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Frankfurter Löwen : Der Mann aus dem Märchenland

Das ist für jeden, der in Frankfurt Eishockey spielt, ein kleiner Kindheitstraum, vor so vielen Leuten zu spielen oder Profi zu werden. Jetzt sind wir zwar keine Profis, aber wir spielen vor genauso vielen Leuten. Ich glaube, das ist alles, was man sich wünschen kann.

Hätten Sie geglaubt, vor einem so großen Publikum antreten zu dürfen?

Nein. Wir hatten damit gerechnet, dass zum ersten Spiel vielleicht 500 oder 800 Leute kommen, aber doch nicht mehr als 5000. Und wir hätten auch nie gedacht, dass dieser Hype anhält und von Spiel zu Spiel noch getoppt wird.

Erklären Sie den Unterschied zwischen einem Spiel vor 50, 60 Leuten und einem vor fast 7000 Zuschauern.

Damals kamen ja keine Fans. Das waren unsere Eltern, Freundinnen und Kumpels, die halt mal vorbei gekommen sind. Es war still in der Halle. Man konnte ganz normal auf dem Eis kommunizieren. Jetzt versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.

Macht es nicht nervös, auf einmal im Rampenlicht zu stehen?

Die ersten Male waren wir beim Warmmachen extrem nervös, bis in die Haarspitzen. Man wusste gar nicht, wie man mit dieser Situation umgehen soll. Man hatte in gewissen Phasen sogar ein bisschen Angst. Was passiert, wenn ich jetzt einen Fehlpass spiele? Was sagen die Leute, wenn ich an einem Gegentor Schuld bin? Aber irgendwann nutzt man das große Publikum als Motivation und sagt sich: Hier sind 7000 Leute, die wegen dir kommen, und dann musst du auch dein bestes Eishockey spielen.

Aber Frankfurt ist eine Eishockey-Stadt, in der über Jahre hinweg Profisport geboten wurde. Wie lange wird die Geduld der Fans reichen?

Dieses Jahr! Wir müssen ohne Umwege aufsteigen. In diesem Jahr ist es für die Fans noch eine neue Geschichte, ein neuer Event. Aber sie wollen irgendwann wieder hochklassiges Eishockey sehen.

Würden Sie sich denn ein Viertligaspiel anschauen?

Nur wenn ein Freund mitspielen würde. Sonst würde ich da eigentlich auch nicht hingehen.

Die Löwen sind auf dem Weg zurück ins Profigeschäft. Nicht in die DEL, aber die zweite Liga soll es schon sein, eines Tages. In der nächsten Saison wollen die Frankfurter in der Oberliga spielen. Ein Zuckerschlecken wird das nicht. Das Niveau ist wesentlich höher. Schon vor Wochen wurde die Mannschaft des Tabellenführers, die fast schon Meister ist und die Aufstiegsrunde sicher hat, verstärkt. Ein Trio mit Profi-Vergangenheit bildet nun den ersten Frankfurter Angriffsblock: Simon Barg, Jan-Jaap Natte und Maximilian Seyller. Was auch dazu führte, dass Michael Schwarzer weniger Tore schießt. Und es ist ein Vorgeschmack darauf, dass sich das Team stark verändern wird. Einige Spieler des verschworenen Haufens werden sich verabschieden müssen. Sie sind nicht gut genug für die Oberliga.

Wie vielen Spielern ist der Sprung zuzutrauen?

Ich hoffe, dass aus der aktuellen Mannschaft acht bis zehn Spieler übrig bleiben. Die sollten eine Chance bekommen. Ob sie die aus beruflichen Gründen dann wahrnehmen können, muss man sehen.

Sie sind reif für die Oberliga?

Das wissen nur der Trainer und die Manager. Aber ich vermute, es ist mein bestes Jahr, seitdem ich hier in Frankfurt spiele. Wir denken noch nicht an die Oberliga. Aber wenn wir es schaffen, und wenn ich Job und Eishockey vereinbaren kann, werde ich es auf jeden Fall versuchen.

Für viele, auch für Sie, dürfte der Tag kommen, an dem der schöne Traum endet. Denken Sie manchmal an die Zeit danach?

Wir sind uns alle bewusst, dass dieser Tag irgendwann kommt. Aber man denkt nicht an den Tag X. Wir genießen einfach, was hier momentan passiert. Die ganze Mannschaft hat von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß. Und auch in den Minuten oder Stunden nach dem Spiel. Jeder ist extrem stolz darauf, irgendwie ein Stück Geschichte mitschreiben zu können. Das ist das, was uns antreibt. Und die Leute sind ja offensichtlich begeistert von dem, was wir ihnen bieten.

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