistan, Somalia, den Kosovo, Serbien, Somalia, Pakistan und Albanien. Aber erst wenige Tage vor der Zuweisung aus der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen erfährt die Stadt Nationalität, Name, Alter und Geschlecht.

          Die Nachbargemeinde Kiedrich rechnet mit der baldigen Zuweisung von 20 Flüchtlingen und hat als Unterkunft die „Alte Schule“ gewählt. Bürgermeister Winfried Steinmacher (SPD) bittet die Bürger um Spenden für den täglichen Bedarf dieser Menschen wie Bettwäsche, Geschirr, Besteck, Gardinen und Waschkörbe. Für Kleider sorge der Landkreis. Die Spendenbereitschaft scheint groß. Der Caritasladen in Bad Schwalbach ist nach eigenen Angaben von einer Welle der Spenden- und Hilfsbereitschaft überrollt worden, so dass die Lager übervoll sind und keine Kleidung mehr angenommen wird. Willkommen sind weiterhin Geld und Windeln.

          Kommunen sollen Wohnraum stellen

          Die evangelische Kirche hatte kürzlich die Synode des Dekanats Idstein in Aarbergen-Panrod ganz dem Thema Flüchtlingsarbeit gewidmet und sich dem Wunsch von Niedernhausen, Aarbergen und Hünstetten nach Unterstützung gestellt. Nach Angaben von Dekan Oliver Albrecht stellt die Kirche in Waldems-Esch das frisch renovierte Pfarrhaus als Wohnraum zur Verfügung und organisiert Sprachunterricht als „wesentlichen Beitrag zum Verstehen“. Auch das Kirchenparlament im Dekanat Bad Schwalbach beschäftigte sich mit den Flüchtlingen. Nach Angaben von Pfarrer Matthias Kraft engagieren sich viele Ehrenamtliche und organisieren Sprachkurse und gemeinsame Feste. Viele Flüchtlinge seien traumatisiert und benötigten Seelsorge.

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