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Frankfurter Löwen : Der Mann aus dem Märchenland

Seitenwechsler: Früher war Schwarzer Tribünengast, derzeit aber erlebt er das sportliche Abenteuer seines Lebens. Bild: Helmut Fricke

Gestern war Michael Schwarzer ein Fan und Hobbysportler, heute spielt er vor mehreren Tausend Menschen für die Frankfurter Löwen Eishockey – eine kaum glaubliche Geschichte.

          4 Min.

          Michael Schwarzer kommt gerade von der Arbeit. Er wird auf Anhieb erkannt. „Hi, Michi“, ruft ihm ein kleiner Junge zu, der in der Eissporthalle trainiert. Schwarzer hat auf einmal Fans. Früher war er selbst einer. Seit 1996, damals war er neun, besuchte er regelmäßig die Heimspiele der Frankfurt Lions in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Die sind seit Juli Geschichte. Insolvent! Die Lions lösten sich in Luft auf und zogen sich aus der DEL zurück. Nun hängt eine Gedenktafel in der Halle, die an eine längst vergangene Ära erinnern sollte. Doch die beachtet kaum noch jemand, weil der 10. Oktober 2010 der Tag der Wiedergeburt war. Seitdem wird in Frankfurt wieder Eishockey gespielt, wenn auch drei Ligen tiefer. Seitdem ist der 23 Jahre alte Michael Schwarzer ein Local Hero. Er ist Kapitän und erfolgreichster Torschütze der Löwen in der Regionalliga. Und er ist jener Spieler, der wie kaum ein anderer für den Neuanfang steht: Schwarzer erzielte am 10.10.10 gegen Iserlohn das erste Heimspieltor für die neuen Löwen. Vom unbeachteten Zuschauer zum umjubelten Hauptdarsteller vor bis zu 6700 Anhängern wie zuletzt beim Gewinn des so genannten „Hessen-Cups“ gegen die Kassel Huskies – das hätte Schwarzer nie und nimmer für möglich gehalten.

          Wie lebt es sich denn so als neuer Star des Frankfurter Eishockeys?

          Wir stehen zwar in einem gewissen Fokus, aber Stars sind wir nicht. Doch es ist ein schönes Gefühl, mal so im Rampenlicht zu stehen. Das pusht und motiviert einen, eine bessere Leistung zu bringen.

          Es muss doch furchtbar aufregend gewesen sein: Als Hobbyspieler zum ersten Mal aufs Eis gehen und 5200 verwöhnte Zuschauer, die Jahrzehnte lang Profi-Eishockey gewohnt waren, unterhalten zu müssen. Welche Gedanken gingen Ihnen damals durch den Kopf?

          Wir mussten ja ewig warten, weil immer mehr Leute kamen und das Spiel später begann. Als wir dann im Kabinengang standen, haben wir schon die Massen gesehen. Wir haben gar nicht glauben können, dass die Leute wegen uns gekommen sind.

          Und dann, in der vierten Minute, war es so weit: Sie erzielten das Premierentor. . .

          Ja, das war unglaublich, ein Traum. Ich habe die Scheibe aufs Tor zufliegen sehen. Und dann ging die auch noch rein! Das habe ich erst gar nicht geglaubt. Ich dachte mir: Das kann doch nicht wahr sein, was hier passiert. Nach dem Tor bin ich dann gegen die Bande gesprungen, weil das alles Emotion pur war.

          Wie ist das denn, wenn der eigene Vorname erst vom Stadionsprecher genannt wird und dann Tausende Ihren Nachnamen brüllen?

          Ich saß unten auf der Bank und konnte nicht glauben, dass so viele Leute meinen Namen rufen. Unbegreiflich.

          Michael Schwarzer ist Hobbysportler – wie alle seine Kollegen. Er arbeitet als Mechatroniker, wohnt nur 500 Meter von der Eissporthalle entfernt. Drei- bis viermal in der Woche bittet Coach Andrej Jaufmann, ein ehemaliger Profi, zum Training. Vor einem Jahr war das Stadion gähnend leer, wenn Schwarzer mit dem Team der Young Lions aufs Eis ging. Mal kamen 50, mal 60 oder 70 Zuschauer. Eishockey in Frankfurt – dafür standen Andere. Die Attraktion waren die Lions, eine abgezockte Profitruppe mit Spielern aus aller Herren Länder: Stars wie Pat Lebeau, Ian Gordon oder Jason Young führten ihre Kunststücke vor. Schwarzer schaute ihnen gerne zu, und er war natürlich auch 2004 dabei, als der Gewinn der deutschen Meisterschaft gefeiert wurde. Doch dann war plötzlich Schluss.

          Wie haben Sie den Untergang der Lions miterlebt?

          Mit weinendem und traurigem Auge – und mit ungewisser Zukunft. Wir wussten ja nicht, ob auch der Nachwuchs jetzt komplett kaputt geht.

          Standen Sie als kleiner Junge auf der Tribüne und haben sich gesagt: Da unten will ich auch mal stehen!

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