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Rheingau Literatur Festival : Wo im Wein ganz besonders viel Wahrheit liegt

  • -Aktualisiert am

Fenster auf, Literatur herein: Heiner Boehncke, Künstlerischer Leiter des Festivals, in Oestrich-Winkel Bild: Michael Kretzer

Es wird getrunken und gelesen: Das Rheingau Literatur Festival findet im September zum 25. Mal statt. Und Ingo Schulze erhält den diesjährigen Festivalpreis. Sowie 111 Flaschen Wein.

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          „Anderthalb Gläser Wein sind drin“, sagt Heiner Boehncke. Ein Durchschnittswert. So viele Gläser Wein nehmen die Besucher des Rheingau Literatur Festivals seiner Erfahrung nach bei Lesungen zu sich. Zum 25. Mal findet das Festival in diesem Jahr statt, vom 14. bis zum 24. September sind zahlreiche Autoren in den Weingütern des Rheingaus zu Gast, gelesen wird an Orten wie Schloss Johannisberg, der Geisenheimer Sektkellerei Bardong und dem Weingut Baron Knyphausen: „Näher am Wein kann man nicht dran sein. Und an der Literatur auch nicht.“

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Begonnen hat das kleine Geschwisterkind des ein paar Jahre älteren Rheingau Musik Festivals, das in diesem Jahr schon zum 30. Mal stattfindet, im Herbst 1993. Von Anfang an schwebte Michael Herrmann, dem Intendanten des Musikfestivals, ein Lesefest vor, das Wein und Literatur miteinander verbindet. Wie beim Musikfestival gab es einige Anlaufschwierigkeiten, aber schon 1994 wurde zum ersten Mal der mit einem Preisgeld von 11 111 Euro dotierte Rheingau-Literaturpreis vergeben, den es bis heute gibt und den die Jury am Donnerstag Ingo Schulze zuerkannt hat. Er erhält die Auszeichnung für seinen Roman „Peter Holtz – Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“, der Anfang September bei S. Fischer in Frankfurt erscheint.

          Longseller und neues im Gepäck

          Die 111 Flaschen Wein aus dem Rheingau, die mit dem Preis ebenfalls verbunden sind, erhält der 1962 in Dresden geborene Schriftsteller am 24. September, wenn ihm die Auszeichnung von 11 Uhr an auf Burg Schwarzenstein in Geisenheim-Johannisberg überreicht wird. Vielleicht wird Schulze ja so kreativ wie Saša Stanišić im vergangenen Jahr. Der hat in der Nacht vor seinem Auftritt noch rasch den Text umgeschrieben, den er vortragen wollte, und Herrmann und Boehncke darin auftauchen lassen.

          Der Literaturwissenschaftler, der lange als Redakteur für den Hessischen Rundfunk gearbeitet und an der Frankfurter Goethe-Universität gelehrt hat, ist seit 2004 Künstlerischer Leiter des Festes. In diesem Jahr freut er sich besonders auf die Lesung von Sten Nadolny. Der vor knapp zwei Wochen 75 Jahre alt gewordene Autor der „Entdeckung der Langsamkeit“ hat nicht nur einen Bestseller geschrieben, der bis heute ein Longseller geblieben ist, sondern bringt auch ein neues Buch mit: „Das ist ein so feiner, umgänglicher Mensch mit einem frischen Roman – besser geht’s gar nicht.“ Am 15. September von 20 Uhr an stellt Nadolny „Das Glück des Zauberers“ auf Schloss Johannisberg vor.

          Planung von Anfang des Jahres an

          Zur Vierteljahrhundertfeier des Festivals kommen neben Nadolny auf Wunsch Herrmanns aber auch drei weitere Träger des Rheingau-Literaturpreises mit neuen Titeln zurück an den Ort ihrer Auszeichnung. Peter Stamm eröffnet das Festival am 14. September von 20 Uhr an auf Burg Schwarzenstein mit seinem neuen Roman „Weit über das Land“, Christoph Peters präsentiert seinen Erzählungsband „Selfie mit Sheikh“ am 21. September von 20 Uhr an auf dem Knyphausenschen Gut in Eltville-Erbach. Und Thomas Lehr liest am 22. September von 20 Uhr an in der Sektkellerei Bardong aus seinem Roman „Schlafende Sonne“.

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