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Kulturlandschaft Rheingau : Denkmalschützer gegen Windräder

Drehmoment: Denkmalschützer warnen vor „rotierenden Anlagen“ im Rheintal und auf den Taunushängen. Bild: dpa

Das Landesamt für Denkmalschutz hält die Vorrangflächen auf dem Taunuskamm für nicht genehmigungsfähig. Belastend und grob unangemessen sei dort ein Bau. Die öffentliche Debatte schlägt inzwischen hohe Wellen.

          Das Landesamt für Denkmalschutz betrachtet die im Entwurf des Teilregionalplans Energie vorgesehene Nutzung der Windkraft als belastenden und grob unangemessenen Eingriff in die intakte Kulturlandschaft des Rheingaus. „Die genannten Vorrangflächen sind aus denkmalschutzrechtlicher Sicht daher nicht genehmigungsfähig“, heißt es in einer Stellungnahme, die dieser Zeitung vorliegt.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Die Windräder würden aufgrund ihrer Höhenlage das gesamte Rheintal von Wiesbaden bis Rüdesheim beherrschen, kritisieren die Denkmalschützer. Sie warnen vor einer optischen Massierung von rotierenden Anlagen, die miteinander verschnitten und hintereinander wahrnehmbar wären. „Beim Durchwandern des Rheingaus würden sie ein absolut landschaftsüberprägendes und damit zerstörendes Element darstellen und die Erlebbarkeit der intakten historischen Kulturlandschaft unmöglich machen“. Die zahlreichen abendlichen Veranstaltungen würden durch die „blinkende Beleuchtung“ der Windräder grob verunstaltet.

          Kaiser-Wilhelm-Turm beeinträchtigt

          Die Denkmalschutzbehörde des Landes weist darauf hin, dass die Bundesrepublik Deutschland sich vertraglich zum Schutz der Weltkulturerbestätten verpflichtet habe. Dies gelte selbstverständlich auch für das Obere Mittelrheintal von Bingen bis Koblenz. Für die Unesco hätten die visuelle Integrität der Stätten, deren intakte Wahrnehmung sowie deren dominierende Fernwirkung höchsten Vorrang.

          Die Stellungnahme setzt sich dezidiert mit den einzelnen für Windräder vorgesehen Flächen im Rheingau-Taunus-Kreis und in Wiesbaden auseinander. Das von der Landeshauptstadt für die Errichtung von bis zu zehn Windrädern ins Auge gefasste Vorranggebiet auf der Hohen Wurzel wird als ein seit mehr als hundert Jahren beliebtes Ausflugsziel charakterisiert. Windräder würden aus der Sicht der Denkmalschützer den Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Schläferskopf als architektonische Landmarke negieren. Außerdem wären durch sie auch das Jagdschloss Fasanerie und das Schützenhaus beeinträchtigt. Vor diesem Hintergrund seien die Anlagen an dieser Stelle „aus denkmalfachlicher Sicht nicht hinnehmbar“.

          Umfrage unter Wiesbadenern zu den Plänen

          Der Wiesbadener Umweltdezernent, Bürgermeister Arno Goßmann (SPD), kannte die Stellungnahme nach seinen Worten noch nicht. Wie berichtet, will der kommunale Energieversorger Eswe das Vorranggebiet auf der Hohen Wurzel erweitert wissen, um dort bis zu zehn Windräder installieren zu können. Der Magistrat hat sich diesen Wunsch in einer Beschlussvorlage für die Stadtverordneten zu eigen gemacht.

          Im Plenum soll am 22. Mai abgestimmt werden. Die Denkmalschützer der Kommune hatten sich ablehnend geäußert. Ihre kritische Haltung ist in der Beschlussvorlage aber nur in abgeschwächter Form enthalten. „Die Untere Naturschutzbehörde ist der Magistrat“, sagte Goßmann. Die Stadt gebe jetzt ihre Stellungnahme ab. „Dann liegt der Ball im Spielfeld des Landes.“

          Allerdings schlägt die öffentliche Debatte in Wiesbaden inzwischen hohe Wellen. Zwar haben CDU, SPD und Grüne sich prinzipiell für die Nutzung der Windenergie ausgesprochen. Aber in der Union regt sich Widerstand. So erinnert der einflussreiche Stadtverband Nordost daran, dass die Stadtverordneten beschlossen hätten, vor einer Entscheidung eine repräsentative Umfrage unter den Wiesbadenern in Auftrag zu geben. Damit sei er einverstanden, sagte Goßmann. Aber erst einmal müsse geklärt werden, wer die Kosten übernehme. Außerdem bleibe abzuwarten, ob das Regierungspräsidium die beantragte Ausweitung des Vorranggebietes überhaupt zulasse. Im Übrigen wartet die Stadt noch immer auf ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten zu der Frage, inwieweit das Aufstellen von Windrädern auf der Hohen Wurzel sich mit der Bewerbung Wiesbadens als Welterbestätte verträgt.

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