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Frankfurt Lions : „Ich muss schnell Klarheit haben“

Verteidiger Sebastian Osterloh macht sich Sorgen um die Lions und seinen Arbeitsplatz Bild: Rainer Wohlfahrt

Es geht auch um seine Zukunft: Eishockeyprofi Sebastian Osterloh bangt mit den Lions. Der Klub wird sich gegen den Lizenzentzug wohl wehren.

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          Sebastian Osterloh ist in diesen Tagen ein begehrter Gesprächspartner. Der Verteidiger der Lions ist neben Stürmer Simon Danner einer von nur noch zwei Frankfurter Eishockeyprofis, die mit ihren Familien im Rhein-Main-Gebiet verblieben sind. Der Rest befindet sich im Sommerurlaub in Bayern, an Stränden Südeuropas oder in Ferienhäusern in Übersee – und sie rufen bevorzugt den 27 Jahre alten Osterloh an, wenn sie wissen wollen, ob es etwas Neues gibt bei ihrem gemeinsamen Arbeitgeber, der erst durch den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens und die am Mittwoch verweigerte Lizenz der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mächtig in Schwierigkeiten geraten ist.

          Seit Mitte der Woche ist nun auch Torwart Ian Gordon unterwegs nach Kanada, wo Manager Dwayne Norris und Trainer Rich Chernomaz längst in ihren Ferienhäusern eingetroffen sind. Das bedeutet: Osterloh informiert zusätzlich die Nordamerika-Fraktion über den Gang der Dinge. Der während der Saison übliche Informationsfluss über die Geschäftsstelle ist seit der Schließung der Räume in der Innenstadt unterbrochen. Jeder seiner Kollegen will erfahren, ob es, wie im Mai geplant, Ende Juli ein Zurück nach Frankfurt gibt. Osterloh kann es ihnen nicht sagen. „Ich weiß doch auch nur das, was in der Zeitung und im Internet steht“, berichtet er, wann immer ihn einer seiner Mitstreiter anruft, „und es sieht wohl nicht so gut aus.“

          „Ich muss Geld verdienen. Ich bin Profi.“

          Trotz der ungewissen Perspektiven bemüht er sich, den Alltag eines Profisportlers wie geplant fortzuführen. Das heißt: Anfang Juli werden die Fitnessgrundlagen für die kommende Spielzeit gelegt. Osterloh stemmt Gewichte in einer Frankfurter Muckibude, geht Laufen in den Wäldern rund um Dreieich. In dem Ort unweit von Offenbach hat er sich zuletzt für seine Frau und seinen am Freitag zwei Jahre alt gewordenen Sohn ein Haus gemietet – im sicheren Glauben, längerfristig bei den Lions sein Geld zu verdienen. Das Packen von Umzugskisten ist augenblicklich das Letzte, auf das er Lust hat.

          Unter der Anleitung von Chernomaz entwickelte sich der anfangs nur durch seine Robustheit überzeugende Abwehrmann bei den Lions zu einem allseits geschätzten Nationalspieler. Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2011 – das Papier, auf dem die Übereinkunft verfasst ist, wäre sofort hinfällig, wenn die Löwen von September an nicht mehr in der ersten Liga mitspielen dürften. Der „totale Schock, dass es auch Frankfurt wirtschaftlich so schwer erwischt hat“, ist inzwischen einem realistischen Blick auf die Ausgangslage gewichen: „Ich muss Geld verdienen“, sagt Osterloh, „ich bin Profi.“ Und weiter: „Auch wenn mein Herz an den Lions hängt, muss ich schnell Klarheit haben, wo es für mich einen Platz gibt.“

          „Zu 95 Prozent entschlossen, dass wir uns juristisch wehren“

          Am liebsten sähe er es, wenn es in „Frankfurt irgendwie weiterginge“. Wenn nicht, hat sein Berater bereits den Markt sondiert, um ihm andernorts eine Stelle zu beschaffen. Dass er über einen guten Namen in der DEL verfügt und es in der Vergangenheit schon mehrere Versuche von ambitionierten Klubs wie den Mannheimer Adlern gab, ihn abzuwerben, beruhigt Osterloh nicht wirklich: „Wenn die Klubs bald ihre vier bis fünf Abwehrpositionen besetzt haben, falle ich hinten runter.“

          Dass die Lions versuchen könnten, mit einem Gang vors Schiedsgericht der DEL das Aus abzuwenden, deutete sich am Freitagnachmittag an. Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge, hat sich der Aufsichtsrat des Klubs „zu 95 Prozent dazu entschlossen, dass wir uns juristisch wehren“, wie ein Partner von Mehrheitseigner Siggi Schneider sagte. Außerdem befinde man sich in aussichtsreichen Gesprächen mit fünf Sponsoren, „die zum Einstieg bereit sind, doch es drängt die Zeit“. Für Montag wurde zu einer Pressekonferenz eingeladen, auf der Einzelheiten bekanntgegeben werden sollen. Osterloh wird sie mit Interesse in Internet und Zeitung nachlesen.

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