https://www.faz.net/-h4y-16phi

Frankfurt Lions : Die Hilferufe werden immer lauter

„Alle haben Panik”: Torwart Ian Gordon und seine Kollegen wissen nicht, wie es mit den Lions weitergeht. Bild: DPA

Noch fehlen den Lions 3,4 Millionen Euro. Jetzt sollen die Fans zur Rettung des Eishockeyklubs beitragen. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

          2 Min.

          Der Countdown läuft. In etwa zwei Wochen wollen die Frankfurt Lions mitteilen, ob die Sportart Eishockey noch eine Zukunft hat oder ob das Kapitel beendet ist. Am Mittwoch sendete der Klub, der einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat, einen weiteren Hilferuf in die Öffentlichkeit. Diesmal werden die Fans darum gebeten, zur Rettung beizutragen. „Bist Du ein Löwe?“ – so nennt sich die Aktion, mit der Verein aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ab sofort mobil machen will. Die Anhänger sollen so bald wie möglich Dauerkarten bestellen, damit die ziemlich leere Kasse wieder ein wenig gefüllt wird. Es wäre keine riskante Investition: Bezahlt werden muss nämlich erst, wenn die finanzielle Lage der Löwen geklärt ist. Auch Eishockeyfans mit guten Kontakten sind jetzt gefragt. Wer potentielle Investoren und Sponsoren kennt und Kontakt herstellen kann, ist willkommen – eine E-Mail an die Lions reicht. Und für die ganz besonders wohlhabenden Eishockeyfreunde gäbe es dann noch ein „Family&Friends-Paket“: Wer beispielsweise 50 000 Euro investiert, erhält ein VIP-Paket für mehrere Personen im Wert von 10 000 Euro. Der Rest – 40 000 Euro – ist ein zinsloses Darlehen für die Löwen.

          Man sieht: Die Not ist groß. Bislang wurden 800 000 Euro eingespart. Nach neuesten Zahlen aber benötigt das Eishockeyunternehmen kurz- bis mittelfristig 3,4 Millionen Euro, um in die kommende DEL-Saison starten zu können. Die Löwen planen mit einem Etat von sechs Millionen Euro. Dem stehen bisher aber nur gesicherte Einnahmen in Höhe von 3,8 Millionen Euro gegenüber. Hinzu kommen 1,2 Millionen Euro Verbindlichkeiten, die sich in der vergangenen Saison angehäuft haben. Zudem sind Altschulden in etwa gleicher Höhe zu tilgen. Mehrheitseigner und Löwen-Chef Siggi Schneider hofft schon seit geraumer Zeit, dass ihm die Stadt Frankfurt endlich behilflich ist. Auch ein Gespräch bei Wirtschafts- und Sportdezernent Markus Frank brachte am Dienstag nicht das erhoffte Ergebnis. Es gibt viele Baustellen. So lassen sich in der veralteten, alles andere als modernen Eissporthalle nicht mehr genügend Einnahmen erzielen. Doch ein Umbau ist noch nicht in Sicht. Vor allem erwartet sich Schneider ein finanzielles Entgegenkommen. Am Mittwoch forderte er: „Die Stadt soll uns die komplette Hallenmiete erlassen.“ Und nicht nur das.

          Die Uhr tickt unaufhörlich

          Auch alte Mietschulden, die vom Team um den ehemaligen, mittlerweile verstorbenen Klubeigentümer Gerd Schröder verursacht worden waren, wollen die Lions nicht begleichen. „Wir fühlen uns moralisch nicht verpflichtet, die Altlast zu bezahlen.“ Warum? Schneider findet, dass er und seine beiden Mitstreiter einen wichtigen Beitrag zur sportlichen Vielfalt in der Stadt leisten. Was das Trio bislang 5,25 Millionen Euro gekostet hat. Dieses Engagement müsse honoriert werden. Dass es schwer ist, Sponsoren und Investoren zu finden, weiß Schneider. Was nicht nur an der allgemeinen Wirtschaftslage und dem erbärmlichen Zustand der DEL zu tun habe: „Auch der Ruf der Lions hat sehr gelitten.“ Dies wirft er seinen Vorgängern vor. Die hätten „unseriös“ gearbeitet – bis hin zur „Eigenbereicherung“. Schneiders Urteil fällt hart aus: „Das Einzige, was unsere Vorgänger präzise konnten, waren Verschachtelung und Verschleierung von Geldern. Wir sind da in einem Nirvana-Land aufgeschlagen.“ Doch das sei Vergangenheit. „Wir haben sauber gewirtschaftet. Wir sind erklärbar und transparent. Wir sind eigentlich auf einem guten Weg. Uns fehlen halt nur ein paar Mark.“ Und zwar 3,4 Millionen Euro.

          Bis zum 2. Juli will die DEL die Lizenzierungsunterlagen geprüft haben. Die Uhr tickt unaufhörlich. Schneider mag noch nicht aufgeben. „Wir sitzen ja nicht hier und warten darauf, bis der Zeiger 12 Uhr anzeigt. Wir führen gute Gespräche mit möglichen Sponsoren, die uns Hoffnung geben“, sagt er. Und wenn die Portemonnaies geschlossen bleiben? Dann wäre der Mann, der angetreten war, um die Lions zu retten, nicht mehr mit an Bord. Einen Neuanfang des Frankfurter Eishockeys in einer unteren Spielklasse kommt für ihn nicht in Frage. „Wenn die Lions nicht mehr in der DEL spielen“, sagt Schneider, „würde ich nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Und wenn er damals, vor eineinhalb Jahren, geahnt hätte, was auf ihn zukommen würde? „Mit dem Stand von heute würde ich nicht mehr antreten.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die zweite Woche öffentlicher Anhörungen in den Impeachment-Ermittlungen beginnt.

          Amtsenthebungsermittlungen : Der Oberstleutnant und der Amigo

          In den Impeachment-Ermittlungen im Kongress werden heute Alexander Vindman und Kurt Volker angehört. Die Demokraten wollen der Öffentlichkeit darlegen, wie Donald Trump die Ukraine-Politik für seine Wiederwahl missbrauchen wollte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.