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Insolvenz : Den Frankfurt Lions fehlen zwei Millionen Euro

Wann wird wieder gejubelt bei den Frankfurt Lions? Bild: DPA

Die Frankfurt Lions haben am Freitag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Frankfurt gestellt. Die Stadt sagt, sie habe keine Millionen herumliegen.

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          Die Frankfurt Lions haben am Freitag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Frankfurt gestellt. „Dieser Schritt war erforderlich, da sich die aktuelle finanzielle Lage nicht zum Positiven entwickelt hat“, sagte der Mehrheitseigner des Eishockey-Proficlubs, Siggi Schneider. Den Löwen, die seit 16 Jahren ohne Unterbrechung in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) spielen und 2004 Meister wurden, fehlen für die nächste Saison zwei Millionen Euro. „Die Suche nach neuen Sponsoren ist leider nicht so verlaufen, wie wir uns das gewünscht haben“, sagte Schneider. Er sprach von einem „letzten Aufbäumen“. Noch sei sein „Kampfgeist nicht erloschen, doch es ist mehr als traurig, dass unser Ersuchen um Hilfe bei vielen Menschen in dieser Stadt kein Gehör gefunden hat“. Als Insolvenzverwalter wurde der Frankfurter Rechtsanwalt Fabio Algari bestimmt.

          Schneider hatte mit zwei Freunden, deren Namen er in der Öffentlichkeit nicht preisgibt, im Dezember 2008 das Unternehmen SSD AG gegründet, das nach dem Tod von Alleingesellschafter Gerd Schröder die Lions übernahm. Insgesamt steckten die neuen Eigentümer laut Schneider aus ihrem Privatvermögen mehr als fünf Millionen Euro in den Verein. Zu weiteren Investitionen sind sie nun nicht mehr willens und nicht mehr in der Lage: „Bei aller Liebe, mehr können wir nicht machen“, so Schneider. Die Gespräche mit der Stadt und Sponsoren oder Investoren liefen zwar weiter, „es ist aber nicht so, dass wir unmittelbar vor einem Abschluss stehen.“ Gedanken, wie es mit dem Eishockey in Frankfurt weitergehen würde, sollten die Lions keine Lizenz für die nächste Saison in der DEL bekommen, machen sich die Verantwortlichen derzeit offiziell noch nicht. „Unsere Energie ist voll und ganz darauf ausgerichtet, doch noch eine Lösung zu finden, um Erstliga-Eishockey in Frankfurt weiter zu ermöglichen.“ Sie werden deshalb am Montag ihre Lizenzunterlagen einreichen. Erst wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wird, hätten sie keine Chance mehr, eine Spielgenehmigung zu bekommen. Spätestens am 14. Juni herrscht Klarheit.

          „Es ist unfassbar, in welchem Zustand diese Liga ist.“

          Der Frankfurter Dezernent für Wirtschaft und Sport, Markus Frank (CDU), sagte gestern, er bedauere die Entwicklung außerordentlich, habe aber ein „bisschen Hoffnung, dass die Angelegenheit noch gut ausgeht“. In den Verhandlungen sei ein „umfangreiches Paket geschnürt worden, das den Lions und dem neuen Management auf dem Weg der Konsolidierung in den nächsten beiden Jahren helfen sollte“. Die Stadt sei dem Klub bei einer möglichen Vermarktung des Namens der Eissporthalle am Ratsweg, der Höhe der Miete und der Stundung von alten Verpflichtungen entgegengekommen. „Wir haben aufgezeigt, wie man gemeinsam zusätzliche Einnahmen gewinnen und Kosten minimieren kann“, sagte Frank. Die Stadt habe allerdings „keine Millionen herumliegen“, um ein „Loch zu stopfen, das in den vergangenen Tagen plötzlich noch einmal größer wurde“. Nun sei vielmehr der Klub am Zug.

          Frank kritisierte die grundsätzliche Situation der an vielen Standorten defizitär arbeitenden DEL: „Es ist unfassbar, in welchem Zustand diese Liga ist.“ Neben den von der Zahlungsunfähigkeit bedrohten Kassel Huskies, die am Donnerstag von den DEL-Gesellschaftern ausgeschlossen worden waren und jetzt vor Gericht ums Überleben kämpfen, haben auch Aufsteiger EHC München, die Kölner Haie und die Krefeld Pinguine erhebliche finanzielle Nöte. Die Frankfurt Lions sind nach Ansicht vieler Beobachter nur ein weiteres Beispiel dafür, dass das deutsche Eishockey-System in der jetzigen Form kaum überlebensfähig ist.

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