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Eishockey : Ein Hilferuf der Lions

Die Frankfurter Lions hoffen, dass die Stadt den Umbau der Spielstätte zügig vorantreibt Bild: dpa

Der Eishockeyklub schien gerettet. Nun hat er wieder eine Million Euro Verlust gemacht. Klubchef Schneider versucht, Stadt und Sponsoren zu mobilisieren.

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          Hilfe! Geht das jetzt schon wieder los? Stehen die Frankfurt Lions vor der Insolvenz? Droht ihnen das Aus in der Deutschen Eishockey Liga? Eigentlich war Siggi Schneider im Dezember 2008 angetreten, um dieses Szenario zu verhindern. Er wollte das Eishockey in Frankfurt retten. Und das Vorhaben schien tatsächlich gelungen zu sein. Der Unternehmer gründete zusammen mit zwei Kompagnons die SSD AG und übernahm den maroden, heruntergewirtschafteten Laden. Mehr als fünf Millionen Euro wurden investiert, um die Lions von Altlasten zu befreien und damit vor dem Aus zu bewahren.

          Doch jetzt gesteht der Retter ein, dass die Not schon wieder groß ist. Obwohl er vor kurzem noch behauptet hatte, dass die Löwen auf einem guten Weg in eine finanziell solide Zukunft seien. Von wegen. Einen neuen Verlust in Höhe von einer Million Euro haben die Löwen in dieser Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) eingefahren. Benötigt werden jetzt dringend neue Geldgeber, zumal die Commerzbank nun als Helmsponsor ausgestiegen ist, weshalb dem Verein 300 000 Euro fehlen. Und auch von der Stadt erwartet Schneider ein Entgegenkommen. Vor allem müsse der Umbau der in die Jahre gekommenen Eissporthalle endlich vorangetrieben werden. Schicke Logen, mehr Zuschauer – höhere Einnahmen. Und wenn nicht? Dann hätte das Eishockey in Frankfurt seinen Überlebenskampf verloren.

          Ohne Lizenz gäbe es kein Eishockey mehr in Frankfurt

          Bis zum 31. Mai müssen die Lions bei der DEL ihren Etatentwurf für die nächste Saison einreichen. Bleibt es beim derzeitigen Stand der Dinge, „dann werden wir keine Lizenz beantragen. Damit würde es im Endeffekt kein Eishockey mehr in Frankfurt geben“, behauptet Siggi Schneider. Er und seine beiden Geschäftspartner sind nicht bereit, noch mehr Geld in den Klub zu stecken. „Wir waren ja nicht heiß drauf, die Lions zu kaufen. Sondern wir wollten der Stadt Eishockey erhalten. Und wir haben darauf gehofft, dass Hilfe der Stadt kommt.“

          Dezenten, aber nachhaltigen Druck ausüben – dieses Spielchen ist in der DEL weit verbreitet. Überall dort, wo akute Geldnot herrscht, wird erst einmal Alarmstufe Rot signalisiert, auch in der Hoffnung, dass sich doch noch ein Retter finden möge.

          Finanzsorgen auch andernorts

          Derzeit haben auch die Kassel Huskies, die Kölner Haie und die Krefeld Pinguine arge finanzielle Sorgen. Schon seit Monaten spricht Siggi Schneider daher mit Vertretern der Stadt. Schon in der nächsten Woche findet die nächste Runde statt. Und Sportdezernent Markus Frank (CDU) sieht die Sache vergleichsweise entspannt. Am Freitag legte er erst einmal ein Bekenntnis zugunsten der Löwen ab. „Die Lions sind uns wichtig. Eishockey ist eine wichtige Säule im Sport dieser Stadt. Wir helfen, wo wir helfen können“, sagte Frank, der nur lobende Worte für den Klub und dessen Führung übrig hat: „Sportlich geht es bergauf. Und die Lions haben das Potential, mittelfristig in den grünen Bereich zu kommen. Das Management ist seriös. Sie haben alles bezahlt, was zu bezahlen war.“

          Allerdings bittet er um Geduld. Nach den Sommerferien erwartet der Sportdezernent die Ergebnisse einer Studie zum Umbau der Eissporthalle. „Natürlich sind die Lions ungeduldig. Sie hätten es natürlich gerne, dass wir morgen damit anfangen, eine schöne Multifunktionsarena zu bauen. Aber das geht natürlich nicht.“ Allerdings kann Markus Frank die Sorgen der Lions durchaus verstehen: „Wir sehen das als Hilferuf, aber wir waren schon vorher alarmiert.“

          Mögliche Sponsoren wachrütteln

          Den Lions geht alles dennoch nicht schnell genug. „Man ist entweder zu langsam oder nicht ganz willens, uns zu helfen“, glaubt Schneider, der allerdings nicht nur die Kommune in der Pflicht sieht zu helfen. „Die Stadt ist nicht unser letzter Strohhalm. Auch die Sponsorenwelt muss sich bewusst werden, ob sie Eishockey unterstützen will. Eishockey ist ja ein gutes Produkt“, glaubt Siggi Schneider. Doch der Rückzug der Commerzbank zeigt, dass es offenbar ein schwieriges Unterfangen ist, diese Sportart zu vermarkten. „Die Commerzbank macht nur noch Fußball“, sagt Schneider: „Wenn alle denken, dass nur noch Fußball wichtig ist, dann gibt es halt kein Eishockey mehr.“ Der Hilferuf der Lions diene deswegen auch dazu, mögliche „Sponsoren wachzurütteln“.

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