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Lizenzentzug : Endzeitstimmung bei den Lions

Ungenutzt: Gibt es für die Frankfurt Lions noch eine Chance? Bild: Michael Kretzer

Nach dem Lizenzentzug macht sich Resignation breit: „Die Wirtschaft in Frankfurt hat null Interesse am Eishockey.“ Der Gang vor das Schiedsgericht ist die letzte Chance.

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          Es ist an der Zeit, sich an dieses unvorstellbare Bild zu gewöhnen: Es ist September, überall in Deutschland beginnt die Eiszeit, doch die Eissporthalle am Ratsweg bleibt geschlossen, und draußen hängt ein Schild: Wir sind dann mal weg!

          Nein, noch ist es nicht so weit. Noch haben die Frankfurt Lions die winzige Hoffnung, auch in der kommenden Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mitspielen zu dürfen. Doch nach dem Lizenzentzug, der den Löwen von der DEL am Mittwochabend per Fax mitgeteilt wurde, herrscht schon jetzt so etwas wie Endzeitstimmung. Die Geschäftsstelle in der Mainzer Landstraße ist geschlossen, die Mitarbeiter wurden in den Urlaub geschickt. Wird ihnen, den Spielern, dem Trainer und dem Manager bald gekündigt? An diesem Wochenende wollen Lions-Chef Siggi Schneider und seine Mitstreiter entscheiden, ob sie weiter kämpfen werden. Am Montag wollen sie bekannt geben, ob sie den Gang vor das Schiedsgericht der DEL antreten werden, um sich die Lizenz über diesen Umweg doch noch zu erstreiten. Es wäre die letzte Chance, den professionellen Eishockeysport in Frankfurt am Leben zu erhalten.

          Keine Lust mehr, privates Vermögen einzusetzen

          Die DEL selbst wollte sich am Donnerstag nicht äußern. Das wird an diesem Freitag geschehen, wenn die Liga offiziell mitteilt, wer eine Lizenz erhält und wer nicht. Die Wirtschaftsprüfer der DEL hatten bei den Frankfurtern eine Finanzierungslücke in Höhe von 600.000 Euro festgestellt. Es soll sich um Altlasten handeln. „Die DEL hat natürlich Angst, dass eine Firma, die auf wackligen Beinen steht, die Saison beginnt. Und alle aus der Liga stellen sich darauf ein, dass dieser Klub auch die ganze Saison zur Verfügung steht – und dann mittendrin nicht mehr weiter existieren kann“, sagte Fabio Algari, der vorläufige Insolvenzverwalter der Lions. Diese Gefahr aber bestünde nicht. „Wenn der Haushaltsplan für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs steht, sollte es auf Altlasten für die Beurteilung der Vergabe einer Lizenz nicht ankommen“, fügte Algari hinzu, der von einer „unterschiedlichen Sichtweise“ spricht. „Wir sind davon ausgegangen, dass wir alles richtig eingereicht haben“, sagt auch Schneider. Deswegen prüft der Klub derzeit, ob er das Schiedsgericht anrufen wird. Frankfurts Sportdezernent Markus Frank (CDU) machte den Löwen Mut: „Ich empfehle ihnen den Gang vor das Schiedsgericht. Der Kampf der Lions ist beeindruckend. Ihnen ist es gelungen, den Fehlbetrag von 3,4 Millionen auf 600.000 Euro zu senken. Sie haben ordentlich was bewegt.“

          Siggi Schneider und seine Kompagnons sind es allerdings leid, weiter privates Vermögen in den Klub zu pumpen, um ihn von Altlasten zu befreien und fit für die Zukunft machen zu können. Zuletzt hatten sie noch eine Bürgschaft in Höhe von 1,8 Millionen Euro übernommen. „Wir haben nun wirklich mehr als genug bezahlt. Wir haben mehr als sauber gearbeitet, wir haben alles probiert. Jeder Tag war für uns ein 16-, 18-Stunden-Tag“, sagt Schneider, der nun „dermaßen enttäuscht ist, dass bei all unserem Arbeitsaufwand draußen keine Resonanz zu spüren ist“. Der Unternehmer, der die Lions im Dezember 2008 übernommen hatte, hat mittlerweile den Eindruck, dass in Frankfurt offenbar kein Interesse mehr am Eishockey besteht. Damit meint er nicht die Stadt, die den Lions nach zähen Verhandlungen in den vergangenen Wochen ein Stückchen entgegengekommen war. Aber die Suche nach Sponsoren, die bereit wären, in einer Größenordnung um 100 000 Euro einzusteigen, verlief erfolglos. Ein großer Fisch – und die Lions brauchen große Fische – war nicht an der Angel. Und er ist auch nicht in Sicht. Für Schneider ist dies ein untrügerisches Zeichen, ein geradezu alarmierendes Signal: „Die komplette Wirtschaft in Frankfurt hat null Komma null Interesse am Eishockey.“ Da klingt es beinahe schon resignierend, wenn Schneider jetzt feststellt: „Wenn sich nicht noch Menschen finden, die ähnlich denken wie wir, dann wird es diese Sportart nicht mehr geben. Die einzigen, die hier inhaltlich geholfen haben, waren unsere Fans. Sie haben über 1000 Dauerkarten geordert.“ Verstehen kann er das offenkundige Desinteresse nicht. Denn: „Eishockey hat hier doch Kultstatus.“

          Ein Umbau der Eissporthalle ist dringend nötig, aber er ist nicht in Sicht

          Und wie geht es nun weiter? „Der Klub ist noch nicht tot“, sagte Schneider am Donnerstag: „Vielleicht denkt der eine oder andere ja noch einmal nach.“ Sprich: Vielleicht finden sich doch noch Sponsoren. Helfen würde dies den Löwen in ihrer aktuellen Notlage freilich nicht. Die Lizenz würden sie nur im Falle eines für sie positiven Urteils des Schiedsgerichts erhalten; die Entscheidung der DEL steht fest; es gibt keine Fristen mehr, die verlängert werden könnten. Doch was wäre eine Rettung in der allerletzten Sekunde überhaupt wert? Weshalb sollten sich in Zukunft spendable Gönner aus der Kategorie „großer Fisch“ finden lassen, wenn sie doch schon in der Vergangenheit nicht aufzutreiben waren? Das sind Fragen, die sich Siggi Schneider seit Monaten stellt. Zudem bleibt eines der größten, ungelösten Probleme der Löwen das veraltete Gebäude, in dem sie Eishockey spielen müssen.

          Ein Umbau der Eissporthalle ist dringend nötig, aber er ist nicht in Sicht. „Keine neue Halle, keine neue Sponsoren! Keine neuen Sponsoren, keine neue Halle!“ sagt Schneider: „In diesem Teufelskreis befinden wir uns heute.“ Das klingt nicht gut. Es spricht nicht viel dafür, dass der Klub diesen Teufelskreis verlassen kann.

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