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Frankfurt Lions : Männersachen

Arbeitswerkzeug: Bald wird wieder angerichtet in der Deutschen Eishockey Liga – die Lions würden gerne weiter mitspielen. Bild: Michael Kretzer

Die Frankfurt Lions sind zwar noch nicht gerettet, aber sie haben eine Perspektive. Drei Protagonisten spielen dabei die Hauptrollen.

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          Am Tag danach machte sich Zurückhaltung breit: Vorläufig wollen sich die Lions nicht mehr zu Fragen des Lizenzverfahrens und der Insolvenz äußern. Am Mittwoch, um kurz nach 22 Uhr, schickte der Frankfurter Klub aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) seine Budgetunterlagen für die kommende Saison an die Ligazentrale in Köln. „Aus unserer Sicht haben wir alle Bedingungen erfüllt“, verkündete Sprecher Matthias Scholze am Donnerstagnachmittag. Spätestens am Freitag, dem 2. Juli, werden die Löwen nun erfahren, ob ihr Konzept wirtschaftlich so tragfähig ist, dass es von der DEL akzeptiert und danach auch das Insolvenzverfahren eingestellt wird. An der Geschichte des komplizierten Rettungsversuchs haben drei Männer besonders mitgeschrieben.

          Markus Frank

          Selbst ist der Mann: Als es am Mittwochabend so aussah, dass die Lions bei der Abgabe der Lizenzunterlagen nicht weiterkommen würden, stieg Markus Frank ins Auto und fuhr direkt in die Höhle des Löwen – ins Hauptquartier der SSD AG am Opernplatz. Der Wirtschafts- und Sportdezernent der Stadt Frankfurt, von Haus aus ein bekennender Eishockey-Freund, wurde wegen seiner Verhandlungsführung bis zuletzt von den Lions eher als Gegenspieler denn als Weggefährte wahrgenommen. Doch sie irrten sich in dem zurückhaltend auftretenden CDU-Politiker, der erst seit einem Jahr im Amt ist und seitdem auch beim umstrittenen Stadionausbau des FSV keinen Konflikt scheute, der ihn im Zweifelsfall Sympathien beim Wahl- und Fanvolk kostet. Frank nahm sich bei seinem Besuch eine Stunde Zeit – weil er pünktlich zum Anpfiff des WM-Spiels Deutschland gegen Ghana Fußball schauen wollte. Doch die Zeit genügte, um noch einmal klar zu machen, dass die Stadt eben doch ein verlässlicher Partner ist und bleiben möchte. Er machte zwar deutlich, dass die Rechtsauffassung der Lions, dass ein Teil der Altschulden verjährt sei, falsch ist. Doch er kam nicht als Besserwisser, sondern untermauerte sein Angebot, auch künftig „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten. Was die anwesenden Siggi Schneider und die übrigen Mitgesellschafter überzeugte. Franks Plan, die Verbindlichkeiten in festen Tranchen bis 2020 zurückzuzahlen, die Halle zunächst bis 2012 zum Selbstkostenpreis zu überlassen und sofort gemeinsam die Suche nach einem Namenspartner für die Eissporthalle zu beginnen, hatte sie schon zuvor überzeugt – das Paket soll einen Wert von rund 800 000 Euro haben. Die Lions verpflichteten sich gegenüber Frank, ab sofort sein Büro im Römer in regelmäßigen Abständen über die Kassenlage zu informieren und die „kaufmännische Seite nachhaltig in Ordnung zu bringen“, wie er sagte. „Es freut mich, dass unsere Botschaft verstanden wurde und die Interessen der Stadt gewahrt wurden“, sagte der Stadtrat, schließlich habe er kein weiteres Steuergeld eingebracht – so wie von Anfang an geplant. „Auch wenn der Ton manchmal rauer war, wollten wir alle stets das gleiche: Eine sichere Zukunft für die Lions.“ Ein Anfang ist gemacht.

          Siggi Schneider

          Er kam, sah – und siegte? Abwarten! Siggi Schneider, der Mehrheitseigner der Lions, sagte am Donnerstag, dass es „zu früh ist, Glückwünsche entgegen zu nehmen“. Es gebe „nichts Schlimmeres“, meinte der Unternehmer, der kurz vor Fristende mit seinen Partnern noch eine Bürgschaft in Höhe von 1,2 Millionen Euro bei der DEL hinterlegt hatte, „als zu früh zu feiern“. Denn die Hoffnungen, einen weiteren Großsponsor oder Investor zu gewinnen, haben sich „bis jetzt nicht erfüllt“. Als der 52 Jahre alte Schneider Ende 2008 die Löwen übernahm, wird er nicht geahnt haben, auf welches Abenteuer er sich da eingelassen hatte. Und je besser er mit den düsteren Bilanzen vertraut wurde, desto schlechter wurde seine Stimmung. Das bekam irgendwann auch Sportdezernent Frank zu spüren und zu hören. Schneider ist ein sehr emotionaler Mensch, und so ist es wohl zu erklären, dass er sich schon mal im Ton vergriff. Und so war es eine kluge Entscheidung, dass er sich in den entscheidenden Verhandlungsrunden zurückgenommen haben soll und einen Geschäftspartner vorgeschickt hat. David Knower, Deutschland-Chef des amerikanischen Finanzinvestors Cerberus, hat maßgeblich dabei mitgeholfen, dass die Stadt Frankfurt das Rettungspaket geschnürt hat. Ein Diplomat ist Siggi Schneider nicht. Ob er dennoch kam, sah und siegte, werden die nächsten Tage zeigen.

          Gernot Tripcke

          In diesem Juni feiert der Kölner Rechtsanwalt sein zehnjähriges Jubiläum als Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga. Großen Grund zur Freude kam dabei in den vergangenen Tagen nicht auf: 15 Standorte zählte die Liga zuletzt, fast an jedem klagten die Protagonisten über wirtschaftliche Schwierigkeiten. Für das Ausbleiben der Fans, die schlechte Fernsehvermarktung und die nachlassende Sponsoringbereitschaft der Wirtschaft machen die Klubbesitzer allenthalben Tripcke verantwortlich – wohl wissend, dass sie es eigentlich sind, die die Rahmenbedingungen festlegen, die sie ihren wichtigsten Angestellten lediglich nutzen lassen. Dass die Lage rasch besser wird, ist kaum zu erwarten. Ein erster Schritt, das Interesse zu steigern, wäre es, den aufgeblähten Vorrundenspieltag auf ein vernünftiges Maß zu stutzen. Vielleicht kommt es notgedrungen dazu. Zum Beispiel, weil sich die Zahl der Teams reduzier. Aufsteiger München, Köln, Krefeld, Hannover und Hamburg haben ebenfalls die Lizenz nicht sicher, Kassel kämpft vor Gericht gegen den Zwangsausschluss aus der DEL. Tripcke fiel zuletzt vor allem durch fatalistische Äußerungen auf: „Wenn wir 12 Teams sind, sind wir 12. Wenn wir 16 sind, sind wir 16“, kommentierte er die unklaren Aussichten für die kommende Saison. Dafür bekam der Zweiundvierzigjährige Ärger von allen Seiten. Seitdem ist er ruhiger geworden. Zu den Erfolgsaussichten der Lions sagte er nicht viel. Er sprach nur vom „kooperativen Verhalten“. Jetzt müsse man aber sehen, „ob der Nachweis der Leistungsfähigkeit geglückt ist“.

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